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08/11/2018 13:53 CET | Aktualisiert 24/11/2018 14:36 CET

Jeder 10. Deutsche ist einsam – eine Berliner Initiative will das ändern

"Einsamkeit kann zu körperlichen und psychischen Problemen und zu einer verringerten Lebenserwartung führen.”

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Jeder 10. in Deutschland ist einsam. Betroffen sind Menschen in jedem Alter – aber besonders stark sind über 60-Jährige betroffen, jeder Dritte von ihnen ist einsam.

Aber was heißt überhaupt “einsam”?

Einsamkeit ist ein Gefühl, das sich einstellt, wenn ich ungewollt über längere Zeit alleine bin. Und je länger ich einsam bin, desto mehr fehlt es mir an der Kraft, damit fertig zu werden”, sagt Elke Schilling. Sie hat das Silbernetz in Berlin gegründet – eine Hotline für einsame, isolierte Menschen.

Die Idee dafür hat sich über viele Jahre entwickelt. Schilling erklärt:

“Vor zehn Jahren saß ich an einem Krisentelefon. Um 3 Uhr nachts rief ein Mann an und sagte zu mir, junge Frau, ich bin jetzt 80 geworden, können Sie mir sagen, warum ich noch leben soll. Das war der erste Trigger. Der zweite war mein Nachbar, der vor fünf Jahren tot in seiner Wohnung gefunden wurde. Dem ich Monate vorher noch Hilfe angeboten hatte, Unterstützung, die er nicht annehmen konnte.”

Wie das Silbernetz genau funktioniert, wer am Hörer sitzt, was die Telefonate dabei bewirken und was den Menschen am meisten hilft, hört ihr in unserem Podcast:

Einsamkeit kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben

Armut, gesundheitliche Probleme, der Verlust von Angehörigen – Auslöser für Einsamkeit gibt es viele. Und das mit schlimmen Folgen. Denn Einsamkeit ist ein Leiden. Das bestätigen Forscher, so wie die Psychologin Maike Luhmann.

“Anhaltende Einsamkeit kann zu schwerwiegenden körperlichen und psychischen Problemen und zu einer verringerten Lebenserwartung führen”, schreibt die Psychologin.

► Laut einem Untersuchungsbericht aus Großbritannien ist Einsamkeit genauso gesundheitsschädigend wie täglich 15 Zigaretten zu rauchen.

► Der Psychiater Martin Spitzers geht sogar so weit zu sagen, Einsamkeit sei “die Todesursache Nummer eins in den westlichen Ländern”.

► Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2017 zeigte, dass bei einsamen Menschen das Risiko, an Altersdemenz zu erkranken, um das doppelte steigt.

► Die Psychologie-Professorin Julianne Holt-Lunstad fand in zwei große Meta-Analysen heraus, dass Einsamkeit ein größeres Gesundheitsrisiko für die US- Bevölkerung darstelle als Fettleibigkeit.

► Und in deutschen Großstädten sterben jährlich rund 300 Menschen einsam in ihren Wohnungen, ohne dass es lange Zeit jemand mitbekommt.

Elke Schilling will mit ihrer Hotline Menschen helfen, welche die oben aufgeführten Folgen ihrer Einsamkeit nicht mehr länger ertragen wollen.

(mf)