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07/06/2018 14:23 CEST | Aktualisiert 20/08/2018 18:18 CEST

Berliner SPD will feministische Pornos fördern, um Jugendliche aufzuklären

Selbst produzieren soll der Staat die Filme aber nicht.

sakkmesterke via Getty Images
Der Berliner SPD geht es um Sex auf Augenhöhe. (Symbolbild)  
  • Die Berliner SPD setzt sich dafür ein, staatlich geförderte feministische Pornos zu produzieren.
  • Die Filme sollen kostenlos im Internet zugänglich sein, um Jugendlichen eine gleichberechtigte Sicht auf Pornografie zu geben.

Die Frage: “Warum liegt hier Stroh rum”, wurde eine der bekanntesten Phrasen in den 2000er Jahren. Und das vor allem bei Jugendlichen. Der Auslöser war ein Porno, der nicht besser verdeutlichen könnte, nach welchem Muster die Branche funktioniert.

Die Frau als reines Lustobjekt um den Mann zu befriedigen, der sich nimmt, was er will.

Feministische Erotik-Regisseurinnen wie Erika Lust oder Mia Engberg gehören in der Branche zur Seltenheit. Ihre Filme, oft mit einem künstlerischen Ansatz, sind, anders als herkömmliche Pornos, meist nicht kostenlos abzurufen. 

Doch konsumiert werden Pornos vor allem in Deutschland in großer Zahl. So lägen die Deutschen noch vor Spanien und England auf Platz Eins der Porno-Schau-Nationen.

In einer 2017 veröffentlichten Studie der Universitäten Hohenheim und Münster legten Forscher dar, dass Jugendliche im Schnitt mit 14 Jahren das erste Mal mit Pornografie in Kontakt kommen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen spreche dann jedoch nicht mit einer Vertrauensperson darüber, die das Gesehene erklären könnte.

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Als Aufklärungsmöglichkeit bleibt ihnen der Sexualkundeunterricht, manchmal das Gespräch mit Eltern, der Austausch mit Freunden und sehr häufig das erneute Schauen von Pornografie. Doch das dargestellte Rollenbild wirkt sich auf ihr zukünftiges Sexualverhalten aus.

Mit staatlichen Geldern gegen frauenfeindliche Pornos

Das möchte Ferike Thom ändern.Wenn sich Jugendliche danach ausrichten und wenn das das Einzige ist, was sie sehen, und was ihnen erklärt, wie Sexualität angeblich funktioniert, ist das schwierig,” erklärt die Vorsitzende der JUSO gegenüber dem Radiosender Deutschlandfunk.

Deswegen hat sie gemeinsam mit der Berliner SPD einen Antrag gestellt, feministische Pornos staatlich fördern zu lassen und Jugendlichen so eine barrierefreie Alternative zu herkömmlicher Pornografie zu bieten.

Feministisch bedeute in diesem Zusammenhang nicht nur Sex auf Augenhöhe zwischen Männern und Frauen, sondern generell sexuelle Vielfalt abzubilden und faire Produktionsbedingungen zu bieten.

► Die Filme sollen von bereits bekannten feministischen Regisseuren und Regisseurinnen und Produktionsfirmen gedreht werden und dann über die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender, sowie über die Website der Zentrale für politische Bildung abzurufen sein. Kostenlos und mit Altersprüfung verstehe sich.

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In Schweden ist das Vorhaben der Ferike Thom bereits Wirklichkeit und nach deren Vorbild sollen die Pornos auch produziert werden. Die “Dirty Diaries” sind 13 pornografische Filme, die gleichberechtigten Sex zeigen sollen und bereits 2009 durch staatliche Förderung finanziert wurden.

(glm)