LIFE
04/12/2018 16:53 CET | Aktualisiert 05/12/2018 16:17 CET

Seltene Krankheit: 27-Jährige weiß, dass sie sterben muss und zeigt das allen

Sie möchte die "dunkle und ehrliche Seite" ihrer Krankheit öffentlich machen.

  • Holly Warland aus Australien leidet an einer seltenen Krankheit, die starke Schmerzen verursacht.
  • Sie möchte sterben, doch aktive Sterbehilfe ist in ihrem Heimatland verboten. Um andere für das Thema zu sensibilisieren, macht sie ihr Leiden nun öffentlich. 
  • Im Video oben seht ihr Bilder von Holly, die sie auf Instagram hochlädt.

“Ich bin brutal ehrlich und offen mit meinen Fotos und enthülle Aspekte einer Behinderung, von denen viele nichts hören wollen.”

So beginnt die 27-jährige Holly Warland aus Australien einen Artikel beim Portal “Bored Panda”. Hier beschreibt sie, wie es ist, mit einer seltenen Krankheit und den damit verbundenen täglichen Schmerzen zu leben – und auch, warum sie ihre Qual am liebsten beenden würde.

Sie fing ein Studium an, doch bis zum Doktortitel kam sie nicht

Mit elf Jahren veränderte sich Warlands Leben schlagartig: Ärzte diagnostizierten bei dem Mädchen die seltene Krankheit namens Gliedergürteldystrophie, eine Lähmungen der Muskulatur des Schulter- und Beckengürtels.

Dadurch wurde Holly Warland bettlägerig und pflegebedürftig.

Dennoch habe sie dank großer Unterstützung ihrer Familie ein überwiegend normales Leben geführt, sagt sie. Auch ein Studium in Psychologie hatte Warland angefangen, doch bis zum Doktortitel kam sie nicht mehr. Mit 25 Jahren war ihr Körper bereits so schwach, dass sie ihr Studium abbrechen musste.

Jeden Tag kämpft Warland mit Übelkeit, rasendem Puls, Muskelkater und unkontrollierbarem Zittern.

“Mein Leben geriet ins Chaos. Als sich mein Zustand verschlechterte, fand ich einen Mangel an Repräsentation von Behinderungen im Netz”, sagt sie “Bored Panda”.

Holly Warland entschied sich, Bilder über die Krankheit ins Netz zu stellen

Nun sei ihr bewusst geworden, dass alle Social-Media-Persönlichkeiten mit einer Behinderung von Außenstehenden immer nur als “inspirierend” angesehen würden.

Da sei sie auf die Idee gekommen, ungeniert ehrliche Fotos ihres Krankheitsverlaufs auf Facebook und Instagram zu posten. Die Bilder dazu machte ihr Freund Luke. Damit die Menschen nicht nur sehen können, wie sich Behinderungen auf den Körper auswirken, sondern auch, dass nichts daran “inspirierend” sei.

“Ich wollte die Behinderung von der dunklen und ehrlichen Seite zeigen”

Die 27-Jährige sagt selbst: “Luke erwischt mich beim Besten und Schlimmsten: vom schmackhaften Abendessen bis zum Erbrechen in der Dusche; da ist nichts gespielt.”

Weiter meint sie: ”Es ist unmöglich, sich positiv und inspirierend zu fühlen, wenn man in einem degenerativen Zustand ist, in dem Heilung nicht in Sicht ist. Die Dinge werden nur schlimmer werden. Ich wollte die Behinderung von der dunklen und ehrlichen Seite zeigen.”

Wütend sei sie nur auf die Menschen, die sich ständig über irgendetwas beschwerte:

“So viele Menschen halten ihre Autonomie und ihren Körper für selbstverständlich. (...) Ich versuche nicht, Depressionen oder echte Probleme zu vereinfachen, aber ihr könnt etwas ändern. Ich nicht, denn ich stecke fest. Ich bin angepisst. Mein Körper bestimmt mein Leben. (...) Ich bin sauer auf dich – und eifersüchtig. Ich will dein schönes Leben. Weil du ein Leben hast.”

Die Schmerzen seien bei Holly so enorm, dass sie jeden Tag Medikamente einnehmen müsse, erzählt sie. Und das gehe ihr an die Substanz. 

Um nicht mehr so weiterleben zu müssen, würde sie gerne eine aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Derzeit wird aber nur im australischen Bundesstaat Victoria ab Juni 2019 eine “Tötung auf Verlangen” legalisiert.

Die 27-jährige allerdings wohnt im Bundesstaat Queensland – und kann daher keinen Gebrauch von Sterbehilfe machen.

“Die bedauerliche Realität für mich ist, dass die Krankheit das Leben für mich unerträglich machen wird, und ich möchte eine sichere und zuverlässige Möglichkeit, mein Leben zu beenden, wenn ich bereit bin.”

Deshalb kämpft sie zusammen mit einer Organisation, die sich für die Legalisierung aktiver Sterbehilfe einsetzt, um für das Thema zu sensibilisieren.

 

(kiru)