POLITIK
10/07/2018 12:09 CEST | Aktualisiert 10/07/2018 13:28 CEST

Pflegerin berichtet, wie widerlich sie bei der Arbeit belästigt wird

Was die Pflegerinnen von ihrem Alltag berichten, macht fassungslos.

  • Das Portal “Buzzfeed” berichtet über sexuelle Belästigung in der Pflege.
  • Unter anderem erzählt eine Pflegerin, dass Patienten Schwestern ins Gesicht ejakuliert hätten.
  • Oben im Video seht ihr, wie ein Pfleger in der ARD-Wahlarena Merkel seine Meinung geigte.

Das vergangene Jahr hat gezeigt: sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist ein weit verbreitetes Problem in unserer Gesellschaft.

Ob in der Kunst, in der Politik, im Büro, im Club, oder im Flieger: Frauen geraten häufig in Situationen, in denen Männer eine Grenze überschreiten; sie werden begrapscht, gegen ihren Willen geküsst, oder gar vergewaltigt. 

► Nun berichtet das Nachrichtenportal “Buzzfeed” über sexuelle Belästigung in der Pflege. 

Nachdem der erste Artikel dazu veröffentlicht wurde, hätten sie auf Facebook zahlreiche Zuschriften von Betroffenen erreicht, schreibt die Autorin Anna Aridzanjan.

Diese hat “Buzzfeed “nun in einem gesonderten Artikel zusammengetragen.

Was die Pflegerinnen (und Pfleger) berichten, macht fassungslos. 

Pflegekräfte werden häufig Opfer sexueller Belästigung

Ein Patient habe ihr während ihres Praktikums in einer Altersresidenz an die Brust gefasst, schreibt eine junge Frau. Sie sei damals in der 10. Klasse gewesen.

Eine andere Frau, die im ambulanten Pflegedienst arbeitet, erzählt, als sie einmal die Einkäufe für einen Patienten abgeliefert habe, “begann er, sich selbst zu befriedigen.”

Und eine dritte Pflegerin berichtet von “Grabschen, eindeutigen Angeboten sämtlicher Art – und noch ekliger: Abspritzen direkt ins Gesicht, wenn die Schwester die Bettdecke zum Waschen zurückschlägt”.

Eine Frau schreibt sogar, die sexuelle Gewalt, die sie am Arbeitsplatz erfahren habe, sei der Hauptgrund gewesen, wieso sie der Pflege den Rücken gekehrt habe.

Mehr zum Thema: “Ich habe immer vor der Arbeit geweint”: Wie sexuelle Belästigung mich zur Kündigung getrieben hat

Verständlich, denn: Die Pflegebedingungen in Deutschland sind ohnehin schon miserabel

Es fehlen zehntausende Fachkräfte, um alle Patienten richtig versorgen zu können – und an Geld, diese Kräfte einzustellen oder adäquat zu bezahlen. Zugleich müssen die Pflegerinnen und Pfleger, die es noch gibt, brutale Schichtdienste schieben, sind überarbeitet und psychisch überlastet

Erste Fortschritte zeichnen sich ab

Doch zumindest einen Lichtblick scheint es zu geben, wie eine Pflegerin schreibt.

Früher habe es geheißen: “Augen zu und durch”. Heute dagegen würden solche Vorfälle ernst genommen. Das habe ein Praktikum ihrer Tochter gezeigt.

“Sie hat erzählt, dass sie durch die männliche Pflegeanleitung und die Schwestern mehrmals und eindringlich darauf hingewiesen wurde, Dinge in dieser Richtung, die sie persönlich als störend oder übergriffig empfindet, zu melden”, schreibt die Frau. 

Die Vorgesetzten sind dann in der Pflicht, die betroffenen Mitarbeiter zu schützen. 

Es ist nicht leicht, über derart schlimme Erfahrungen zu sprechen. Frauen, denen Ähnliches passiert ist, können sich jederzeit und kostenfrei an die Hotline des karitativen Vereins “Weisser Ring” unter 116 006 wenden. Der bundesweit tätige Opferverein unterstützt Menschen, die Opfer von Gewalt wurden.