WIRTSCHAFT
22/08/2018 13:58 CEST

Deutschland: Deutlich mehr Kinder von Armut betroffen als angenommen

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Kinderarmut in Deutschland: schlimmer als bisher angenommen. 

► Etwa 4,4 Millionen Kinder in Deutschland sind nach Schätzungen des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) von Armut betroffen – rund 1,4 Millionen mehr als bisher angenommen

► Grund für die höheren Zahlen ist demnach, dass viele Familien staatliche Leistungen nicht in Anspruch nehmen, also in den Statistiken nicht erfasst würden.

► “Zählen wir alles zusammen, kommen wir konservativ gerechnet auf eine Dunkelziffer von 1,4 Millionen Kindern. Alle diese Kinder sind offiziell nicht arm, doch sie fallen durch das Raster unseres Sozialstaates”, sagte DKSB-Präsident Heinz Hilgers.

Wie es zu der höheren Zahl von Kinderarmut genau kommt: 

Viele Eltern würden keine staatlichen Hilfen annehmen, weil sie mit “den bürokratischen Abläufen überfordert sind oder sich schlichtweg dafür schämen”, sagte Hilgers.

Regierung und Behörden setzten auch bewusst auf den abschreckenden Faktor der Bürokratie. “Die Verschleierungsmethoden der Ministerien funktionieren gut”, sagte Hilgers.

Der Schutzbund bezieht sich mit seinen Zahlen unter anderem auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen vom 18. Juni 2018.

Sogenannte aufstockende Leistungen nach Hartz IV nähmen geschätzt nur etwa 50 Prozent der Berechtigten in Anspruch. Das allein betreffe rund 850.000 Kinder unter 18 Jahren.

Was der Kinderschutzbund fordert: 

Die hohe Zahl der Kinder, die von Armut betroffen ist, sei ein “Armutszeugnis für ein reiches Land”, betonte der Verband. Der DKSB forderte die Bundesregierung auf, entschlossener gegen die Kinderarmut vorzugehen. Deren Pläne etwa zur Erhöhung des Kinderzuschlags seien “völlig unzureichend”. 

Perspektivisch fordert der DKSB die Einführung einer einfachen und unbürokratischen Kindergrundsicherung.

(lp)