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31/12/2017 09:55 CET | Aktualisiert 31/12/2017 10:05 CET

Silvester 2017: Diese Zahl sollten alle kennen, die heute böllern

“Was man an Silvester einatmet, bleibt für den Rest des Jahres im Körper”

dpa
Silvesterfeuerwerk: schön, aber gefährlich
  • Wer an Silvester böllert, kann auch zwei Monate lang Verkehrssmog einatmen – beides ist genauso ungesund
  • Aber vielen Deutschen sind die bunten Lichter eben wichtiger als die Gesundheit

5000 Tonnen. In einer Nacht.

Das Feuerwerk in der Silvesternacht ist meistens schnell wieder vorbei. Die Folgen für die Gesundheit bleiben. “Was man an Silvester einatmet, bleibt für den Rest des Jahres im Körper”, warnte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im “Spiegel”

Durch Feuerwerk entsteht Feinstaub. 5000 Tonnen, um genau zu sein, diese Zahl hat das Umweltbundesamt ausgerechnet. Das entspricht etwa 17 Prozent der Menge, die alle Autos und Lastwagen gemeinsam in ganz Deutschland innerhalb eines Jahres erzeugen.

Oder anders gesagt: Das, was der Straßenverkehr in etwa zwei Monaten an Feinstaub in die Luft bläst, entspricht der gleichen Menge, die Feuerwerksfreunde innerhalb weniger Stunden verpulvern.

“Feinstaub aus Böllern und Feuerwerkskörpern ist ein echtes Gesundheitsrisiko”, sagt Lauterbach.

Wie gefährlich ist der Qualm von Feuerwerken?

Experten sind sicher: Winzige Feinstaubpartikel können die Atemwege reizen und auf Dauer die Lungenfunktion stören – besonders gefährlich für Asthmatiker.

Die Partikel können sich im Ge­hirn ab­la­gern und dort zu chro­ni­schen Ent­zün­dun­gen füh­ren, am Ende so­gar De­menz aus­lö­sen. Vor al­lem äl­te­re Men­schen sind ge­fähr­det. Auch das Ri­si­ko, ei­nen Herz­in­farkt zu er­lei­den, stei­gt durch die schlech­te Luft.

Aber mag die Bedrohung auch noch so groß sein: Ein Silvester ohne laute, bunte Böller, Fontänen und Raketen ist für viele Deutsche unvorstellbar. Im Jahr 2016 kauften sie Feu­er­werk für 137 Mil­lio­nen Euro, das er­gibt sta­tis­tisch rund 1,65 Euro pro Ein­woh­ner – deut­lich mehr als vor ei­nem Jahr­zehnt. 

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Wie laut wird eine Silvester-Rakete?

Der Feinstaub ist noch nicht alles. Tausende Menschen erleiden allein in Deutschland jährlich ein Knalltrauma, weil ein Böller oder eine Rakete in ihrer unmittelbaren Nähe explodiert.

Ein winziger Moment von zwei Millisekunden genügt, damit ein Schalldruck von 140 Dezibel oder mehr Schäden im Innenohr hervorruft. Dort werden unter anderem die empfindlichen Haarzellen geschädigt - häufig zum Glück nur vorübergehend, manchmal aber auf Dauer. 

Das Sprengstoffgesetz regelt in Deutschland, wie laut es knallen darf. Feuerwerkskörper der Kategorie 2, die nur für Erwachsene erlaubt sind, dürfen in einer Entfernung von acht Metern gemessen nicht lauter als 120 Dezibel sein. In dieser Höhe beginnt das Schmerzempfinden.

Gefährlich wird es für die Ohren, wenn dieser Abstand nicht eingehalten wird. Denn die Schallenergie erhöht sich drastisch, je näher man bei der Lärmquelle steht. So ist sie bei nur zwei Metern Abstand gleich rund zehnmal so hoch wie bei einer Distanz von acht Metern. 

Niemand will Spaßverderber sein

Dennoch: Obwohl die Gefahr durch Lärm alarmierend ist und obwohl es einen klaren Zusammenhang zwischen einer ausgesprochen hohen Feinstaubbelastung und Feuerwerkskörpern gibt, haben die Behörden bisher kaum gesetzliche Möglichkeiten, die Knallerei zu reglementieren.

Das Umweltbundesamt startete lediglich einen Aufruf, das private Feuerwerk einzuschränken und verweist dabei eben auf die gesundheitlichen Gefahren - unter anderem durch den Feinstaub. Aber das war es dann auch.

Po­li­ti­ker in Bund und Län­dern hal­ten sich lie­ber zu­rück, wenn es dar­um geht, das Böl­lern zu un­ter­sa­gen. Niemand will den Menschen ihren Spaß verderben. Und bei Verboten verstehen die Deutschen überhaupt keinen Spaß. Auch wenn sie noch so sinnvoll wären. 

Mit Informationen der dpa

(lm)