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20/02/2018 10:27 CET | Aktualisiert 20/02/2018 14:43 CET

Vielen Schülern geht es miserabel – oft reichen 3 Minuten, um das zu ändern

Sie sind depressiv, gestresst oder fühlen sich allein gelassen.

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Viele Kinder und Jugendliche wissen meistens nicht, was mit ihnen los ist, geschweige denn, an wen sie sich wenden können.

Es steht schlecht um deutsche Schüler. Sie sind depressiv, gestresst, fühlen sich allein oder stecken in einer anderen Krise. Diesen Kindern wird an deutschen Schulen nicht angemessen geholfen und das ist ein großes Problem.

Was ich als Schulkrankenschwester beobachte, zeigt sich auch in diesen erschreckenden Statistiken.

►  2015 litten deutschlandweit 34.000 Schüler an Depressionen. Ungefähr siebenmal mehr als noch im Jahr 2000. Fast jeder zweite Schüler leidet unter Stress. Chronische Kopfschmerzen, Übelkeitsanfälle und Rückenbeschwerden – diese Symptome gehören für viele Kinder zum Alltag.

► Auch Drogendelikte an Schulen nehmen in vielen Bundesländern deutlich zu. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik der Innenministerien und Landeskriminalämter hervor.

Diesen Kindern und Jugendlichen versuche ich zu helfen.

Mehr zum Thema: Schüler steigt auf seinen Tisch macht alle sprachlos

Seit April letzten Jahres arbeite ich am Adolf-Reichwein-Gymnasium Heusenstamm. Was ich dort erlebe, zeigt, wie es wirklich an deutschen Schulen zugeht.

Schulen sind die Bühne, auf der die Probleme von Schülern aufeinander treffen. Und meistens stehen sie ganz alleine da.

Kein Zufluchtsort für die Kinder

Viele Kinder und Jugendliche wissen nicht, was mit ihnen los ist, geschweige denn, an wen sie sich wenden können.

Sie lernen den Satz des Pythagoras oder was mit Fotosynthese gemeint ist. Was nicht auf ihrem Lehrplan steht: Wie sie mit Depressionen umgehen, was die Ursachen sind, wenn sie unter chronischen Kopfschmerzen leiden oder an wen sie sich wenden können, wenn sie ungewollt schwanger sind.

Die Schulen sind meist überfordert. Wenn Schüler sich mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Stress im Schulsekretariat melden, bekommen sie oft einen Kühlbeutel und ein Pflaster in die Hand gedrückt und werden nach Hause geschickt. Das reicht natürlich nicht.

Wir brauchen mehr Fachpersonal.

Es gibt eine zweijährige Weiterbildung zur “Schulgesundheitsfachkraft” – allerdings nur in Brandenburg und Hessen. Auch ich habe daran teilgenommen und bin nun ausgebildete Schulkrankenschwester

Seit Februar letzten Jahres sind im Rahmen dieses Projekts zehn Schulkrankenschwestern an 20 Brandenburger Schulen im Einsatz. In Hessen – wo ich tätig bin – sind es seit Juni zehn Fachkräfte an zehn Schulen.

Während der Ausbildung lernen wir mehr als nur Pflaster aufzukleben. Gerade bei psychosomatischen Erscheinungen und chronischen Erkrankungen wissen wir, was zu tun ist. Dazu gehört, dass wir die Schüler wirklich kennen lernen und uns mit ihnen befassen.

Deutschland braucht Schulkrankenschwestern

In der Schule, in der ich arbeite, habe ich einen eigenen Raum, der mit einer Liege, einem Wasserkocher und einem Apothekerschrank ausgestattet ist.

Sogar einen Rollstuhl habe ich angeschafft. Die AOK Hessen finanziert die Ausstattung sowie meine Weiterbildung.

Wir stehen zwar noch am Anfang, aber schon jetzt habe ich Veränderungen wahrgenommen. Anfangs kamen die Schüler nur, weil sie nach Hause geschickt werden wollten.

Nachdem sich das System etwas etabliert hatte, kommen sie jetzt auch mit größeren Problemen zu mir.

Oft kommen Schüler aber auch zu mir, um einen Tee zu trinken. Diese drei Minuten außerhalb des Klassenzimmers reichen manchmal schon, um Probleme zu lösen.

Kinder und Jugendliche brauchen eine Anlaufstelle, einen Zufluchtsort. Gerade in der Schule. An den meisten deutschen Schulen gibt es aber für solche Fälle keine direkten Ansprechpartner.

Mehr zum Thema: Tabuthema Depressionen: Warum Lehrer anfangen müssen, in der Schule darüber aufzuklären

Ich bin selbst Mutter von drei Kindern. Irgendwann entschied ich mich dazu, in der Nachmittagsbetreuung zu arbeiten.

Und da wurde mir klar: Die Gleichung ist ganz logisch. Kinder gehen in die Schule, damit sie etwas lernen. Um aber wirklich gut lernen zu können, müssen sie sich gesund und wohl fühlen. Doch die Zahlen sind alarmierend und die Aussichten grau. Jugendliche brauchen mehr Rückhalt in Schulen.

Der Text wurde von Meltem Yurt aufgezeichnet. 

(kap)

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