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20/09/2018 13:27 CEST | Aktualisiert 20/09/2018 16:57 CEST

Das könnt ihr tun, wenn euer Partner nie Sex will, wenn ihr Lust habt

Libido-Probleme müssen nicht zum Trennungsgrund werden.

  • Gerade in Langzeitbeziehungen passiert es immer wieder: Einer von beiden hat keine Lust auf Sex.
  • Wenn das zum Dauerzustand wird, kann es Probleme geben ― doch Sex-Therapeuten haben Lösungen dafür.
  • Im Video oben erklärt ein Psychologe das Phänomen Sex-Hangover und erklärt, warum Mann oder Frau keine Lust auf Sex haben können.

In einer perfekten Welt sehen Beziehungen wohl so aus: Beide Partner hätten immer gleichzeitig Lust auf Sex. Das ist natürlich unrealistisch, denn: Die Libido eines jeden Menschen ist nicht immer gleich.

Über die Lebensjahre hinweg verändert sie sich ― und das aus vielen Gründen. Stress, die Geburt eines Kindes, der Alterungsprozess, physische und mentale Gesundheit – und das sind nur einige davon.

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Wenn ein Partner dauernd keine Lust auf Sex hat, kann es Probleme geben. (Symbolbild)

Wenn ihr und euer Partner gerade sexuell so gar nicht im selben Rhythmus seid, macht euch keine Sorgen. Das ist unter Paaren in einer Langzeitbeziehung nämlich sogar ganz normal.

Der Partner mit der höheren Libido erfährt sexuelle Ablehnung

Einer Studie aus dem Jahr 2015 zufolge, haben 80 Prozent der befragten Paare im Vormonat eine Diskrepanz in der Lust bemerkt. Und entgegen vieler Stereotype ist es nicht immer der Mann, der die höhere Libido hat.

“Bei rund 60 Prozent aller Paare, die ich in meiner Klinik betreut habe, war es die Frau, die mehr Lust auf Sex hatte”, erzählt Sex-Therapeutin Gila Shapiro der HuffPost.

Mehr zum Thema: Frauen gestehen: “Das sind unsere sieben wildesten Sex-Fantasien”

Spricht sie es gegenüber ihrem Partner nicht an, kann das eine sehr ungesunde Dynamik in der Beziehung zur Folge haben. Oft erfährt der Partner mit der höheren Libido sexuelle Ablehnung und das kann das Selbstwertgefühl drücken. Gleichzeitig kann es passieren, dass der Partner mit weniger Lust unter Druck gerät und das Gefühl bekommt, den Erwartungen nicht gerecht zu werden.

Aber muss eine unterschiedliche Libido deshalb ein Grund zum Schlussmachen sein?

Nein, sagt Psychologin und Sex-Therapeutin Janet Brito der HuffPost, so lange das Paar ehrlich darüber spricht und Kompromisse eingeht.

“Dafür müssen beide Parteien zusammenarbeiten und eine gemeinsame Gesprächsbasis finden. Es ist vielleicht nicht möglich, die Stimmung des anderen immer zu treffen ― aber vielleicht zu 50 Prozent der Zeit”, erklärt sie weiter. Der Fokus liege dann mehr darauf, wie sexuelle Intimität die Beziehung am Leben hält und weniger auf den individuellen Bedürfnissen der Partner.

Wir haben verschiedene Sex-Therapeuten um Rat gefragt, was genau zu tun ist, wenn die Lust zweier Partner einfach nicht im selben Takt aufkommt.

1. Redet über Sex ― und fühlt euch wohl dabei

Das dürfte keine Überraschung sein. Über Sex zu reden, ist der Schlüssel zum Erfolg. Gerade wenn beide Partner das Gefühl haben, sexuell nicht mehr zusammenzupassen, kann das zwar ein heikles Thema sein, es ist jedoch trotzdem wichtig, darüber zu reden.

Der Sex-Therapeut Douglas C. Brooks weist seine Patienten beispielsweise an, sich darauf zu konzentrieren, ihrem Partner ihre Bedürfnisse und Unsicherheiten mitzuteilen.

“Redet mehr über Gefühle, über Sex und Intimität”, sagt der Experte. “Kommunzieren die Partner respektvoll miteinander, führt das zu einem besseren gegenseitigen Verständnis”, führt er fort.

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Kommunikation ist bei Libido-Problemen unerlässlich.

So lange beide Parteien fähig seien, ihre Standpunkte auszudrücken und wirklich zuzuhören, was der andere zu sagen hat, müsse das Problem nicht zum Grund für eine Trennung werden, meint auch Therapeut Shannon Chavez.

“Unterschiedliche Libido wird nur dann zum Problem, wenn ihr nicht kommuniziert und in Situationen geratet, in denen sich einer von euch in die Ecke gedrängt fühlt oder verletzt wird”, fügt sie hinzu.

