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15/05/2018 18:35 CEST | Aktualisiert 15/05/2018 18:35 CEST

Medienexpertin: Darum sollten kleine Kinder nicht mit Smartphones spielen

Immer mehr Kinder haben ein teures Smartphone.

Westend61 via Getty Images
Immer mehr Kinder haben ein Smartphone, das birgt auch Gefahren.

Die Basisstudie zum Medienumgang der Sechs- bis Dreizehnjährigen in Deutschland belegt: 18 Prozent der Acht- und Neunjährigen verfügten 2016 über ein Mobiltelefon mit Internetzugang, Apps und Touchscreen.

Zwei Jahre zuvor waren es zehn Prozent. Bei den Sechs- und Siebenjährigen stieg die Zahl binnen zwei Jahren von zwei auf vier Prozent.

► Nicht nur beim Smartphone, auch bei anderen Medien sehen wir Medienpädagogen eine Verjüngungstendenz.

Dass immer mehr Grundschüler ein eigenes Mobiltelefon mit Internetzugang und Apps besitzen, sehe ich kritisch. Viele Kinder sind noch zu jung, um das Gerät in all seinen Funktionen verstehen zu können.

Mehr zum Thema: Ab welchem Alter sollten Kinder ein Smartphone besitzen? Das raten Experten

Damit meine ich nicht vordergründig die Bedienung. Denn wie die Spiele-App oder Kamera funktionieren, Nachrichten verschickt und Youtube-Filme abgespielt werden, das weiß der Nachwuchs schon längst.

Was sich allerdings hinter all den Diensten, Möglichkeiten und Angeboten verbirgt und wie man sich in der digitalen Welt am besten vor Gefahren schützt, dieses Wissen ist unseren Kindern auch als Digital Natives nicht in die Wiege gelegt.

► Sie brauchen Zeit und elterliche Begleitung, um sich dies Schritt für Schritt anzueignen.

Teuer, schwer durchschaubar und unerwünscht

Wischen, tippen, surfen – weil die schlauen Telefone intuitiv funktionieren, finden sich selbst junge Kinder sofort zurecht.

Sind ihre Ausflüge ins Internet jedoch unbegleitet, können sie schnell auf die falschen Seiten gelangen oder beim Spielen online versehentlich In-App-Käufe tätigen.

Auch die Funktionen von Messengerdiensten wie etwa WhatsApp sind für Kinder schwer durchschaubar. Wo kommt dieser Kettenbrief jetzt genau her?

Aus Neugier geöffnet, trübt sich der gespannte Kinderblick recht schnell. Angst vor dem Inhalt, aber auch davor, etwas falsch gemacht zu haben, beunruhigt und verunsichert.

► Auch Filme oder Fotos mit Darstellungen, die garantiert nicht für Kinderaugen gedacht sind, können via Messenger oder Internetplattform direkt auf dem Smartphone landen – sofern das Gerät nicht kindersicher ist.

Apropos Sicherheit: Ja, ein Smartphone kann auch meinem Drittklässler ein sicheres Gefühl vermitteln, wären da nicht außerdem noch so viele Stressfaktoren.

Handys sind teuer. Mal ehrlich, niemand würde sein Kind mit 400 Euro, selbst nicht mit 150 Euro in der Hosentasche in die Grundschule schicken. Das gute Stück darf weder verloren noch kaputtgehen, und gut darauf aufpassen muss man auch, damit es nicht geklaut wird.

► Das sind die häuslichen Devisen, und dann gibt es noch die Schulregeln. In der Mehrheit der Grundschulen dürfen Schüler nur in Ausnahmefällen das Handy nutzen. „Nicht erwischen lassen, sonst gibt’s Ärger“, lautet die Strategie – das Sicherheitsgefühl ist also durchaus trügerisch.

Digitale Kompetenz ist trotz allem ein Muss

Natürlich prägen digitale Medien den Alltag, auch den der Eltern. Längst sind Erwachsene überall erreichbar, und viele Eltern fühlen sich wohler, wenn sie auch ihr Kind jederzeit anrufen können und genau wissen, wo es sich aufhält.

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Aber für Kinder und ihr Aufwachsen ist es wichtig, Verabredungen zu treffen und einzuhalten, mit Freiheiten außerhalb des Elternhauses richtig umzugehen, Dinge und Situationen einschätzen zu lernen sowie aktiv zu meistern.

► Unsere Kinder aufs reale Leben vorbereiten, das sollten wir Eltern – sowohl analog als auch digital.

Kristin Langer ist Medienpädagogin und Mediencoach beim Elternratgeber SCHAU HIN! Dieser Text ist zuerst bei Xing Klartext erschienen.