POLITIK
25/12/2017 15:28 CET | Aktualisiert 25/12/2017 15:38 CET

Städte und Gemeinden warnen vor einem Scheitern der Integration

Vertreter der Kommunen sorgen sich, weil inzwischen 600.000 Flüchtlinge Hartz IV bekommen

  • Der Städte und Gemeindebund fürchtet um das Gelingen der Integration
  • Anlass der Sorge ist unter anderem die steigende Zahl der Flüchtlinge unter den Hartz-IV-Empfängern
  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Die Kommunen haben vor einem Scheitern der Integration von Flüchtlingen gewarnt.

Mitte 2017 seien fast 600.000 Flüchtlinge als erwerbsfähige Leistungsberechtigte in der Grundsicherung Hartz IV gewesen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

► ”Dies war gegenüber dem Jahr 2016 ein Anstieg von über 250.000 Menschen”, beklagte er. 

Allerdings muss man in dieser Statistik beachten: Im letzten Jahr sind viele Flüchtlinge als Asylsuchende anerkannt worden. Erst ab diesem Zeitpunkt erhalten sie keine keine Leistungen für Asylbewerber mehr, sondern Hartz IV - und tauchen also erstmals in der Statistik auf.

Weniger als 200.000 Flüchtlinge seien zur Jahresmitte einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgegangen.

“Diese Zahlen zeigen, dass wir noch gewaltige Anstrengungen unternehmen müssen, bis die Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge gelungen ist”, betonte Landsberg weiter.

Landsberg sieht Dänemark als Vorbild

Er empfahl Länder wie Dänemark als Vorbild. “Dort werden die Flüchtlinge so schnell wie möglich an den Arbeitsmarkt herangeführt, der Spracherwerb erfolgt parallel”, sagte Landsberg. “Deutschland muss sich von den starren Mustern verabschieden und auf neue Herausforderungen mit neuen Konzepten reagieren.” Der Erwerb der Sprachkenntnisse funktioniere am besten über Arbeit.

Der Hauptgeschäftsführer nahm zugleich die Wirtschaft in die Pflicht. Vor allem von den großen Unternehmen erwarte er “erheblich mehr Anstrengungen und Engagement im Bereich der Arbeitsmarktintegration”. So könnten sich etwa lokale Bündnisse für Arbeit bilden, in denen Kommunen, Handelskammern, Unternehmen, regionale Wirtschaft und Ausbildungseinrichtungen zusammengeschlossen seien.

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