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24/03/2018 09:40 CET | Aktualisiert 24/03/2018 09:40 CET

Skripal-Anschlag: Das nächste Mal könnte es in Deutschland passieren

Es war ein dreister Versuch, Zivilpersonen auf britischem Boden zu ermorden.

Jack Taylor via Getty Images
Polizisten untersuchen den Tatort in Salisbury.

An einem ruhigen Sonntag werden in einer britischen Kleinstadt, die für ihre herrliche Kathedrale berühmt ist, ein Vater und seine Tochter mit einem Nervengas niedergestreckt – der erste Giftgasangriff in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Salisbury liegt nur etwa 15 Kilometer südlich von Stonehenge, und viele Touristen kombinieren den Besuch des Steinkreises mit einem Ausflug nach Salisbury und in die landschaftlich schöne Umgebung, um in einem englischen Pub die traditionelle Gastlichkeit zu genießen.

In der Kathedrale von Salisbury wird das besterhaltene Originalmanuskript der Magna Charta von 1215 aufbewahrt – die Grundlage des Rechtsstaats nicht nur in Großbritannien sondern auch in vielen anderen Ländern.

► Doch unweit davon liegen Sergej Skripal und seine Tochter Yulia noch immer in kritischem Zustand im Krankenhaus. Ein Polizeibeamter, der den beiden helfen wollte, erkrankte ebenfalls. Bei 131 Personen ist davon auszugehen, dass sie dem Nervengift möglicherweise ausgesetzt waren, und 51 Personen wurden im Krankenhaus untersucht.

Ein dreister Mordversuch auf britischem Boden 

Was am 4. März in Salisbury passiert ist, war ein dreister Versuch, Zivilpersonen auf britischem Boden zu ermorden. Und dabei geriet jeder mit in Gefahr, der sich zufällig in der Nähe aufhielt, Anwohner genauso wie Touristen.

Pool via Getty Images
Der britische Botschafter Sebastian Wood bei einem Auftritt in Hamburg 2017.

► Und wenn ein solcher Anschlag in Salisbury verübt werden konnte, dann kann es wirklich überall dazu kommen, das muss einmal gesagt werden.

Unsere Wissenschaftler haben die Substanz, die gegen die Skripals eingesetzt wurde, als einen russischen Nervenkampfstoff identifiziert, der unter der Bezeichnung “Nowitschok” bekannt ist.

Sie haben den Experten von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen Proben der Substanz zur Untersuchung überlassen. Russland hat eine Vorgeschichte staatlich unterstützter Morde, und es wurden dort “Nowitschok”-Kampfstoffe produziert.

Warum alles auf den russischen Geheimdienst hinausläuft 

Nach dem Anschlag hat die britische Regierung dem Kreml Gelegenheit gegeben, sich dazu zu äußern, ob irgendwelche dieser Vorräte abhanden gekommen waren. Diese Aufforderung wurde höhnisch ignoriert.

► Damit blieb der britischen Regierung nichts anderes übrig als die Schlussfolgerung, dass der russische Staat höchst wahrscheinlich einen Mordversuch in einer britischen Stadt autorisiert hat, bei dem ein tödliches Nervengift eingesetzt wurde, das nach der Chemiewaffenkonvention verboten ist.

Das ist die einzig plausible Erklärung für das, was geschehen ist.

Die Täter brachten Unschuldige in Gefahr

Der Vorfall in Salisbury reiht sich ein in ein Muster gesetzlosen Verhaltens von Seiten des Kreml. Seit 2014 hat Russland die Annexion der Krim, das Anfachen des Konflikts in der Ost-Ukraine, die Hackerangriffe auf den Bundestag und die dänische Regierung und die Einmischung in europäische Wahlen zu verantworten.

Jetzt ist es sogar so weit gegangen, einen verbotenen Nervenkampfstoff auf europäischem Boden einzusetzen. Dass nicht noch mehr Menschen dabei zu Schaden gekommen sind, ist nur dem Zufall zu verdanken. Den Tätern war es offensichtlich egal, wie viele unschuldige Menschen in Gefahr gerieten.

Großbritannien hat darauf mit der Ausweisung von 23 nicht als solche ausgewiesenen Geheimdienstmitarbeitern der russischen Botschaft in London reagiert.

Russische Geheimdienste müssen geschwächt werden

Nach der ungeheuerlichen Tat in Salisbury kann es nicht angehen, dass wir den russischen Nachrichtendiensten erlauben, in unserem Land weiterzumachen wie bisher.

Das heißt aber nicht, dass wir mit dem russischen Volk, dessen kulturelle und literarische Leistungen über die Jahrhunderte wir sehr bewundern, im Streit lägen. Unsere Antwort soll gezielt die russischen nachrichtendienstlichen Operationen in unserem Land schwächen, ohne die legitimen Kontakte zwischen den Menschen unserer beiden Länder zu behindern.

Die britische Antwort war robust, aber unseren Werten als liberale Demokratie, die das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit hoch hält, das erstmals vor über 800 Jahren in der Magna Charta niedergelegt wurde, sind wir treu geblieben.

Viele Russinnen und Russen haben Großbritannien als Wohnort gewählt. Sie achten unsere Gesetze und tragen Wesentliches zu unserer Gesellschaft bei. Sie bleiben uns auch weiter willkommen.

Wir müssen dem Kreml entgegentreten – sonst passiert es wieder

Wir alle haben die Pflicht, den Bestrebungen des Kreml, die internationale Gemeinschaft zu spalten und zu schwächen, energisch entgegenzutreten. Die gesamte Völkergemeinschaft muss zusammenstehen, um die Regeln aufrechtzuerhalten, von denen die Sicherheit aller Länder abhängt.

Tun wir das nicht, wird der russische Staat sein gefährliches und zerstörerisches Verhalten fortsetzen.

Dieser Anschlag ist in einer friedlichen kleinen Provinzstadt in Großbritannien verübt worden. Aber das nächste Mal könnte es auf deutschem Boden geschehen.