LIFESTYLE
01/06/2018 16:53 CEST

Das kannst du tun, wenn du dich nach dem Sex mit einem Mann schlecht fühlst

Denn wenn es für dich nicht in Ordnung war, war es nicht ok.

YakobchukOlena via Getty Images
Auch wenn keine rechtliche Grenze übertreten worden ist, kann der Sex übergriffig gewesen sein. (Symbolbild)
  • Viele Frauen haben sexuelle Erfahrungen gemacht, mit denen sie nicht hundertprozentig einverstanden waren. 
  • Diese sieben Tipps helfen, dir darüber klar zu werden, wie du damit umgehen möchtest.

Vor einigen Monaten sprach eine junge Frau über ein Date mit dem bekannten US-Comedian Aziz Ansari. Das Date endete mit einer sexuellen Erfahrung, mit der sie sich unwohl und verletzt fühlte – und wegen der sie sich schämte.

Aber in vielen Rechtsstaaten zählen die Details ihrer Erfahrung nicht als Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung. Ansari selbst sagt, dass aus seiner Sicht alles darauf hingedeutet hätte, dass die sexuellen Handlungen einvernehmlich waren.

Viele von uns können sich an Situationen erinnern, in denen wir nicht 100 Prozent mit den sexuellen Handlungen einverstanden waren, selbst wenn wir es nicht gesagt haben.

► Oder an Situationen, in denen wir das Gefühl hatten, das eine persönliche Grenze überschritten wurde, wenn auch keine rechtliche.

Wie die aufgeheizte Debatte zeigte, die der Geschichte mit Ansari folgte, ist es schwierig, über diese Erfahrungen zu sprechen. Aber wenn eine sexuelle Erfahrung nicht in Ordnung für dich war, dann war sie nicht in Ordnung.

Der Prozess, eine schlechte sexuelle Erfahrung anzuerkennen, damit umzugehen und sie zu verarbeiten, ist für jeden anders. Das ist in Ordnung und normal. Das Wichtige ist, dass du mit der Situation auf eine Art umgehst, die dir hilft, gesund zu bleiben und dich wohl zu fühlen.

► Diese Experten-Ratschläge können dir dabei helfen, egal an welcher Stelle in dem Prozess du dich gerade befindest.

Kenne das Gesetz

Das deutsche Sexualstrafrecht ist weit gefasst. Die Regelung “Nein heißt Nein” ist fester Bestandteil des Gesetzes. Das bedeutet: Jede sexuelle Handlung, die gegen den “erkennbaren Willen” des Opfers geht, ist strafbar. Dazu gehört als Teil sexueller Belästigung auch das Grapschen. Sich nicht zu wehren oder zum Beispiel aus Schock still zu sein, bedeutet aber keinesfalls eine Einwilligung.

Das Gesetz zu kennen, kann dir helfen deine Gefühle über deine Erfahrung einzuordnen, egal ob du dich entscheidest, Anzeige zu erstatten oder nicht.  

Verstehe, dass es nicht dein Fehler war

“Mittlerweile sollte jeder verstanden haben, dass das Opfer von sexueller Gewalt oder einem anderen Übergriff zu beschuldigen, nicht die Lösung ist”, sagt die klinische Psychologin Viola Drancoli gegenüber Huffpost Kanada. “Leider tendieren immer noch viele Opfer von sexueller Gewalt dazu, sich selbst die Schuld für das, was passiert ist, zu geben.”

Der erste Schritt, um von diesem Muster loszukommen, ist zu akzeptieren, dass du verletzt wurdest. Selbst, wenn diese Akzeptanz unangenehm sei, sagt Drancoli.

Mehr zum Thema: Feministin sagt, Vergewaltigung sei nur schlechter Sex – und zieht einen schockierenden Schluss

Erkenne deine Gefühle an

“Es ist eine normale Reaktion, vergessen zu wollen und die Gefühle von sich zu weisen”, sagt Therapeutin Donna Oriowo. “Tu es nicht.”

Es könne schmerzhaft sein, anzuerkennen, dass das, was dir passiert, ist falsch war, oder, dass es dir damit schlecht geht. Besonders dann, wenn dein Partner, den du liebst, und dem du vertraust, involviert ist. Diese Gefühle zu verdrängen, würde sie jedoch nicht weggehen lassen oder helfen, sie auf lange Sicht zu verarbeiten.

