ENTERTAINMENT
24/07/2018 11:15 CEST | Aktualisiert 07/08/2018 14:06 CEST

"Sommerhaus der Stars": Warum Deutschland untergehen wird

Danke RTL.

MG RTL D
Der Tiefpunkt der Unterhaltung.

“Was ist der ungewöhnlichste Ort, an dem wir Sex hatten? Was mache ich nach dem Sex gewöhnlich? Wo hatten wir zum letzten Mal Sex?”

Die Frauen sitzen im Stroh und schreien Fragen heraus, ihre Männer müssen Antworten. Falsch! Zeit vorbei, eine Kanone beschießt sie mit Knoblauchpaste.

Hört sich bescheuert an? Ist es auch. Danke RTL. Man kann das “Sommerhaus der Stars” noch nicht mal als neuen Tiefpunkt der Unterhaltung im Privatfernsehen bezeichnen, diesen Rang laufen sich Sendungen wie “Bachelor in Paradise” und “Bauer sucht Frau” regelmäßig selbst ab.

Was passiert bei “Sommerhaus der Stars”? 

Man könnte sich aber fragen, ob RTL die Deutschen nun auch noch dermaßen anöden will, dass sie den Fernseher freiwillig in die Tonne treten und stattdessen wieder anfangen, draußen Fußball zu spielen, um die nächste WM zu retten.

Aber der Reihe nach. Was passiert hier Montagabend auf dem Bildschirm?

Acht sogenannte Promipaare werden in einem Haus weggesperrt. Wer sich gefreut hat, dauerhaft ein paar Nervensägen weniger ertragen zu müssen, hat sich geirrt. Denn RTL flutet die Republik Woche für Woche mit ihrem uninteressanten Gequatsche.

Der Mikrokosmos von RTL

Zudem wird ein Paar nach dem anderen wieder aus der Recycling-Anlage für Halbprominente in die Freiheit entlassen. Wer übrig bleibt, gewinnt einen Haufen Geld, wird aber leider auch wieder auf die Bürger losgelassen – um für eine neue Wiederverwertung im Casting-Horror bereit zu stehen.

Wer die Kandidaten sind und was sie tun spielt eigentlich keine Rolle, denn man kennt sie sowieso nur aus dem Fernsehgarten der unlustigen TV-Shows. Der Dschungel, die Auswanderer, und wie der Mikrokosmos aus Vox und RTL sonst noch heißt.

Wer von einem “Sommerhaus der Stars” hört, erwartet meinetwegen Mick Jagger auf Speed mit fünf Groupies, während er in einem glitzernden Pool in Los Angeles mit Musikikonen der letzten vier Jahrzehnte Songs für das nächste Jahrhundert schreibt.

Natürlich ist Micaela Schäfer dabei

Was den Zuschauer stattdessen empfängt: 16 sprechende mehr oder weniger dicke Bäuche, Ärsche und Brüste gefangen in einer mittelmäßigen Hütte.

Dabei müssen die “Promis” alberne Spielchen abhalten – eine Art Topfschlagen-Seminar für erwachsene Kleinkinder, die sich den ganzen Tag anstänkern.

Apropos Brüste: Zur großen Überraschung zieht Micaela Schäfer zuverlässig blank und reckt ihren Vorbau in die Kamera. Eine Nachricht ist das nicht, aber irgendwas muss ja gesagt werden.

Nach den Spielen hocken die Promi-Attrappen dann auf der Terrasse beieinander und bescheinigen sich gegenseitig, ziemlich zutreffend: “Boah, sind die fertig in ihrem Leben!”

“Bert und Bobby ist Scheiße. Das ist zusammengewürfelte Kacke”, sagt der Frank und zwischen den Beschimpfungen lässt RTL Donnerschläge und dramatische Musik ertönen. Schließlich soll der Eindruck erweckt werden, es ginge hier um irgendwas.

“Ich hab die normalen Sexfilmchen geschaut, die mir was fürs Leben gebracht haben”, lässt uns der Julian wissen. Dann heult der Uwe. Seine Frau hat was gemeines über seine Zähne gesagt. Übrigens noch fast der sympathischste unter den Kandidaten.

Frauen und Einparken 

Dann wird es direkt nochmal spannend, denn die Paare treten in einem weiteren Spiel gegeneinander an. Die Männer müssen mit verbundenen Augen ein Auto durch einen Parcour steuern und sich dabei von ihren Frauen lotsen lassen. Das geht soweit ganz gut - bis zum Einparken.

Offenbar der Albtraum jeden echten Mannes: Nicht nur zusehen müssen, wie Häschen die Karre gegen die benachbarten Stoßstangen bummst, sondern das Einpark-Desaster selbst verursachen! Gut, dass er es dann immer noch der Frauenblödheit in die Schuhe schieben kann.

Besser noch, wenn die meisten auch brav mitspielen und sich als genauso unfähig erweisen, wie es die männliche Vorstellung es von ihnen erwartet: “Ich hab kein Talent für Richtung sagen”, entschuldigt sich Shawne bei ihrem Freund Patrick.

Im Land macht sich entsetzliche Langeweile breit

Völlig die Fassung verliert dabei der Julian. Er fängt an zu brüllen und wie ein Wahnsinniger auf das Auto einzuprügeln. Später erklärt er das: “Mir platzt da jede einzelne Gehirnzelle im Kopf!” Und wer die Sendung bis hierher verfolgt hat wundert sich, was da eigentlich noch geplatzt sein soll. Besonders laut kann der Knall nicht gewesen sein.

Der Zuschauer muss jedenfalls unwillkürlich daran denken, was der Bert schon vorher in einem Anflug von Weisheit gesagt hat: “Gegen Dummheit kann man nichts tun.”

Nach dem Spiel wird Micaela von ihrem Felix angeblökt, sie solle die Show sein lassen. Die fühlt sich zu Unrecht kritisiert und fängt an zu weinen: “Dass ich ne Show mach’ stimmt nicht!” Schade eigentlich, denn das wäre noch eine ganz gute Ausrede gewesen.

Wer sich davor fürchtet, dass Deutschland von Migranten, der Politik, Frau Merkel oder ausländischen Agenten ausgehöhlt und zerstört wird, kann sich jetzt ganz getrost zurücklehnen. Das besorgt längst das Privatfernsehen.

Dass eine Sendung wie “Sommerhaus der Stars” so erfolgreich ist, dass nun schon die dritte Staffel des Elends läuft, sagt viel aus über die entsetzliche Langeweile, die sich im Land breit gemacht hat. In dem Fall wäre tatsächlich der bessere Rat: Leute, geht raus und spielt Fußball.

(nr)