LIFESTYLE
05/06/2018 12:00 CEST | Aktualisiert 20/08/2018 17:57 CEST

Sex-Mythos: Kondome schützen vor allen Geschlechtskrankheiten

Diese Gerüchte sorgen nur für ein schlechtes Sexleben.

nd3000 via Getty Images
Jeder mag andere Sachen im Schlafzimmer lieber – tauscht euch aus! (Symbolbild)
  • Falsche Informationen über Sex können teilweise gefährlich sein. 
  • Sex-Experten räumen hier mit neun weiterverbreiteten Sex-Mythen auf. 

Die Größe ist entscheidend. Man kann keine Geschlechtskrankheit bekommen, wenn man ein Kondom trägt. Männer haben einen stärkeren Sexualtrieb als Frauen.

Habt ihr auch schon gehört, wie solche Sexphrasen in die Welt hinausposaunt wurden? Fragt ihr euch, welche wirklich wahr sind?

Es ist schlecht, Verallgemeinerungen, Vorurteile und Gerüchte über Sex zu glauben. Wissenschaftler machen täglich neue Entdeckungen. Es gibt so viele verschiedene sexuelle Erfahrungen, Vorlieben und Verlangen sowie die menschliche Biologie zu berücksichtigen, wenn man Mythen von Fakten trennen will.

Keine Sorge, wenn ihr noch kein Sex- und Orgasmusexperte seid. Sex-Experten räumen nun mit den neun häufigsten Mythen auf. 

1. Man kann während der Periode nicht schwanger werden

Es ist kaum möglich, dass man während der Periode schwanger wird –  unter einem Vorbehalt, wie Dr. Christine Greves, Gynäkologin im Orlando Health Winnie Palmer Hospital for Women & Babies im US-Bundesstaat Florida, sagt.

“Wenn die Blutung wegen einer echten Periode stattfindet, heißt das, dass du vor zwei Wochen den Eisprung hattest und jetzt kein Ei zur Befruchtung bereit steht”, erklärt sie.

“Das Problem, wenn man generell sagt, dass man während der Periode nicht schwanger werden kann? Manchmal haben Frauen Blutungen, die nichts mit der Periode zu tun haben und sie glauben dann womöglich, dass sie ihre Periode bekommen, aber das ist nicht der eigentliche Grund der Blutung.”

Infektionen, Wucherungen und Hormonwechsel können auch Blutungen zu ungewöhnlichen Zeitpunkten im Zyklus auslösen. Am besten geht man auf Nummer sicher und schützt sich immer, wenn man nicht gerade versucht, schwanger zu werden.

2. Man kann keine Geschlechtskrankheiten bekommen, wenn man ein Kondom benutzt

Ihr habt wahrscheinlich schon gehört, dass ihr immer ein Kondom benutzen solltet, um euch vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen – und ja, das stimmt.

Aber ihr solltet trotzdem Vorsicht walten lassen: Während Kondome zwar sehr gut darin sind, die Übertragung von Geschlechtskrankheiten durch Körperflüssigkeiten, wie zum Beispiel Tripper oder HIV zu verhindern, sind sie weniger gut darin, die Übertragung durch Hautkontakt, zum Beispiel von HPV oder Herpes, zu verhindern, wie die “Amerikanische Gesellschaft für sexuelle Gesundheit” erklärte. 

Trotzdem ist sicherer Sex sehr gut durch Verhütung und Kommunikation möglich. Kondome bieten doch etwas Schutz gegen durch Hautkontakt übertragbare Krankheiten und sollten verwendet werden, um eine Vielzahl von Geschlechtskrankheiten und ungewollte Schwangerschaften zu verhindern.

Mehr zum Thema: Studie: Diesen lebensgefährlichen Sex-Mythos glauben fast alle Teenie-Mädchen

Und obwohl ihr diese Anweisung seit den Sexualkundestunden kennt, stimmt sie immer noch: Sprich mit deinem Partner über Kondome und Geschlechtskrankheiten – oder lasst euch testen, wenn ihr euch damit am sichersten fühlt.

3. Es ist in Ordnung, einen Orgasmus vorzutäuschen

Orgasmen vorzutäuschen, sei nie eine gute Idee, auch wenn ihr freundlicherweise versuchen würdet, jemandes Ego zu schonen, sagt Sarah Hunter Murray, Sexforscherin und Paartherapeutin.

“Orgasmen und andere Zeichen, dass wir Freude am Sex haben, wie bestätigende Worte oder Stöhnen, sind Hinweise für unsere Partner, dass sie etwas tun, was wir mögen”, sagt sie. “Wenn sich Sex nicht so gut anfühlt, aber wir so tun als hätten wir Spaß, wird unser Partner logischerweise weiterhin Sachen machen, auf die wir nicht stehen.”

Was stattdessen tun? Äußert euch. “Verstärke positive Verhaltensweise, die tatsächlich Befriedigung verschaffen oder sprich ehrlich über das, was nicht so gut funktioniert”, erklärt Murray.

4. Wenn der Mann beim Sex nicht ejakuliert, kann man auch nicht schwanger werden

Es gibt viele moderne Legenden darüber, wie genau man schwanger werden kann, wenn es um Sex zwischen Männern und Frauen geht – aber lasst uns diese aufklären.

“Einer, der am weitesten verbreiteten Mythen, ist, dass man nicht schwanger wird, wenn man früh genug rauszieht, aber das trifft nicht zu”, sagt Dr. Mache Seibel, Experte für gesundheitliche Aufklärung. “Oftmals kommt das Vorsekret oder der “Lusttropfen” vor der großen Ladung Samen, aber es enthält trotzdem etwas Sperma”, erklärt Seibel.

