ENTERTAINMENT
05/03/2018 13:58 CET | Aktualisiert 05/03/2018 15:10 CET

So hat ProSieben sich bei den Oscars völlig blamiert

"Ein Gesichtsunfall", sagte der Moderator über einen Star.

ProSieben
Für einen Schul-Reporter wäre es gut gewesen: "Star-Reporter" Steven Gätjen.
  • Der ProSieben-Reporter Steven Gätjen und der Mode-Designer Michael Michalsky haben Zuschauer der Oscars in den Wahnsinn getrieben
  • Ein Kommentar war dümmer als der nächste

Klar, während der Oscar-Verleihung in LA auf dem Roten Teppich Prominente zu interviewen, ist sicher nicht leicht. Und wenn Reporter Steven Gätjen ein 15-jähriger Schüler wäre, hätte er das auch wirklich ganz, ganz toll gemacht mit den Interviews.

Aber für einen 45-jährigen Star-Reporter muss man sich schon wundern. Darüber, was der Reporter für Fragen stellt zum Beispiel. 

“Want to say ‘Hi’ to your fans in Germany?” oder:

“Could you please say hello to ProSieben?” 

Es wäre schwierig gewesen, hochkarätigen Schauspielern in einem 45-sekündigen Interview eine noch dümmere Frage zu stellen.

Immer noch besser allerdings als die anmaßenden Kommentare, die Gätjen über Stars, zum Beispiel über Sharon Osbourne, abließ:  “Ein Gesichtsunfall der Meisterklasse”. 

Für einen Reporter auf dem Roten Teppich, der in kurzer Zeit möglichst viele Prominente vor die Kamera locken will, ist das vielleicht nicht der klügste Satz. Menschenverachtend ist er noch dazu. 

Die armen Amis: jedes Jahr Gaetjen 

Langsam kommt der Verdacht auf, dass so selten deutsche Filme Preise abräumen, weil die Amis jedes Jahr aufs Neue Steven Gätjen von uns geschickt bekommen. Die Armen.  

Leider ist Gätjen mit seinen Lock-Rufen auch nicht sonderlich erfolgreich. Von den “Stars” vor seinem Mikrofon kennt ein durchschnittlicher Zuschauer, der nebenbei twittert, offensichtlich kaum jemanden. 

Dabei hat Gätjen sogar extra den vermeintlichen Experten Scott Orlin dabei, der ihm die Stars vor die Kamera holen sollte. 

Nächstes Mal sollte Gätjen vielleicht lieber eine blonde Frau vorschicken. Vielleicht hat die mehr Erfolg. Vivien Geppert zum Beispiel.  

Die “taff”-Moderatorin musste sich vorerst damit begnügen, gemeinsam mit Michael Michalsky (ja, genau, das ist dieser seltsame Typ von “GNTM”) die Kleider der Stars zu bewerten.

ProSieben fand es offenbar sinnvoll, mit Gätjen im Plauderton über die #MeToo-Debatte zu sprechen und gleichzeitig die Ausschnitte von weiblichen Stars zu bewerten. 

Michalsky rät von Hosenanzügen ab 

Als weibliche Zuschauerin hätte man sich gewünscht, dass Vivien Geppert nicht nur in Dauerschleife nickt und lächelt, wenn Michalsky Sprüche wie “Emma Stone kommt im Hosenanzug, Thema verfehlt, Versetzung gefährdet” von sich gibt. 

Und überhaupt: Wieso sollte Emma Stone auch keinen Hosenanzug tragen?

Als würden wir in noch immer in einem Jahrhundert leben, in dem Männer Frauen vorschreiben, was sie zu tragen haben.

Der Designer scheint alle Frauen am liebsten in rosa geblümten langen Abendkleidern (Vivien Geppert) zu sehen. Und ein tiefer Ausschnitt ist auch ganz wichtig.

Aber, gute Neuigkeit: In diesem Jahr werden die Ausschnitte wieder tiefer, verkündete Michalsky.

Der Designer zeigt sich langweilig und bieder 

Er selbst trug übrigens einen langweiligen schwarzen Anzug. Also da hätte man sich ja schon noch ein bisschen mehr erhofft. Ein bisschen Brust kann der Herr doch zeigen. Das kann er doch tragen!

Er muss sich doch nicht so bieder geben. Ein paar Blumen-Applikationen, ein paar Highlights hier und da - das hätte ihm ganz hervorragend gestanden. Thema leider verfehlt. Versetzung gefährdet. 

Etwas anderes, das ProSieben nicht bedacht zu haben schien: Unglücklicherweise hatten nur Michael Michalsky und Viviane Geppert den Blick auf den Roten Teppich, die Zuschauer jedoch nicht. 

Denn die beiden versperrten den Kameras selbst das Blickfeld auf das Geschehen.

 

 

Das heißt, wenn Zuschauer denn schon über nichts anderes als die Kleider bei der Oscar-Verleihung nachdenken wollten, blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich auf die Kommentare der Moderatoren zu verlassen. 

Bleibt nur zu hoffen, dass sich ProSieben für das nächste Jahr ein anderes Konzept einfallen lässt. Oder andere Moderatoren. Denn: Jede Oscar-Dankesrede war interessanter anzuhören, als diese Reporter. Fanden die Stars bei den Oscars leider auch.

(lp)