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05/09/2018 10:54 CEST

Sex-Puppen-Bordell ist für Wochen ausgebucht – Kritiker warnen

Sex mit Puppen könnte Männer daran gewöhnen, Frauen wie Gegenstände zu behandeln.

Getty Images/iStockphoto
Sex-Puppen-Bordelle sind noch in einer gesetzlichen Grauzone.
  • In Turin hat Italiens erstes Sex-Puppen-Bordell eröffnet.
  • Doch jetzt warnen Kritiker vor dem Sex-Trend.

In Turin hat am Montag das erste Sex-Puppen-Bordell Italiens eröffnet. Das berichtet die italienische Ausgabe des Technik-Magazins “Wired”. 

“Bis auf ein paar Ausnahmen sind wir auf Wochen ausgebucht”,teilte die Firma mit.

Neben sechs verschiedenen weiblichen Puppen bietet das Bordell auch eine männliche Puppe mit auswechselbaren, verschieden großen Penissen zwischen 13 und 18 Zentimetern an. 

“Komplett neue Erfahrung”

80 bis 2000 Euro kostet eine halbe Stunde mit einer der Puppen aus Silikon. Dieses Material soll das Sexspielzeug viel realistischer als herkömmliche aufblasbare Puppen wirken lassen und dem Kunden eine “komplett neue Erfahrung” ermöglichen, so das Unternehmen.

Auch Gruppen-Pakete sind buchbar. Die Kunden suchen sich bei der Reservierung ihr Wunsch-Modell aus und bestimmen, welche Kleidung die Puppe tragen und in wie sie positioniert werden soll.

Nach jeder Benutzung werden sie zwei Stunden lang gereinigt und desinfiziert, betonte das Unternehmen, laut “Wired”. 

Kritiker warnen: Frauen würden wie Gegenstände behandelt

Eigentlich sind Bordelle in Italien verboten. Die Behörden wollen somit gegen Menschenhandel und Zuhälterei vorgehen. Die Frauen sollen geschützt werden.

Über die Puppen-Freudenhäuser trifft das italienische Gesetz bisher allerdings keine Aussage. Noch ist dieses Bordell in Turin eines von wenigen seiner Art in Europa. 

Aber auch in Paris gibt es ein ähnliches Bordell. Beim Sex mit den Puppen drehe sich alles “zu 100 Prozent” um den Kunden, sagte der Betreiber des französischen Puppen-Bordells der Regionalzeitung “Paris Match”.

Der Freier müsse sich keine Sorgen über die Lust oder das Leid seiner Partnerin aus Silikon machen. Man ermutige die Männer, ihre Fantasien voll auszuleben. “Die Erfahrung ist unvergleichlich.”

Genau deshalb sind den französischen Feministinnen Sex-Bordelle bereits seit einiger Zeit ein Dorn im Auge. Sex mit Puppen gewöhne Männer daran, Frauen wie Gegenstände zu behandeln und lösten Vergewaltigungsfantasien aus, fürchten sie laut Bericht.

Mehr zum Thema:“Männer zerstören Sex-Puppe”: Das steckt hinter dem Fall, über den ganz Österreich spricht

Der Betreiber des französischen Puppen-Bordells verteidigt sich in der Pariser Zeitung. Die Puppen seien lediglich “Sex-Spielzeuge” und kein Ersatz für Frauen.

Das Pariser Puppen-Bordell ist als Spielhalle gemeldet. Bordelle sind auch in Frankreich illegal.

Kinder-Puppen bereits verboten

Pierre Laurent, der Generalsekretär der einflussreichen kommunistischen Partei Frankreichs, warnte davor, dass manche Sexpuppen zu kindlich aussähen

Bereits in den USA wurden im Juni diesen Jahres Puppen, die wie Kinder aussahen, verboten. 

“Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Besitz obszöner Puppen und Roboter und dem Besitz und der Teilnahme an Kinderpornographie”, heißt es im US-Gesetzestext. 

Schon Monate zuvor hatte der Online-Versandhändler Amazonauf Druck von Kinderschutz-Organisationen Kinder-Sex-Puppen aus dem Verkauf genommen.

Manche dieser Puppen könnten Emotionen wie Angst oder Trauer zeigen oder haben gar Einstellungen, die eine Vergewaltigung simulieren.

“Das erleichtert Vergewaltigungen, weil es Vergewaltigern beibringt, wie sie Widerstände überwinden und Opfer überwältigen”, schrieb das Repräsentantenhaus.

Güte und Empathie für Sex-Puppen

Experten fordern jedoch schon länger “Menschen-Rechte” für “smarte” Sex-Puppen.

So fordert die Jura-Dozentin Victoria Brooks von der Universität Westminster in London, dass auch Roboter dem Sex erst zustimmen müssten, damit sie nicht sexuell missbraucht würden, schreibt die britische Zeitung “Daily Mirror”. 

Über den Sex-Roboter “Samantha” sagte sie: “Güte und Empathie gegenüber Samantha zu empfinden, ist ein guter Anfang.”

Der Sexroboter “Samantha” erregte bei einer Ausstellung in Österreich im vergangen Jahr für Aufsehen, da sie in einem “schrecklichen Zustand” hinterlassen worden war. Ihr wurden sogar zwei Finger gebrochen

Noch sind Sex-Puppen, Sex-Roboter und derartige Bordelle fast überall erlaubt.

Doch je realistischer die Puppen würden und je bekannter der Trend würde, desto drängender müssten die legalen und ethischen Auseinandersetzungen damit sein, heißt es im Fach-Portal “The Robot Report”.

(nr)