Wenn wir unsere Emotionen unterdrücken, werden sie mit der Zeit eher stärker und konzentrierter”, sagt Oriowo. “Wir denken vielleicht, wir würden es vergessen, aber eigentlich werden wir reizbar und rasten wegen Kleinigkeiten aus.”

Weiter unten findest du Tipps, wie du dir Hilfe suchen kannst. Wenn du dafür noch nicht bereit sein solltest, kann es dir helfen, ein Tagebuch zu führen. Dabei könntest du dich mit deinen Gefühle auseinandersetzen, ohne darüber zu sprechen oder sie zu unterdrücken, sagte sie.

Wenn dein Partner das Problem ist

Manchmal kann auch eine Erfahrung mit dem Partner unangenehm sein oder dafür sorgen, dass du dich schämst. Selbst, wenn dein Partner deine Grenzen sonst respektiert.

“Wenn du eine sexuelle Handlung mit einem vertrauensvollen Partner hattest, bei der du dich unwohl oder unsicher gefühlt hast, empfehle ich, mit ihm persönlich darüber zu reden”, erklärt Therapeutin Bianca Rodriguez.

Und denke daran, nur weil du etwas einmal mit deinem Partner gemacht hast, bist du nicht verpflichtet, es nochmal zu tun, egal ob du mit der Handlung einverstanden gewesen bist oder nicht.

“Erlaube dir, deine Meinung zu ändern. Dann besprich deine Gefühle mit deinem Partner und überlegt euch einen Plan, um dein Wohlsein und deine Sicherheit in der Zukunft zu schützen”, sagt Rodriguez.

Finde Hilfe

Sich Hilfe zu suchen, sei der beste Weg zu heilen, sagt Rodriguez. Egal, wie die Hilfe aussehe. Wenn du dich damit wohlfühlst, kannst du mit Freunden und Familie sprechen, denen du vertraust. Alternativ, oder zusätzlich, kannst du dir eine Selbsthilfegruppe suchen oder einen Therapeuten, mit dem du sprichst.

Zudem gibt es viele Beratungsstellen für Frauen, die kostenlos und unkompliziert Hilfe bieten, genauso wie kostenlose und rund um die Uhr besetzte Hotlines, zum Beispiel vom Hilfetelefon (08000 116 016).

Vermeide Isolation

“Nach einem sexuellen Übergriff oder einer fragwürdigen sexuellen Erfahrung, ist es nicht unüblich, sich zurückziehen zu wollen und niemals wieder darüber zu sprechen”, sagte Oriowo. “Aber es kann das Gegenteil von hilfreich sein, mit den Gedanken an das, was passiert ist, alleine zu sein.

Stattdessen solltest du dir Mühe geben, Zeit mit den Menschen zu verbringen, die dich lieben und unterstützen. Das kann dich für einige Zeit ablenken und es dir helfen, dir ein bisschen Freude in einer schwierigen Zeit zu verschaffen. Es könne dich auch an die Menschen in deinem Leben erinnern, die dich lieben und die wollen, dass es dir gut geht.

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Entscheide dich, wie du weiter vorgehen möchtest

Abhängig von den Umständen – vielleicht wirst du dich dazu entscheiden, aus dem Vorfall Konsequenzen zu ziehen: den Verantwortlichen konfrontieren, eine Beziehung beenden, den Vorfall der Schul- oder Arbeitsinstanz melden, und / oder Anzeige erstatten.

“Die Unterstützung einer nahestehenden Person kann helfen, zu entscheiden, was man als nächstes tun möchte”, sagt Drancoli. Mit jemandem über das zu sprechen, was passiert ist, kann die Erfahrung in ein anderes Licht rücken und dir helfen, darüber klar zu werden, wie du weiter verfahren möchtest.

Manche Menschen entscheiden sich, dass der beste Weg für sie ist, den Vorfall nicht anzuzeigen. Die Entscheidung, einen Übergriff oder eine Belästigung anzuzeigen, ist eine persönliche und der Weg wird für jeden unterschiedlich sein.

Dieser Artikel ist zuerst bei HuffPost Kanada erschienen und wurde von Aline Prigge aus dem Englischen übersetzt und angepasst.