POLITIK
04/03/2018 10:39 CET | Aktualisiert 04/03/2018 11:19 CET

Der Blick von SPD-Chef Scholz verrät, in welchem Dilemma die Partei nach ihrem GroKo-Ja steckt

Es herrschte Totenstille im Willy Brandt Haus.

JOHN MACDOUGALL via Getty Images
  • Die GroKo kommt - aber jubeln möchte über das Ergebnis niemand, als es in der Parteizentrale vorgelesen wird

  • Die Partei steckt nun in einem schwierigen Dilemma

Die SPD kann aufatmen: 66 Prozent der Mitglieder haben für die eine Große Koalition mit der Union gestimmt.

Damit gibt es vorerst keine Neuwahlen, bei denen die Partei vermutlich abgestürzt wäre.

Applaus gab es nur an einer Stelle

Doch Jubeln möchte bei der SPD darüber niemand.

Im Vorfeld wurde die Abstimmung als Wahl zwischen Pest und Cholera beschrieben.

Was das bedeutet, merkte man spätestens, als der Notar Dietmar Nietan das Ergebnis am Sonntagvormittag in der Parteizentrale verkündete.

Dabei herrschte Totenstille.

Dabei klatschten die Zuhörer zuvor noch, als er sich bei den Helfern der Auszählung bedankte. 

Das gibt einen Vorgeschmack darauf, mit wie viel Elan und Vorfreude die Partei in das neue Regierungsbündnis geht.

Auch Scholz war völlig regungslos

Wenig besser ist die Stimmung, als der kommissarische SPD-Chef Olaf Scholz das Ergebnis kommentiert.

Die Zuhörer erlebten einen gewaltigen Widerspruch zwischen dem, was Scholz sagte - und was sein Blick, seine Mimik und Tonlage verrieten.

“Die Mitglieder der SPD sind mit großer Mehrheit der Empfehlung des Parteivorstands gefolgt”, sagt Scholz mit einer selbst für seine norddeutschen Verhältnisse versteinerten Miene.

Es sei eine wichtige und spannende Debatte gewesen.

Die Partei steckt in einem Dilemma

“In der Diskussion sind wir weiter zusammengewachsen”, sagte er. “Das schafft uns jetzt die Kraft, um unser Land auf den richtigen Weg zu bringen.”

Sein Blick hingegen erzählte eine andere Geschichte.

Darin war die Anstrengung de vergangenen Wochen zu lesen, die heftigen innerparteilichen Debatten, die die Sozialdemokraten über die GroKo führten.

Dass dieser nach dem Votum einfach verschwinden wird, ist unwahrscheinlich. Beobachter erwarten, dass sich die Partei noch weiter zerstreiten könnte. 

Sie steckt in einem Dilemma: Sie muss mit der Union regieren.

Gleichzeitig muss sie um ihr politisches Überleben kämpfen und sich wahrnehmbar von der Union abgrenzen - mit neuen Köpfen und Inhalten.

Wie dieser Spagat gelingen soll, ist die Frage, die sich an diesem Sonntag viele stellen.