NACHRICHTEN
01/01/2018 09:37 CET | Aktualisiert 01/01/2018 10:57 CET

Sexuelle Übergriffe, Schlägereien, Randale: So verlief Silvester in Deutschland

Die Erfahrung zeigt: Viele Fälle werden erst in den kommenden Tagen angezeigt.

dpa
Wasserwerfer der Polizei gehen am Neujahrstag in Leipzig gegen Randalierer vor.
  • Die großen Ausschreitungen blieben in der Silvesternacht zwar aus
  • Dennoch mussten Polizei und Feuerwehr in deutschen Großstädten tausendfach ausrücken

2017 ist vorbei, deutschlandweit begrüßten die Menschen das neue Jahr mit Böllern und Raketen. Im Vergleich zu den Vorjahren blieb es größtenteils friedlich.

Dennoch vermeldet die Polizei sexuelle Übergriffe in Berlin und Köln, in Leipzig mussten die Einsatzkräfte sogar Wasserwerfer gegen Randalierer einsetzen.

So verlief die Silvesternacht in Berlin, Hamburg, München, Köln und Leipzig:

Berlin:

Bei milden Temperaturen begrüßten Hunderttausende das neue Jahr auf der Berliner Silvester-Partymeile am Brandenburger Tor. Dort gab es erstmals einen Rückzugsbereich für sexuell belästigte Frauen. In dieser “Women’s Safety Area”, einem Sicherheitsbereich für Frauen, konnten sich Frauen bei geschulten Helfern des Deutschen Roten Kreuzes melden, wenn sie belästigt worden sind oder sich unwohl fühlten.

Laut Polizei kam es auf der Festmeile zu insgesamt zehn Fällen von sexueller Belästigung bei denen sieben Verdächtige in Gewahrsam genommen wurden.

Insgesamt zog der Einsatzleister der Polizei ein positives Fazit: “Die allermeisten (Besucher) haben es uns leicht gemacht und fröhlich und friedlich gefeiert”. Nur bei “einigen Unverbesserlichen” mussten die Beamten eingreifen.

Die Berliner Feuerwehr musste in der Silvesternacht zu über 1500 Einsätzen ausrücken, dabei musste sie allein nach Mitternacht über 300 Brände löschen und in mehr als 700 Fällen Menschen bei Rettungseinsätzen helfen. Laut dem Unfallkrankenhaus Berlin mussten 21 Menschen mit Böllerverletzungen behandelt werden, zum Teil sogar mit “schweren Amputationsverletzungen”.

Hamburg:

In der Hansestadt kamen die meisten Menschen an den Landungsbrücken zusammen. Dort feierten laut Polizei rund 13.000 Menschen den Jahreswechsel.

Ersten Berichten zufolge blieb es in Hamburg friedlich. Bis 0 Uhr seien an der Reeperbahn, den Landungsbrücken und am Jungfernstieg keine besonderen Vorkommnisse zu verzeichnen gewesen, teilte ein Polizeisprecher laut “Hamburger Morgenpost” kurz nach Mitternacht mit.

Die Zahl der gemeldeten sexuellen Übergriffe bewege sich in einem “sehr geringen Maß”, sagte ein Polizeisprecher der “Welt” am Montagmorgen. Genaue Zahlen lagen zunächst nicht vor.

Auch die Hamburger Feuerwehr zog ein positives Fazit. In einer Pressemitteilung erklärte sie, dass der “Jahreswechsel von 2017 auf 2018 eine im Vergleich zu den Vorjahren ruhige Silvesternacht” war.

Insgesamt standen bis um 6 Uhr am Neujahrsmorgen 954 Einsätze zu Buche. Dabei waren 217 Feuermeldungen, wovon der Großteil kleinere Feuer waren, beispielsweise brennende Mülleimer. Allerdings mussten auch 727 medizinische Notfälle bewältigt werden.

Auch wenn diesmal insgesamt weniger Einsätze verzeichnet wurden, mussten die Einsatzkräfte zu einigen schwerwiegenden Notfällen ausrücken, vor allem verursacht durch Böller und Feuerwerkskörper.

München:

In der bayerischen Hauptstadt feierten Tausende auf der Theresienwiese, auf dem Marienplatz und im Olympiapark.

Laut dem “Bayerischen Rundfunk” seien am Montagmorgen bisher keine sexuellen Übergriffe gemeldet worden. Einem Polizeisprecher zufolge sei es allerdings für eine seriöse Bilanz noch viel zu früh. “Die Erfahrung zeigt, dass so etwas oft erst ein, zwei Tage später angezeigt wird.”

Die Münchner Polizei musste bis 5 Uhr morgens zu 170 Einsätzen ausrücken. Dabei handelte es sich zum Großteil um Streitereien und Randalierer, Ruhestörungen, Brände, Einsätze im Zusammenhang mit Feuerwerk und Sachbeschädigungen.

Für einen Sprecher der Polizei sei es insgesamt eine relativ ruhige Nacht gewesen, er sprach in der “TZ” vom „ganz normalen Wahnsinn“.

Köln:

Um Mitternacht waren die Straßen und Plätze in der Kölner Innenstadt gut besucht. “Es waren unfassbar viele Menschen in der Stadt”, sagte ein Polizeisprecher der “Welt”. Mit zunehmendem Regen machten sich jedoch viele Besucher bereits ab 1 Uhr auf den Heimweg. 

Dennoch mussten die Beamten in der Silvesternacht vermehrt bei Schlägereien und Streitigkeiten einschreiten. Vereinzelt nahm die Polizei “Unbelehrbare” in Gewahrsam. Bislang ermittelt die Polizei zudem in neun Fällen von Sexualdelikten. In drei Fällen stellten die Beamten die Verdächtigen noch am Tatort. Szenen wie in der Kölner Silvesternacht vor zwei Jahren habe es nicht gegeben, betonte der Polizeisprecher. 

Insgesamt sei die Einsatzlage in etwa vergleichbar mit der an einem normalen Wochenendtag gewesen. 

Leipzig:

Weitaus gewalttätiger war hingegen die Situation in der sächsischen Großstadt. Zwar versammelten sich im Verlauf des Abends auf dem zentralen Augustusplatz in Leipzig etwa 3.000 Menschen, die laut Polizei “ruhig und silvestertypisch” feierten.

Anders jedoch am Connewitzer Kreuz: Dort sammelten sich bis gegen Mitternacht tausend Menschen – zunächst ebenso friedlich. 

Nachdem jedoch auf dem Connewitzer Kreuz verschiedene Gegenstände sowie Mülltonnen angezündet worden waren, eskalierte die Lage. Die Polizei brachte zuerst zwei Wasserwerfen zum Löschen der Brandherde zum Einsatz.

Daraufhin warfen etwa 40 bis 50 Menschen Flaschen, Steine und Böller gegen die Fahrzeuge und die eingesetzten Polizeibeamten. Verwarnungen blieben wirkungslos. Nach Lautsprecherdurchsagen gab es weitere Widerstandshandlungen, so dass in dessen Folge auch ein Wasserwerfereinsatz gegen die Störer erforderlich war.

Mehrere Personen wurden wegen schweren Landfriedensbruchs in Gewahrsam genommen; die weiteren Ermittlungen laufen.

Ab 1.30 Uhr zog sich ein großer Teil der Feiernden vom Connewitzer Kreuz zurück, sodass sich die Lage entspannte.

(ujo)