POLITIK
22/02/2018 11:42 CET

Senator verteidigt die US-Waffenpolitik – dann steht der Vater eines Opfers auf

"Meine Tochter lief den Flur der Schule hinunter, als sie erschossen wurde."

CNN / Screenshpt
Marco Rubio und Fred Guttenberg
  • Der US-Senator Marco Rubio hat sich am Mittwochabend einer Debatte mit Angehörigen der Schulschießerei in Florida gestellt
  • Dabei wurde klar: Der Gegner strengerer Waffengesetze versteht die Probleme der Hinterbliebenen nicht

Vor einer Woche hat ein 19-jähriger Ex-Schüler 17 Menschen in einer Highschool in Florida getötet. Die Massenschießerei, bereits die 18. an einer Schule allein in diesem Jahr, bewegt noch immer die gesamte USA. 

Aus diesem Grund hat der US-Sender CNN Politiker, Behördenvertreter und Angehörige von Opfern zu einem großen Treffen zusammengebracht – um Lösungen für die offensichtliche Misere zu finden.

► Besonders bewegend: Der Auftritt von Fred Guttenberg, dessen Tochter Jamie am 14. Februar von dem Amokläufer erschossen wurde. Er stellte dem republikanischen Senator von Florida, Marco Rubio, eine zentrale Frage. 

Guttenberg: “Ihre Kommentare waren erbärmlich schwach”

► Rubio ist ein erklärter Gegner strengerer Waffengesetze – inklusive halbautomatischer Sturmgewehre wie sie der 19-jährige Täter in Florida benutzte. Für die Tat hatte vor allem er zu lasche Hintergrundchecks verantwortlich gemacht.

Auch während des CNN-Townhalls am Mittwochabend vertrat Rubio diese Position – ihm schlugen deswegen Buh-Rufe und harsche Kritik entgegegen.

Dann erhob sich Guttenberg. Er sagte Rubio ins Gesicht: “Ihre Kommentare in dieser Woche und die unseres Präsidenten waren erbärmlich schwach.”

► Der Vater erklärte weiter: “Schauen Sie mich an und erklären Sie mir, dass Waffen der (entscheidende) Faktor in der Jagd auf unsere Kinder in dieser Schule waren.”

Guttenberg forderte den Politiker auf, ihn anzuschauen und zu erklären, dass er das akzeptiere und mit den Angehörigen der Opfer zusammenarbeite, “um etwas gegen Waffen zu unternehmen”.

Rubio: “Strengere Waffengesetze lösen nicht die Probleme”

Rubio druckste bei seiner Antwort herum – und wich letztendlich aus. Er versuchte, seine Aussagen in der vergangenen Woche zu erklären, in der er seine Unterstützung für Waffenrechte bekräftigt hatte.

► Der Republikaner betonte: “Die Probleme, mit denen wir heute konfrontiert werden, können nicht allein durch Waffengesetze gelöst werden.”

Guttenberg unterbrach ihn und forderte den Senator auf, endlich zu sagen, ob Waffen für den Tod seiner Tochter verantwortlich seien.

“Absolut, natürlich waren sie das”, antwortete Rubio schließlich.

Er glaube, dass man in den USA mit 18 Jahren kein Gewehr kaufen können sollte. Zugleich werde er eine Änderung der Kontrollsysteme und ein Verbot sogenannter Bump Stocks unterstützen.

Hintergrund: Bump Stocks sind Zusatzvorrichtungen für halbautomatische Gewehre, um vergleichbar hohe Schussfolgen wie bei vollautomatischen Waffen zu erreichen.

Eine solche Vorrichtung hatte beispielsweise der Attentäter in Las Vegas benutzt – und konnte so binnen weniger Minuten hunderte Menschen niedermähen

“Meine Tochter lief den Flur herunter, als sie erschossen wurde” 

Das Publikum buhte Rubio für seine Antworten aus. Ein Großteil der 7.000 Zuschauer war frustriert, als der Senator klar machte, dass er auch künftig Spenden der einflussreichen Interessengruppe National Rifle Association (NRA) annehmen werde.

► Vermutlich auch, weil Rubio im Laufe seiner politischen Karriere bereits mehr als 3,3 Millionen Dollar von der NRA erhalten haben soll.

Der 46-Jährige weigerte sich ebenfalls, Sturmgewehre – wie das vom Amokläufer in Florida benutzte – generell zu verbieten. 

► Seine absurde Begründung: Ein Verbot würde solche Schießereien nicht verhindern können.

Guttenberg konnte das kaum ertragen: “Meine Tochter lief den Flur der Marjory Douglas (Schule) hinunter, als sie mit einer Sturmwaffe erschossen wurde.” Es sei leicht, eine solche zu bekommen.

Der Vater appellierte ein letztes Mal an Rubio: “Es ist eine Kriegswaffe. Die Tatsache, dass Sie hier stehen und das nicht zugeben können, tut mir leid.”

(lm)