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15/05/2018 12:49 CEST

Seattle: Neues Projekt zur Obdachlosenhilfe – Amazon protestiert

Es geht eigentlich um einen guten Zweck.

leminuit via Getty Images
Das Projekt könnte tausenden Obdachlosen helfen – doch Amazon hält nichts davon.
  • In Seattle soll ein innovatives Projekt die steigende Obdachlosigkeit bekämpfen. 
  • Bezahlen sollen es Großunternehmen wie Amazon – doch die sehen das gar nicht ein.

In Seattle werden immer mehr Menschen obdachlos: Grund sind die steigenden Mietpreise. Denn die Stadt im US-Bundesstaat Washington wird zunehmend zum Standort für Tech-Unternehmen. Und deren Mitarbeiter brauchen  Wohnraum. 

Deshalb sollen die Konzerne jetzt zahlen – für ein neues Obdachlosenprojekt. Doch gerade das Versandunternehmen Amazon hält davon nichts.

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Insgesamt sollen 47 Millionen Dollar zusammenkommen

Der Stadtrat von Seattle beschloss am Montag über einen neuen Steuerplan. Demnach sollen große Konzerne jährlich rund 275 Dollar pro Vollzeitangestelltem zahlen.

585 Arbeitgeber in Seattle sollen davon betroffen sein – rund drei Prozent aller Unternehmen der Stadt.

Jährlich sollen damit etwa 47 Millionen Dollar zusammenkommen, mit denen bezahlbarer Wohnraum geschaffen und die Obdachlosenhilfe ausgebaut werden soll. In den letzten zwei Jahren stiegen die Zahlen der Obdachlosen in Seattle um knapp 44 Prozent an. Im Dezember 2017 sollen es 5,500 Menschen gewesen sein, die kein Zuhause haben.

Amazon müsste elf Millionen Dollar zahlen

Da die Mitarbeiter der Großunternehmen die Mieten in die Höhe treiben, sollen die Firmen ab dem Jahr 2019 zur Kasse gebeten werden. 

Wem das gar nicht passt: dem Online-Versandhändler Amazon, der in Seattle seinen Sitz hat. Der kommt mit 40.000 dort beschäftigten Mitarbeitern nämlich auf eine jährliche Abgabe von elf Millionen Dollar.

Der Versandhändler protestiert gegen die Steuer

Für den Konzern, der laut Statista im vergangenen Jahr weltweit 177,87 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht hat, sollte diese Summe nicht weiter ins Gewicht fallen.

Schließlich dient die Abgabe einem guten Zweck. 

Doch der Versandhändler protestiert gegen die Steuer. Er soll sogar den Bau eines neuen Gebäudes in der Stadt kurzzeitig gestoppt haben.

Man hinterfrage nun einen weiteren Ausbau in der Stadt, soll der Konzern mitgeteilt haben. Amazon ist bereits seit Monaten auf der Suche nach einem Standort für ein zweites US-Hauptquartier.

Material von dpa.