LIFE
30/07/2018 11:48 CEST | Aktualisiert 20/08/2018 17:53 CEST

Sex-Blues: Darum wollen manche Männer nach dem Sex nicht kuscheln

Müdigkeit spielt nur eine kleine Rolle.

Marilyn Nieves via Getty Images
Einige Männer fühlen sich nach dem Sex schlecht. (Symbolbild).
  • Forscher einer australischen Universität haben untersucht, wie sich Männer nach dem Sex fühlen.
  • Sie fanden heraus, dass sich die Studienteilnehmer oft traurig, leer oder emotionslos fühlen.

Gerade ging es noch heiß her und dann rollt er sich auf die andere Seite des Bettes, während seine Liebste sich vernachlässigt fühlt: Das Klischee des müden Mannes nach dem Sex kommt bestimmt vielen bekannt vor. 

Nicht nur in Hollywood-Romanzen wird der Anti-Kuschler breitgetreten, sondern auch in zahlreichen Online-Foren fragen sich viele Userinnen, warum die Männer ihnen nach einer heißen Liebelei den Rücken zukehren. 

Forscher der Queensland University of Technology (QUT) in Australien haben nun genau das untersucht: Was fühlen Männer nach dem Sex? Und stellten fest, dass es bei vielen nicht Müdigkeit ist. 

Frauen fühlen sich nach dem Sex unwohl

“Postkoitale Dysphorie” (PCD) nennt sich die Stimmungsstörung, die die australischen Wissenschaftler untersuchen wollten. Dabei handelt es sich um negative Gefühle nach dem Sex, wie Traurigkeit, Angst, Einsamkeit oder auch einfach das Gefühl, dass alles irgendwie nicht stimmt. Auch wenn der Sex vollkommend zufriedenstellend war, fühlen sich Menschen mit einer PCD danach irritiert und möchten sich lieber von ihrem Partner distanzieren.

Bereits in einer vorausgegangen Untersuchung der Queensland University gingen Wissenschaftler der PCD auf den Grund – jedoch nur auf weibliche Studienteilnehmer der Universität bezogen. Denn lange herrschte die Annahme, dass es nur Frauen seien, die sich nach dem Sex melancholisch oder beengt fühlen. Von den damals 222 Teilnehmerinnen gab jede Dritte an, dass sie schon mindestens einmal von einer PCD betroffen war. 

Nun haben die Forscher ihren Fokus auf die Männerwelt gesetzt und 1.208 Teilnehmer aus 78 verschiedenen Ländern, darunter auch Deutschland, mittels eines anonymen Fragebogens befragt. Im Zentrum stand die Problematik, ob Männer nach dem Sex wirklich nur müde sind oder es einen anderen Grund für ihre vermeintliche emotionale Distanz gibt.

Emotionslos und leer

Entgegen der Vermutung, dass Männer nur erschöpft seien und sich deshalb von ihrem Geschlechtspartner abwenden, gaben 40 Prozent der Teilnehmer an, dass sie eine PCD schon mindestens einmal selbst erlebt hatten.

 

 

Gegensätzlich sind dies knapp sieben Prozent mehr, als bei bei den Frauen aus der vorausgegangene Studie – was dem Klischee des müden Anti-Kuschlers aus Liebesfilmen widerspricht. 

Weiter hätten 20 Prozent der Männer erst kurz vor Studienbeginn unter einer PCD gelitten. Doch es scheint zumindest kein alltägliches Problem zu sein, denn nur vier Prozent erklärten, dass sie regelmäßig mit einer PCD zu kämpfen hätten. 

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Die Häufigkeit ist eine Sache, doch was fühlen die Männer wirklich nach dem Sex? Was geht denjenigen durch den Kopf, die eine PCD kennen?

“Alles, was ich danach wirklich wollte, ist abzuhauen und zu vergessen, was ich gerade alles gemacht habe”, gab ein Teilnehmer laut Bericht an. Ein anderer habe beschrieben, dass er sich nach dem Sex leer und emotionslos gefühlt habe. 

Alleine sein, sich zurückziehen, nicht angefasst werden seien weitere Gedanken, die viele Studienteilnehmer durchmachen würden. Auch würden sich manche gereizt und unzufrieden fühlen.

Unterschiedliche Ursachen

Woher die PCD kommt, sei sehr individuell, erklärte Robert Schweitzer, einer der Studienleiter. “Wir vermuten, dass die Gründe sehr verschiedenartig sind und sowohl von biologischen als auch psychologischen Faktoren begünstigt werden.”

Als weiteren Grund erklärten die Forscher, dass die negativen Gefühle auch mit dem Gesellschaftsbild in westlichen Kulturen zusammenhängen könnten. Besonders in westlichen Kulturen könnten Männer von dem konstruiertem Bild, wie ein Mann Sex haben und erleben sollte, negativ beeinflusst werden: “Eine weit verbreitete Annahme ist, dass Männer Sex grundsätzlich als angenehm empfinden und erleben”, führte Schweitzer weiter aus. 

Die Forscher erhoffen sich, dass mit den Ergebnissen die gesellschaftlichen Erwartungen oder sogar Vorurteile gegenüber Sex und Männern der Realität besser angepasst werden. Dass der Druck, der auf Männern lastet, einem bestimmten Klischee zu entsprechen, vermindert wird.

Wenn das klappt, findet sich vielleicht auch in dem ein oder anderen Romantikfilm ein Mann, der nach dem Sex nicht sofort in ein Koma fällt. 

(glm)