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03/07/2018 15:41 CEST | Aktualisiert 03/07/2018 19:30 CEST

Souad Abderrahim hat geschafft, was zuvor keiner Frau in Tunesien gelang

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Zoubeir Souissi / Reuters
Souad Abderrahim ist die erste Bürgermeisterin von Tunis.

► Erstmals in der tunesischen Geschichte ist eine Frau ins Bürgermeisteramt der Hauptstadt Tunis gewählt worden.

► Souad Abderrahim von der islamisch-konservativen Partei Ennahda (Wiedergeburt) gewann am Dienstag die Abstimmung in der Kommunalverwaltung mit 26 zu 22 Stimmen.

► Sie ist die erste demokratisch gewählte Person in diesem Amt.

Darum ist der Sieg von Souad Abderrahim wichtig:

Dies sei auch ein Sieg für alle Frauen, die immer noch Probleme hätten, in höhere Positionen zu kommen, sagte die frisch gewählte Bürgermeisterin.

Die 53-Jährige trägt kein Kopftuch, gibt sich weltoffen und engagiert – definiert sich selbst als islamische Feministin, ist das moderne Aushängeschild ihrer konservativen Partei.

Sie ist nicht nur die erste Frau im Rathaus von Tunis, sondern auch die erste vom Volk gewählte Person im Bürgermeisteramt. Bislang hatte der Staatspräsident das Recht, das wichtigste Amt der Stadt zu besetzen. 

Das sind die Pläne der Bürgermeisterin:

In Tunis will Abderrahim den Nahverkehr ausbauen, das Müllproblem lösen, Geld in Schulen und Parks stecken.

Und sie will, dass junge Kriminelle Sozialstunden verrichten. “So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe. Die jungen Leute kommen aus den Gefängnissen, und sie tun etwas für ihre Stadt”, sagte sie im Wahlkampf.

Doch auch wenn sie viele fortschrittliche Ideen hat – ihr Familienbild ist streng konservativ. 2011 sorgte sie für Wirbel, als sie sagte, unverheiratete Mütter seien eine Schande für die islamische Gesellschaft.

Und auch zur aktuellen Debatte über eine Reform des islamischen Erbrechts, wonach Frauen nur ein halb so großer Anteil zusteht wie Männern, schweigt sie.

Was ihr noch über die Lage in Tunesien wissen müsst:

In dem nordafrikanischen Land haben vor zwei Monaten erstmals seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Ben Ali im Jahr 2011 Kommunalwahlen stattgefunden.

Die Wahl gilt als weiterer wichtiger Schritt im Demokratisierungsprozess Tunesiens. Das Land hat nach dem Arabischen Frühling als einziges der Region weitreichende demokratische Reformen erfolgreich umgesetzt.

Allerdings kämpft Tunesien weiterhin mit starken wirtschaftlichen Problemen und ist eine Brutstätte für Terroristen – die Attentäter beim Anschlag in Nizza im Juli 2016 und im Dezember 2016 in Berlin waren Tunesier.

Mit Material der dpa.

(sk)