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27/02/2018 13:33 CET | Aktualisiert 27/02/2018 18:11 CET

Australien: Wozu Studenten die neuen Studentinnen zwingen, ist ein Skandal

Die Rituale reichen von Sperma-Shampoo und Wein aus Männerunterhosen bis zur Vergewaltigung.

  • Die Organisation “End Rape On Campus” hat einen Bericht über sexuelle Gewalt an australischen Universitäten veröffentlicht
  • Besonders die Aufnahmerituale und Gewalttaten an neuen Studentinnen sind schockierend
  • Im Video oben seht ihr Aufnahmen der Aufnahmerituale für männliche Studenten in Australien

Vergangenen Montag wurde der schockierende Bericht der Organisation “End Rape On Campus” (EROC) veröffentlicht. Und der zeigt, wie extrem sexueller Missbrauch und schikanierende Rituale an den Universitäten Australiens verbreitet sind. Am meisten betroffen sind junge Frauen.

Der Bericht “Change the course”, beinhaltet Aussagen von Studierenden, die von den schrecklichen Vorfällen an ihren Universitäten erzählen – einer schlimmer als der andere.

Das Duschen scheint für Frauen nicht sicher zu sein

Ein ehemaliger Student beschreibt ein Ritual, in dem die männlichen Studenten regelmäßig in die Shampoo-Flaschen in den Duschen der Studentinnen onanierten. Die Studentinnen waren ahnungslos und wuschen sich damit ihre Haare und Körper.

Generell scheint das Duschen für Frauen an Universitäten eher eine unsichere Angelegenheit zu sein. Viele Studentinnen berichten davon, wie sie während des Duschens von männlichen Mitstudenten gefilmt und fotografiert wurden.

Priyanka, eine Studentin, erzählt im EROC-Bericht von so einem Vorfall. Sie versuchte, den Täter zur Rede zu stellen, dieser leugnete, dass er etwas getan hätte.

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Die Rituale sind gezielt auf die jungen Frauen ausgerichtet

Eine junge Studentin erzählt, dass sie und andere Erstsemestlerinnen dazu gezwungen wurde, Wein aus Männer-Unterhosen zu trinken

Das gehöre zu einem Aufnahmeritual für neue Studierende an der Universität. Dafür mussten sie einen Wohnheim-Flur entlanglaufen, in dem männlichen Bewohner in einer Reihe aufgestellt waren. In deren Unterwäsche steckte ein Wein-Sack. Die Mädchen mussten “von ihrem Sack trinken” – kniend, durch einen Strohhalm, der aus dem Hosenschlitz ragte.

Ein anderer Student beschreibt, dass es an seiner Universität in den ersten Wochen bestimmte Partys gibt, bei denen Studentinnen dazu gezwungen werden, ihre Oberteile auszuziehen, wenn ein bestimmter Song läuft.

Die männlichen Studenten formen dann einen Kreis um sie, damit sie die Tanzfläche nicht verlassen können, wenn sie ihre Oberteile nicht ausziehen möchten.

Über die Hälfte der Studenten wurde schon mal sexuell belästigt

Viele der persönlichen Aussagen der Studentinnen drehen sich aber nicht nur um sexistische Behandlung, sondern laufen auf Vergewaltigung hinaus.

In dem 200-seitigen Bericht ist zu lesen, dass eine von 17 Frauen im letzten Jahr eine Vergewaltigung, eine versuchte Vergewaltigung oder einen sexuellen Übergriff an ihrer Universität erleben musste. Auch die psychischen Auswirkungen werden beschrieben.

Viele junge Frauen leiden nach den Erlebnissen an Angststörungen und Depressionen. Insgesamt wurden etwa 51 Prozent der Studenten schon sexuell belästigt und etwa 45 Prozent mussten Vergewaltigungen erleben.

Durch die Umfrage an den Universitäten Australiens kam jedoch ans Licht: 94 Prozent aller sexuell belästigten Studenten sagten nichts und 87 Prozent der Studenten haben Vergewaltigungen nicht gemeldet – sie haben Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird oder trauen sich nicht.

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Bessere Verfolgung der Täter

Für den Bericht wurden über 30.000 australische Studenten von 39 Universitäten Australiens befragt.

Die Statistiken wurden aus den Aussagen, Recherchen und Polizeiberichten zusammen gestellt.

Die Autoren des Berichts haben zahlreiche Vorschläge zur Prävention solcher Fälle. Unter anderem auch ein Gesetz, dass sich gegen die Rituale für Erstsemestler richtet sowie ein Einsatzkommando, das sich mit sexueller Gewalt auseinander setzt und die Täter strafrechtlich verfolgt.

(ks)