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03/08/2018 17:11 CEST | Aktualisiert 04/08/2018 10:26 CEST

Sehr geehrter Herr Maas, retten Sie die 16-jährige Fatema vor der Zwangsehe

Alles, was es braucht, ist ein einziger Stempel der deutschen Botschaft in Teheran!

Privat / HuffPost
Fatema M. im Krankenhaus in Teheran (links). Bettina K. und Doris T., die Fatema und ihren Vater unterstützen (rechts).

Der Afghane Amar M.* versucht verzweifelt, seine Tochter Fatema nach Deutschland zu holen. Unterstützt wird er dabei unter anderem von Bekannten im bayerischen Pullach, die nun diesen Aufruf veröffentlichen.

Die Geschichte in aller Kürze: Amar M. wurde zwangsverheiratet. Er liebte die gemeinsame Tochter Fatema, war aber so unglücklich mit der Frau, dass er eine zweite Frau heiratete – was in Afghanistan möglich ist. Die Familie seiner ersten Frau versuchte deswegen, ihn zu ermorden.

Amar M. floh mit beiden Frauen und der Tochter in den Iran, wo er weiter in Gefahr war. Seine erste Frau nahm sich das Leben. Die Familie floh Richtung Deutschland, doch während der Flucht wurde Fatema vor vier Jahren von ihrem Vater und ihrer Stiefmutter getrennt. Es war der Beginn eines weiteren Dramas.

Sehr geehrter Herr Außenminister Maas,

wir fühlen uns hilflos, Ihre Behörde reagiert nicht. Seit über einem Jahr sperrt sie sich dagegen, der mittlerweile 16-jährigen Fatema M.* die Einreise nach Deutschland zu erlauben. Dabei geht es um ihr Leben: Fatema droht die Zwangsverheiratung mit einem 37 Jahre alten Mann. 

Der Vater – selbst Opfer einer Zwangsheirat – weigerte sich, seine Tochter der afghanischen Familie seiner ersten, verstorbenen Frau zu überlassen. Seitdem jagen deren Verwandte Amar M.* und Fatema, nur knapp entging der Vater einem Mordanschlag.

Zusammen flüchteten sie, auf dem Weg nach Europa wurde Fatema 2014 von ihrer Familie getrennt, die mittlerweile subsidiären Schutz in Deutschland genießt. Fatema konnte bei ihrem Onkel im Iran untertauchen. Doch selbst dort ist sie vor den Verwandten nicht sicher, mehrmals musste sie schon umziehen. 

Fatema lag drei Tage im Koma

Seit vier Jahren versucht nun Amar M., seine Tochter nach Deutschland zu hohlen. Immer wieder haben Botschaftsmitarbeiter dem Vater Hoffnung gemacht, immer wieder wurde er vertröstet.

Die deutsche Botschaft in Teheran hat sich zuletzt auf die Aussetzung des Familiennachzugs berufen. Zwar können seit Mittwoch wieder Härtefallanträge gestellt werden. Doch die Entscheidung könnte für Fatema zu spät kommen!

Denn am 12. Juli machte das Mädchen einen verzweifelten Suizidversuch, Fatema musste reanimiert werden und lag drei Tage im Koma. Seit ihrer Entlassung versteckt sich Fatema in einer Kellerwohnung. Auf die Straße traut sie sich nur vermummt.

Fatema befindet sich nach wie vor in kritischer Verfassung: Ihre Behandlung wurde vom Krankenhaus in Teheran aus finanziellen Gründen abgebrochen, obwohl sie unter starken neurologischen Ausfällen leidet. Die 16-Jährige kann zwar mittlerweile wieder sprechen, doch wir befürchten, dass irreparable Folgeschädigungen bleiben, wenn das Mädchen nicht so bald wie möglich eine adäquate Behandlung in Deutschland bekommt.

Die scheint derzeit in weiter Ferne: Das Auswärtige Amt reagiert nicht, selbst Kliniken, die sich bereit erklärt haben, das Mädchen aufzunehmen, kommen nicht durch. Bei der Botschaft in Teheran geht niemand ans Telefon. Herr Maas, Ihrer Behörde fehlt in diesem Fall jegliches Augenmaß. Dort arbeiten doch auch Menschen?

Wir haben selbst Geld für die Behandlung und Flugtickets gesammelt. Nun wenden wir uns mit der Bitte an Sie, die schon so lange beantragte Einreise des Mädchens zu seiner Familie nach Deutschland zu beschleunigen.

Privat
Fatema und ihr Vater im Iran.

Es fehlt nur ein Stempel

Alle Dokumente sind beisammen, alle Kriterien, damit Fatema kommen kann, erfüllt:

► Der Fall wurde als humanitärer Härtefall eingestuft, jetzt besteht zusätzlich akuter medizinischer Behandlungsbedarf.

► Auch die Ausländerbehörde des zuständigen Landkreises München befürwortet, dass Fatema so schnell wie irgendwie möglich zu ihrer Familie geholt wird.

Es fehlt nur noch ein einziger Stempel der deutschen Botschaft in Teheran! In einem Fall, bei dem es mittlerweile um jeden Tag geht, denn Fatemas Papiere laufen am 16. August ab.

Sie müssen wissen: Die Familie hat sich in Pullach bestens integriert. Die ganze Gemeinde hofft, dass Fatema so schnell wie möglich in ihre Mitte kommt. Gemeinsam wollen wir ihre lange Leidensgeschichte endlich zu einem Happy End führen.

Herr Außenminister, wir hoffen auf Ihre Menschlichkeit.

Wer Familie M. unterstützen möchte, kann Spenden auf folgendes Konto bei der Stadtsparkasse München überweisen, es können auch Spendenbescheinigungen ausgestellt werden:

IBAN: DE24 7015 0000 1004 2113 46
Stichwort: Fatema

Doris T. und Bettina K. haben eine Petition für Fatema gestartet, die beiden könnt ihr darüber hinaus unter folgender E-Mail-Adresse kontaktieren: helft-fatema@gmx.de.

* Vollständige Namen der Redaktion bekannt. Aus Angst vor Anfeindungen haben die beiden Briefschreiberinnen darum gebeten, auf die vollständige Nennung ihrer Namen zu verzichten. Der Name des Vaters wurde aus Sicherheitsgründen geändert.

Der Text wurde von Marco Fieber protokolliert. 

(sk)