POLITIK
08/03/2018 15:52 CET

Sozialhilfeempfänger dealte mit Drogen: "Ich brauchte das Geld für meine Tochter"

Elternliebe hält sich nicht immer an Gesetze.

Johann Schumacher via Getty Images
Vater bringt seiner Tochter das Fahrradfahren bei (Symbolbild)
  • Ein alleinerziehender Vater in Sachsen-Anhalt hat mit Drogen gehandelt
  • Das Argument, er habe das Geld für seine Tochter gebraucht, überzeugte das Gericht nicht

Ob sich ein Vater aus Sachsen-Anhalt sich von “Breaking Bad” inspiriert gefühlt hat? Ein Fall, der im Februar vor dem dem Amtsgericht Köthen verhandelt wurde, erinnert jedenfalls ein wenig an die bekannte US-Krimiserie:

Der Vater wurde zum Drogendealer. Wie er vor Gericht angab wollte er von dem Geld seiner Tochter zu helfen.

Wie nun die “Mitteldeutsche Zeitung” (“MZ”) berichtet, hat sich der 38-jährige Hartz-IV-Empfänger zuvor nie etwas zuschulden kommen lassen.

Marihuana und Crystal Meth sichergestellt

Im April 2016 geriet der Mann dem Bericht nach mit seinem Wagen in eine Polizeikontrolle. Ein Drogentest fiel positiv aus, obwohl der Mann zu dem Zeitpunkt keine Drogen genommen hatte.

Allerdings dealte der Vater und wollte den Vorfall nach eigenen Angaben zum Anlass nehmen, damit Schluss zu machen. Er führte die Beamten in seine Wohnung und händigte ihnen seine Drogenvorräte aus.

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Laut “MZ” stellen die Beamten 100 Gramm Marihuana und vier Gramm Crystal Meth sicher. 

Alleinerziehend und Hartz IV

Auf die Frage der Richterin, warum er sich als völlig unbescholtener Bürger überhaupt auf den unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln eingelassen habe, erklärt er der Zeitung zufolge:

“Ich bin alleinerziehend und lebe von Hartz IV, ich habe das Geld für meine Tochter gebraucht.“

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Vor Jahren sei plötzlich seine kleine Tochter zu ihm gezogen. Da hätten das Geld vom Amt und auch seine Ersparnisse nicht mehr ausgereicht, weil er plötzlich viele Dinge neu habe besorgen müssen.

Etwa 200 bis 300 Euro im Monat habe er sich mit den Drogen dazuverdient.

Gefährdung der Tochter – kein Pardon vor Gericht

Wie die “MZ” berichtet, wollte der Mann vor Gericht geltend machen, dass er als übergewichtiger, herzkranker Alleinerziehender keine Arbeit bekomme. Die Richterin warf ihm dagegen Bequemlichkeit vor und wies auf die teuren, hochwertige Geräte in seiner Wohnung hin.

Besonders aber soll das Gericht gestört haben, dass der Vater die Drogen in der Brotbüchse aufbewahrte. Er habe seine Tochter in Gefahr gebracht, denn der Ort sei für sie leicht zugänglich gewesen. 

Das Gericht verurteilte den Mann zu einem Jahr und 6 Monaten Haft, die zu zwei Jahren Bewährung ausgesetzt werden. Zusätzlich muss er 100 Sozialstunden im Köthener Tierpark leisten.

Hohes Armutsrisiko bei Alleinerziehenden

Der Fall, wie auch immer man ihn bewerten mag, wirft ein Schlaglicht auf ein weit verbreitetes Problem: 

Wie die “Saarbrücker Zeitung” berichtet, hat sich die das Armutsrisiko für Alleinerziehende in den letzten Jahren immer weiter erhöht. Das Blatt beruft sich dabei auf Zahlen, die von der Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion vom September bereitgestellt wurden.

2016 verdienten demnach 43,6 Prozent der Alleinerziehenden so wenig, dass sie von Armut bedroht waren. Im Jahr 2005 lag der Anteil noch bei 39,3 Prozent.

Mehr als ein Drittel aller Haushalte Alleinerziehender mit minderjährigen Kindern habe Hartz IV bezogen. In absoluten Zahlen seien das 606.000 – immerhin 42.000 mehr als noch 2005.

Prekäre Beschäftigung und Langzeitarbeitslosigkeit

Sabine Zimmermann, stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, äußerte sich besorgt über die Situation: “Alleinerziehende haben es besonders schwer auf dem Arbeitsmarkt.” Selbst dann, wenn sie gut ausgebildet sind.

Unternehmer hätten häufig Vorurteile, da diese Väter oder Mütter nicht so uneingeschränkt verfügbar seien. Oft arbeiteten sie in schlecht bezahlten Jobs und seien besonders von Langzeitarbeitslosigkeit bedroht.

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Die Leidtragenden sind vor allem die Kinder. Wie Deutschlands bekanntester Armutsforscher, Christoph Butterwegge, im September in der HuffPost sagte, leben zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Hartz-IV-Familien. Das sei mit dem Sozialstaatsgebot des Grundgesetz nicht vereinbar.

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