2. Findet heraus, wann ihr am meisten Energie habt

Wenn ihr erschöpft und fertig nach Hause kommt, ist Sex wohl das letzte, was euch in den Sinn kommt. Findet also einzeln heraus, an welchem Tag und zu welcher Zeit ihr die meiste Energie habt und vergleicht anschließend, wie sich diese Zeitfenster überschneiden könnten.

“Das ist wichtig”, sagt Psychologin Brito, “Wenn eure Energielevel gleich sind, erhöht das die Chancen, es mal wieder zu tun. Wenn ihr dann eine Routine habt, reserviert euch diese Zeit füreinander.”

3. Bringt euch in Stimmung

Machen euch ein heißes Bad, Kerzen und die richtige Playlist zum Sexgott und zur Sexgöttin? Ist es dagegen eine verwüstete Küche oder ein harter Tag im Büro, der die Stimmung zerstört? Brito empfiehlt, genau herauszufinden, welche Verfassung euch in die eine- und die andere Stimmung bringt.

“Macht euch klar, was Brücken für eure Lust sind und was Gift für sie ist. Dann baut mehr Brücken und meidet die schlechten Situationen”, empfiehlt die Expertin.

Dasselbe gelte für kleine Rituale, die jeder für sich tun kann, um sich heiß zu fühlen ― sei es ein neuer Haarschnitt oder die Teilnahme an einem Sportkurs.

“Findet heraus, was euch gut tut, was passieren muss, damit ihr euch sexy fühlt”, fügt Brito hinzu.

4. Werdet intim ohne Sex zu haben

Sich zu sehr auf den Sex zu fokussieren, kann der Situation unnötig viel Druck verleihen. Stattdessen solltet ihr langsam beginnen und sinnliche Momente genießen, die nicht gleich in Sex münden.

“Genießt verschiedene erotische Situationen, die sich mehr auf eure geistige Verbindung fokussieren, wie beispielsweise Berührungen, Küsse und Augenkontakt”, erklärt Chavez.

Das bilde die nötige Sicherheit und Nähe, aus der erotische Energie entstehen könne, erklärt sie weiter. Mit der Zeit können diese kleinen Schritte der Zuwendung die intime Verbindung des Paares stärken ― egal, ob es zum Sex kommt oder eben nicht.

“Der Weg zu häufigerem Sex beginnt oft mit Vorspiel, Necken und kleinen Berührungen”, erklärt Sex-Therapeut Brooks. Manchmal sei auch Freizeit, die nicht mit sexueller Aktivität zu tun hat, alles, was ein Paar brauche, um eine stärkere Verbundenheit zu spüren.

“Geht spazieren, schaut einen Film im Bett, kauft sexy Nachtwäsche zusammen und habt einfach Spaß”, empfiehlt der Experte. “Mit dem Partner durch all das verbunden zu bleiben, ist auch wichtig für das allgemeine Wohlbefinden.”

5. Unterschätzt die Selbstbefriedigung nicht

Masturbieren wird oft als Solo-Beschäftigung wahrgenommen, aber das muss nicht so sein. Wenn ein Partner nicht in Stimmung für Sex ist, könnte es ein guter Plan B sein, dem anderen beim Masturbieren zuzusehen oder behilflich zu sein.

“Definiert das Masturbieren nicht als eine weniger sexuelle Aktivität”, empfiehlt Sex-Therapeutin Shapiro. “Die Selbstbefriedigung kann genauso mit dem Partner geteilt werden: Durch Augenkontakt, Berührungen und Reden”, sagt die Expertin.

Dadurch könne eine sexuelle Verbindung hergestellt werden, ohne miteinander Sex zu haben. Wenn der Partner darauf keine Lust hat, sei Solo-Sex trotzdem eine gute Alternative, da es sexuelle Spannung abbaut und das Wohlbefinden verbessert.

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Solo-Sex kann eine gute Alternative sein.

6. Versucht es mal mit einem Sex-Therapeuten

Wenn es in Sachen Sex für euch Zwei einfach nicht so läuft, wie es sollte, könnte ein Sex-Therapeut die Lösung sein.

Manche Paare drehen sich in Streitereien über ihre Libido-Probleme im Kreis und brauchen einen Therapeuten, der beide Seiten betrachtet, Tipps gibt und einen Plan ausarbeitet, an den sich beide ohne Streit halten können”, sagt Chavez.

Außerdem könne er gegebenenfalls Probleme aufdecken, die dem Sex-Problem zugrunde liegen.

“Wenn die Diskrepanz in der Lust zum Problem wird, liegen oft mehrere Probleme zugrunde, wie unausgesprochener Ärger oder ungelöste Konflikte”, ergänzt Brito. “Dann wird das Sex-Problem nur zum Symptom und repräsentiert tieferen Schmerz oder unerfüllte Bedürfnisse”.

 

Der Beitrag erschien zuerst bei HuffPost US und wurde von Franziska Kiefl aus dem Englischen übersetzt.

 

(nc)