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05/08/2018 19:14 CEST | Aktualisiert 05/08/2018 19:37 CEST

Seehofer in der ARD: Keinerlei Selbstkritik – und eine Botschaft an Merkel

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CSU-Chef und Innenminister Horst Seehofer im ARD-"Sommerinterview". 

► Die CSU liegt in den aktuellen Umfragen zur Landtagswahl in Bayern bei um die 40 Prozent – weit von der absoluten Mehrheit entfernt, die die Christsozialen für sich beanspruchen. 

CSU-Chef und Innenminister Horst Seehofer sagte dennoch am Sonntag im ARD-Sommerinterview, dass er fest daran glaube, dass seine Partei die absolute Mehrheit erringe. 

► Seehofer redete daraufhin die historisch schlechten Umfragewerte seiner Partei schön. “Wir liegen ja 25 Prozent vor den anderen Parteien”, sagte Seehofer, “wir stehen gut da, wir werden sehr gut abschneiden.” 

Was Seehofer im Interview über Angela Merkel sagte: 

Trotz schlechter Aussichten setzt Seehofer beim Thema Bayernwahl also auf Beharrlichkeit. So auch, als es in der ARD um Angela Merkel und die deutsche Asylpolitik geht. 

Die Kanzlerin müsse sich dafür einsetzen, dass mehr Bundesländer der Einrichtung von Ankerzentren zustimmen würden.

Er wünsche sich von Merkel mehr Unterstützung – schließlich gehe es um die Umsetzung des Koalitionsvertrags. 

Gleichzeitig war es eigentlich Seehofers Aufgabe, bis Anfang August Vereinbarungen mit Griechenland, Spanien und Italien beim Thema Zurückführungen von Flüchtlingen zu schließen. 

Er hoffe, dass das in der kommenden Woche klappe, sagte Seehofer. Sonst müssten eventuell die Regierungschefs noch einmal miteinander reden.

Hieße: Merkel wäre gefordert, das Thema wieder ihr Problem

Die vielsagenste Szene des Interviews:  

Nach etwa zwei Dritteln des Gesprächs gibt die ARD Seehofer die Chance, eigene Fehler zuzugestehen. 

“Gibt es aus den letzten Wochen von Ihnen einen Satz oder eine Bemerkung, die sie bereuen oder die sie so nicht mehr treffen würden?”, fragt Journalist Thomas Baumann den CSU-Chef. 

Seehofers Antwort ist ein lang ausgeführtes: “Nein.” Ein Begriff wie “Asyl-Tourismus” etwa tauche in einem Bericht von 2008 der EU-Kommission auf. Überhaupt werde ja die CSU mit Nazis und Terroristen verglichen

“Nicht von seriösen Leuten”, wirft Baumann da ein. Seehofer ist das egal, er hat das Thema gewechselt. Selbstkritik? Fehlanzeige. 

SPD-Vizechef Ralf Stegner sagte dazu dem Spiegel: 

“Der Innenminister ist ein Totalausfall und eine krasse Fehlbesetzung. Seehofer sollte endlich mal seine Arbeit machen und umsetzen, was wir im Koalitionsvertrag vereinbart haben.”