POLITIK
26/02/2018 13:25 CET | Aktualisiert 04/04/2018 12:37 CEST

Sozialhilfeempfänger gewinnt im Lotto – das Glück wird ihn ruinieren

Wer kein Geld hat, kann auch beim Lotto nur verlieren.

  • Ein Lottogewinn ruiniert das Leben eines 63-jährigen Briten
  • Auch deutsche Hartz-IV-Empfänger sollten aus dem Fall lernen
  • Im Video oben: So wohnen Hartz-IV-Empfänger in Deutschland

Daniel Millar wollte nur einmal Glück im Leben haben. Der 63-jährige Schotte aus Motherwell bei Glasgow leidet unter schweren gesundheitlichen Problemen und ist auf seinen Rollstuhl, sowie die Pflege durch seine Frau angewiesen.

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Der Mann lebt in Großbritannien von staatlichen Zuwendungen und bekommt neben Sozialhilfe und Wohnkosten-Beihilfe auch einige Steuerermäßigungen und weitere “bedürftigkeitsorientierte Leistungen”.

Amt streicht Sozialhilfe

Im September schien sich sein Leben dann zu einem Besseren zu wenden –  denn Millar gewann im Lotto – 80.000 Pfund (umgerechnet etwa 90.000 Euro) räumte er ab. 

Doch der Gewinn verbesserte nichts. Er habe sogar sein Leben ruiniert, wie er der britischen Online-Zeitung “Daily Record” sagte. Denn er hatte ihn nicht dem Ministerium gemeldet - und das streicht nun seine Zahlungen, weil es Millar nicht mehr für bedürftig hält.

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Das Problem: Als der Bescheid vom Arbeits- und Pensionsministerium kam, war die Gewinnsumme längst ausgegeben.

Die Millars hatten davon Familienurlaube gezahlt und ihre Wohnung renoviert. Den Rest hatten sie an bedürftige Nachbarn und Freunde gespendet.

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Bereits drei Monate nach dem Gewinn, im Dezember, war von dem Geldsegen nichts mehr übrig. Auf Daniel Millars Konto herrschte mit einem Stand von minus sieben Pfund wieder die übliche Tristesse.

Lottoglück wird vom Staat bestraft

Doch ohne die staatlichen Zuwendungen wissen die Millars mittlerweile nicht mehr, von was sie leben sollen.

Denn Millar bezieht neben einer wöchentlichen Pension von etwas mehr als einem Pfund nur 350 Pfund im Monat aus einer privaten Altersvorsorge

Seine Frau erhält für die Vollzeit-Pflege ihres Mannes nur 62 Pfund, die sie vor allem zum Begleichen von Rechnungen beiseitelegen muss. 

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“Wir wissen einfach nicht mehr, was wir tun sollen”, sagte sie dem “Daily Record” und klagt über die Ungerechtigkeit des Systems: “Es gibt Leute, die Millionen gewinnen. Wir haben nur mal ein bisschen Glück und werden auch dafür sofort wieder bestraft.”

Der Fall Daniel Millar ist einer von zahlreichen ähnlichen Fällen, die in England in den letzten Jahren Aufsehen erregt haben. 

Ähnliche Rechtslage bei Hartz IV

Doch auch bei uns in Deutschland ist die Rechtslage ähnlich. Denn wer beispielsweise Hartz IV bezieht und im Lotto gewinnt, muss dem Jobcenter den Gewinn melden.

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Hartz-IV-Empfänger dürfen die Gewinnsumme zwar behalten, doch sie wird mit den Leistungen aus dem Amt verrechnet.

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Auf diese Weise kann der Geldsegen am Ende sogar noch finanzielle Nachteile bringen, denn es liegt im Ermessensspielraum der Jobcenter, bis zu 100 Prozent der Leistungen zu kürzen. 

Menschen, die keinerlei Vermögen haben, dürfen also auch kein Glück haben.

(ks)