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17/05/2018 15:25 CEST

Hamburg: Mutter starb bei Radunfall – jetzt schreibt Junge bewegenden Brief

"Ich werde jeden Tag an dich denken."

  • Vor einigen Tagen ist eine Radfahrerin in Hamburg tödlich verunglückt.
  • Jetzt hat ihr Sohn einen bewegenden Brief geschrieben.

Montagmorgen, eine 33-Jährige will in Hamburg an der Ecke Osterstraße/Eppendorfer Weg mit ihrem Fahrrad eine Kreuzung überqueren, fährt bei Grün los – doch gleichzeitig biegt ein Lkw ab.

Er übersieht die zweifache Mutter und überfährt sie. Noch am Unfallort stirbt die Frau an ihren schweren inneren und äußeren Verletzungen.

► Anderthalb Wochen nach dem tödlichen Unglück hat ihr Sohn einen bewegenden Brief am Unfallort aufgehängt:

Liebe Mama, ich vermisse dich. Ich habe dich sehr lieb. Und ich werde jeden Tag an dich denken. Dein Sohn Niklas. Wir haben dich lieb.

Unter dem Brief stehen die Unterschriften von ihrem Sohn Niklas und anderen Angehörigen, weitere Briefe und Blumen hängen darunter.

Abbiegende Lkw sind eine Todesfalle für Fahrradfahrer

Auf Twitter kommentiert eine Userin: “Warum sieht die Kreuzung bis auf solche Briefe noch genauso aus wie vor dem Unfall?”

Das Unglück am 7. Mai war nur eines von vielen.

“Abbiegende Lkw sind eine Todesfalle für Radfahrende. 15 durch Lkw getötete Radfahrer müssen wir in den ersten Monaten des Jahres beklagen”, sagt Burkhard Stork, ADFC-Bundesgeschäftsführer.

2015 starben 72 Radfahrer durch Unfälle mit Lkw, 2014 waren es 75. Zahlen von 2016 und 2017 gibt es noch keine – aber alles spricht dafür, dass sie ähnlich hoch waren. 

Mehr zum Thema: 15 tote Radfahrer 2018: Diese Zahl zeigt das Versagen der deutschen Verkehrspolitik

► Der Verkehr sei für Radfahrende knallhart, sagt Stork.

“So hart, dass oft nur Hochleistungs-Radfahrer eine Chance haben, an Kreuzungen schnell genug weg zu kommen, um nicht von Lkw niedergemäht zu werden.”

Gelegenheitsradler, Senioren und Kinder würden das oft nicht schaffen.

Außerdem ist jeder Radfahrer fast täglich ungeschützter Verkehrsteilnehmer und damit immer wieder in tödlicher Gefahr.

“Ride of Silence” in zahlreichen deutschen Städten

► Experten beklagen seit Jahren die Unsicherheit für Radfahrer in Deutschland – und dennoch wird viel zu wenig für den Schutz von Radfahrern getan. 

In Erinnerung an Radfahrer, die im Autoverkehr getötet worden sind, haben sich am Mittwochabend Hunderte Radfahrer in deutschen Städten getroffen. Allein in Hamburg kamen zu einer stillen Gedenkfahrt etwa 500. 

Weitere Gedenkfahrten waren laut ADFC zum Beispiel in Köln, Berlin, Leipzig und München geplant.

Ursprünglich kommt der “Ride of Silence” aus den USA, wo nach dem tödlichen Verkehrsunfall eines Radfahrers dessen Freunde 2003 die erste Gedenkfahrt organisierten. Seitdem gibt es in immer mehr Orten weltweit am dritten Mittwoch im Mai gemeinsame Ausfahrten in Gedenken an tödlich verunglückte Radfahrer.

Mit Material der dpa.

(jg)