“Deshalb funktioniert diese Verhütungsmethode manchmal nicht”.

Immer, wenn Sperma in die Vagina gelangt “ist eine Schwangerschaft möglich”, fügt Seibel hinzu. Trotzdem sei es “nicht annähernd so wahrscheinlich”, wie bei indirektem Kontakt, zum Beispiel durch einen Finger oder Vibrator.

Beunruhigt? Verlasst euch nicht auf das Rausziehen und geht mit Verhütung auf Nummer sicher.

5. Frauen bekommen normalerweise durch Penetration Orgasmen

In einer Studie aus dem “Journal of Sex” aus dem Jahr 2015, berichteten lediglich 18 Prozent der Frauen, dass Geschlechtsverkehr alleine ausreicht, um zum Orgasmus zu gelangen.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Frauen nicht durch Penetration zum Orgasmus kommen kann”, sagt Sunny Rodgers, klinischer Sexologe und zertifizierter Sextrainer. “Die meisten Frauen benötigen besondere klitorale Stimulation, um zum Orgasmus zu gelangen.”

Einige bevorzugen die alleinige Stimulation, andere die während des Verkehrs. Murray schlägt “die Frau oben” oder “den Gebrauch einer zweiten Hand” bei der Penetration vor, um sicherzustellen, dass beide Parteien das bekommen, was sie brauchen, um zum Orgasmus zu gelangen.

6. Man weiß einfach, wann man kommt

Die, die behaupten, dass Höhepunkte unverkennbar sind, haben nicht ganz Recht. “Ich habe viele Frauen getroffen, die nicht wussten, ob sie tatsächlich einen Orgasmus hatten oder nicht”, sagt Rodgers. “Das ist häufig so.”

Warum der Mythos? Rodgers sagt, dass Frauen viele Orgasmen vortäuschen würden. Sei es, um die Egos ihrer Partner zu schonen oder um den Sex schneller hinter sich zu bringen. Frauen hätten auch verschiedene Arten von Orgasmen – klitoral, vaginal und am G-Punkt – die Männer einfach nicht haben und deshalb könne es schwierig sein, genau zu wissen, was man gerade fühle.

“Sie glauben auch, dass Sex sie immer zum Orgasmus bringen wird, was nicht stimmt”, sagt Rodgers.

Es gibt aber immer Wege, wie man herausfinden kann, ob das, was man gerade fühlt, tatsächlich ein Orgasmus ist. Der Herzschlag und Blutdruck sollten steigen, die Haut erröten und sich die Muskeln während der Stimulation anspannen. “Darauf folgt ein Spannungsabfall und eine tiefe Entspannung”, erklärt Rodgers.

► Ja, es sollte sich wunderbar anfühlen.

7. Größe ist alles

“Der alte Spruch stimmt: Es ist nicht die Größe des Bootes, sondern die Bewegung des Ozeans”, sagt Rodgers. Penisse seien ein “bunter Haufen”, erklärt sie. Die Größe und Form sei bei jedem Kerl unterschiedlich. 

“Was für den einen ideal ist, kann für andere zu groß oder zu klein sein”, sagt Rodgers. “Außerdem gibt es so viele Techniken, Positionen und Verbesserungsprodukte, dass die Größe nicht der einzige relevante Faktor für sexuelle Befriedigung ist.”

Erforscht, experimentiert, genießt – und vergesst diesen Mythos!

8. Männer wollen mehr Sex als Frauen

Dieses Vorurteil beschädigt wohl sämtliche Sexleben. Gemäß einer Studie aus den USA, aus dem Jahr 2016, unterschätzen Männer typischerweise, wie oft ihre Langzeitfreundinnen oder Ehefrauen Sex wollen. Eine Umfrage aus dem gleichen Jahr besagt auch, dass 71 Prozent der weiblichen Befragten im kommenden Jahr mehr Sex haben wollen würden. 

“Das Gehirn ist ein mächtigeres Organ als die Genitalien, weil dort der Sexualtrieb herkommt”, sagt Rodgers. “Es mag vielleicht so aussehen, als ob Männer einen stärkeren Sexualtrieb hätten, einfach weil Männer tendenziell häufiger über Sex nachdenken, aber es gibt keinen alleinigen Maßstab für den Sexualtrieb. Also ist das eine fragwürdige Annahme.”

► Und die ist nicht immer wahr. Nehmt nichts an!

9. Orgasmen sind das Ziel von Sex

Jeder mag Orgasmen, aber ihr solltet sicherstellen, dass ihr die Sexziele des anderen kennt. “Dass man beim Sex Spaß haben will, ist gut”, sagt Murray. “Aber während Orgasmen häufig als der wichtigste Punkt beim Sex wahrgenommen werden, kann die überhöhte Konzentration darauf bei vielen Paaren zu frustrierendem Sex führen.”

Ihr wisst ja, was man sagt: Der Weg ist das Ziel. Sich zu sehr darauf zu konzentrieren, zum Orgasmus zu gelangen, kann dazu führen, dass man andere positive Elemente des Sexlebens vernachlässigt.

Zum Beispiel “Gefühle und Freuden auf dem Weg zum Orgasmus, Küssen, sanfte Berührungen und Umarmungen und die Nähe zum Partner”, sagt Murray – und obendrauf helfen all diese Dinge noch, deine Laune zu heben.

Ganz zu schweigen davon, dass es so viele Gründe gibt, die Orgasmen verhindern, wie Stress oder Alkohol. Also genießt eure intimen Erfahrungen auch ohne!

Der Text erschien ursprünglich in der HuffPost USA und wurde von Moritz Diethelm aus dem Englischen übersetzt. 

(nc)