POLITIK
12/04/2018 09:57 CEST | Aktualisiert 12/04/2018 17:20 CEST

Skandal in Herforder Moschee: Kleine Jungen marschieren im Kampfanzug

"Staat und Gesellschaft müssen alles tun, um so etwas zu verhindern.”

  • Videos einer Aufführung in einer Herforder Moschee des türkischen Ditib-Verbandes sorgen für Empörung
  • Die Aufnahmen zeigen kleine Jungen, die im Kampfanzug und mit Spielzeugwaffen paradieren
  • Oben im Video seht ihr die Aufnahmen aus der Herforder Moschee

Kleine Jungen, vielleicht noch Kindergartenkinder, vielleicht schon Grundschüler, stapfen in Kampfanzügen im Kreis herum, präsentieren ihre Spielzeuggewehre. Schreien einen Gruß, wie er unter Soldaten verbreitet ist. Legen sich auf den Boden, wie gefallene Soldaten.

Hinter ihnen an der Wand: das Logo von Ditib, des größten Moscheevereins in Deutschland.

Videos, die diese höchst befremdlichen Aufnahmen zeigen, kursieren im Internet. Und sind in Deutschland entstanden, in der Ditib-Moschee im nordrhein-westfälischen Herford.

“Widerspricht eklatant jedem Versuch der Integration” 

Eines der Videos wurde auch dem Herforder CDU-Kreisvorsitzenden Tim Ostermann zugespielt. Ostermann war alarmiert. 

“Ich finde es hochproblematisch, dass Kinder instrumentalisiert werden. Das widerspricht eklatant jedem Versuch der Integration. Vielmehr ist so etwas ein typisches Zeichen für eine Parallelgesellschaft. Staat und Gesellschaft müssen alles tun, um so etwas zu verhindern”, schrieb Ostermann auf Facebook.

Der HuffPost sagt Ostermann, er habe die lokalen Ditib-Verantwortlichen am Freitag per E-Mail angefragt und um Aufklärung gebeten. Nachdem er keine Antwort bekommen habe, habe er schließlich die Medien eingeschaltet.

Ditib distanziert sich von der Aufführung

Daraufhin reagierte Ditib. Der Verband erklärte, dass die Kinder in der Moschee einen militärischen Sieg des Staatsgründers Atatürk während des Ersten Weltkriegs nachgespielt hätten, um der Gefallenen zu gedenken.

“Wir haben völlig falsch eingeschätzt, wie diese Aufführung interpretiert werden kann”, sagte Necati Aydin vom Ditib-Verband dem “Westfalen Blatt”. Die Aufführung sei ohne Abstimmung mit dem Verband entstanden und finde nicht dessen Zustimmung. Anfragen der HuffPost zu Fall ließ der Verband bislang unbeantwortet.

Staatsschutz prüft den Fall

Auch Mehmet Ali Ölmez, Chef des Bielefelder Integrationsrates, sagte der Lokalzeitung “Westfalen Blatt”, dass er die Aufnahmen “grenzwertig” finde: “Kinder steckt man doch nicht in Uniformen!”

Wie die Polizei Bielefeld der HuffPost bestätigt, prüft der Staatsschutz, inwiefern die Aufführung und die Videos eine Straftat darstellten und wer dafür gegebenenfalls verantwortlich sei.

Ditib Herford soll vorher nicht auffällig gewesen sein

► Ostermann sagte der HuffPost, die Moschee sei bislang nicht auffällig geworden. Herfords Bürgermeister verweist auf mehrere Aktionen und Kooperationen der Moschee, die unter anderem dem interreligiösen Austausch dienten.

► Mit dem Moscheeverband Ditib sieht das deutschlandweit allerdings anders aus. 

Ditib untersteht mit seinen bundesweit etwa 900 türkischen Moscheegemeinden dem türkischen Religionsministerium Diyanet, das beim türkischen Ministerpräsidenten in Ankara angesiedelt ist. 

Mehr zum Thema: So agieren Erdogans Handlanger in Deutschland - und so finanzieren sie sich

Die Imame, die in den Ditib-Moscheen predigen, werden zum Teil in der Türkei ausgebildet und von der türkischen Regierung bezahlt. 

Ditib wurde in den vergangenen Jahren schon mehrmals vorgeworfen, in seinen Moscheen nationalistische Werbung für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu betreiben. Erdogan-Kritiker in Deutschland fühlen sich teils regelrecht verfolgt.

Türkischer Militäreinsatz in Syrien höchst umstritten

Die Darbietung der Kinder wirkt besonders pikant, wenn man bedenkt, dass der türkische Präsident Erdogan gerade einen äußerst umstrittenen Feldzug in Syrien führt.

Er geht dort gegen Kurden vor. Erdogan will mit allen Mitteln verhindern, dass sich Kurden in der Türkei, Syrien und im Irak zusammenschließen.

Bürgermeister hat Ditib-Vertreter einbestellt

Herfords Bürgermeister Tim Kähler teilte am frühen Donnerstagabend mit, er sei “entsetzt” über das Video. “Mit ausdrücklicher Erlaubnis der Eltern wird hier eine sehr blutige, historische Schlacht von 1915/16 von vier- bis sieben-jährigen Kindern nachgespielt”. Die Stadt prüfe, ob gegen den Jugendschutz verstoßen worden sei.

Er habe der Moschee-Gemeinde sein Missfallen ausgedrückt. Am Freitagmorgen kämen Vertreter ins Rathaus, man werde dann die Standpunkte “sehr ernsthaft” klären.

(lp)