ELTERN
29/08/2018 17:13 CEST | Aktualisiert 03/09/2018 09:02 CEST

"Spiel mit mir": 7-Jähriger organisiert Demo gegen Smartphone-Eltern

"Handys stören mein Leben.“

Kentaroo Tryman via Getty Images
  • Ein Siebenjähriger aus Hamburg hat eine Anti-Smartphone-Demonstration angemeldet. 
  • Er will, dass Erwachsene weniger Zeit mit ihren Smartphones verbringen.

Kinder, deren Eltern besonders viel Zeit mit ihrem Smartphone verbringen, weisen häufiger ein problematisches Verhalten auf. Davor warnen Wissenschaftler schon seit Längerem. 

Diese Kinder sind demnach häufiger frustriert und hyperaktiv, jammern und schmollen öfter und haben mehr Wutanfälle. Und im Umkehrschluss greifen die gestressten Eltern nur noch häufiger zum Smartphone.

Ein Teufelskreis, den der siebenjährige Emil Rustige aus Hamburg jetzt brechen will. Der Grundschüler hat eine Demonstration gegen “Handy-Eltern” organisiert. Der Siebenjährige fordert: “Spielt mit mir! Nicht mit euren Handys.” 

“Ich habe ihn etwas gefragt, aber er hat gar nicht reagiert”

Der Junge sei mit seinem Vater von einer Demonstration mit der U-Bahn heimgefahren, als ihm aufgefallen sei, dass die meisten Fahrgäste auf ihre Smartphones schauten – auch sein Vater. Das berichtete die Boulevard-Zeitung “Berliner Kurier”. 

“Ich habe ihn etwas gefragt, aber er hat gar nicht reagiert”, sagte der Siebenjährige dem “Berliner Kurier”. So sei ihm die Idee zur Demonstration gekommen.

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Daheim habe er seine Mutter gefragt, ob er nicht auch gegen übermäßige Smartphone-Nutzung demonstrieren könne. 

Die Eltern, Lisa und Martin Rustige, hätten dann mit ihrem Sohn die Kinder-Demo angemeldet.

Unter der Internetadresse www.emilgehtaufdiestrasse.de ruft Mutter Lisa Rustige zur Demonstration auf. „Anders geht es wohl nicht“, sagte Emil weiter.

„Handys stören mein Leben“

Am 8. September 2018 wird Emil zusammen mit anderen jungen Smartphone-Kritikern durch das Hamburger Stadtviertel St. Pauli ziehen. Der Grundschüler hofft auf großen Andrang:  „Ich fänd’s schön, wenn 200 kämen. Oder mehr“, sagte er dem Newsportal.

“Handys stören mein Leben. Dauernd ruft jemand an, egal ob wir gerade essen oder spielen. Ich finde, die Erwachsenen könnten auch auflegen und später zurückrufen. Oder abends Nachrichten verschicken, wenn wir schlafen!”

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Die Eltern des engagierten Grundschülers glauben nicht, dass ihr eigenes Smartphone-Nutzungsverhalten problematisch sei: “Wir checken mehrmals täglich berufliche E-Mails, WhatsApp, Facebook. Für Emil ist das zu viel. Das ist nun mal seine Wahrnehmung”, sagte Lisa Rustige.

“Lernen statt beschimpfen”

So beeindruckend das Engagement des Siebenjährigen auch ist – ob Eltern, die ihre Smartphones häufig nutzen, künftig ihre Handys aus der Hand legen werden, bleibt fraglich.

“Anstatt Eltern für ihre Smartphone-Nutzung zu beschimpfen, sollten wir alle langsam lernen, besser mit unseren Geräten und Mitmenschen umzugehen”, sagte Brandon McDaniel auf der Webseite der US-Amerikanischen Universität “Illinois State University”. McDaniel ist Assistenzprofessor der Abteilung für Familien- und Konsumforschung der “Illinois State University” und erforscht, wie sich die Smartphone-Nutzung von Eltern auf ihre Kinder auswirkt. 

Er rät betroffenen Eltern, sich einzugestehen, dass sie gestresst seien –anstatt sich mit dem Handy von der Stresssituation abzulenken. Außerdem sollten die Eltern ihren Kindern zeigen, dass sie wichtig für sie sind.

Dafür müssten die Eltern ihren Blick vom Smartphone abwenden und ihren Kindern in die Augen sehen, wenn sie miteinander sprechen. Eine bewährte Methode sei, technikfreie Zonen einzuführen. Das könnten bestimmte Räume oder Uhrzeiten sein. 

“Jede Familie muss den Weg finden, der für sie am besten funktioniert.”

(nc)