POLITIK
10/02/2018 12:10 CET | Aktualisiert 10/02/2018 14:15 CET

Schulz gegen Gabriel: Der schmutzige Kampf zweier ehemals bester Freunde

Einen Gewinner im Kampf um Macht und Karriere gibt es nicht.

  • Martin Schulz und Sigmar Gabriel haben sich im Kampf um die Karriere öffentlich demontiert
  • Wer gewonnen hat? Vielleicht gar keiner
  • Im Video oben: Gabriel rechnet mit SPD-Führung ab und wirft ihr respektlosen Umgang vor

Zwei Männer. Zwei Freunde. 

Zwei Alphatiere. Zwei Verwundete.

Die entwürdigenden Kämpfe der deutschen Sozialdemokraten sind ein doppeltes Drama: ein politisches sowieso. Aber auch ein menschliches.

Und wie das so ist mit den wirklich großen Kämpfen: Es gibt keine strahlenden Helden. Nur tragische. 

“Wir sind echte Freunde”

Sigmar Gabriel und Martin Schulz galten als Freunde. Die beiden soll mehr verbunden haben, “als es unter mächtigen Männern gemeinhin üblich ist”, wie die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” schreibt. 

Natürlich kann man nie hineinschauen in die Menschen. Aber Schulz hat jedenfalls öffentlich behauptet, dass sie sich nahe stehen. Und Gabriel hat nicht widersprochen. 

Ende 2016 sagte Schulz dem “Focus”: “Sigmar Gabriel und ich sind echte Freunde.” Zur Freundschaft gehöre Vertrauen. “Zur Freundschaft gehören im Übrigen auch Spannungen”, fügte er hinzu. Besonders schätze er, dass Gabriel “ein sehr authentischer Mensch” sei.

“Der Mann mit den Haaren im Gesicht”

Jetzt sind es keine Spannungen mehr, die zwischen den beiden stehen. Was öffentlich zu besichtigen ist, ist Gegnerschaft. Gabriel, der Polterer, hat das sehr authentisch rübergebracht.

Am Donnerstagabend machte Gabriel ein Zitat seiner kleinen Tochter öffentlich: “Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht.” 

Und er warf der Parteiführung miese Spielchen vor: “Ich komme wohl noch zu sehr aus einer analogen Welt, in der man sich nicht immer nur umschleicht, sondern sich einfach mal in die Augen schaut und die Wahrheit sagt. Das ist scheinbar aus der Mode gekommen.”

So etwas sagt man über einen ehemaligen Freund nur, wenn man tief verletzt ist. Die Rache des Verratenen.

Dummheiten und Intrigen

Der “Tagesspiegel” vermutet, das Interview Gabriels könnte der vielleicht entscheidende Stoß gegen Schulz gewesen sein.

Es ist der vorläufige Höhepunkt in einem Hauen und Stechen, in einer Abfolge von Intrigen, Dummheiten und Eitelkeiten:

► Im Januar 2017 gibt Gabriel den Parteivorsitz an Schulz ab. Auch Kanzlerkandidat wird er nicht. Gabriel weiß, dass er keine Chance hätte, der SPD zu einem Sieg über die Union zu verhelfen. Die SPD indessen verklärt Schulz zum Heiland.

► Im Wahlkampf stiehlt Gabriel Schulz immer wieder die Show. Das zeugt von schlechter Arbeit der Pressesprecher, wäre aber ohne Billigung Gabriels wohl nicht so wiederholt möglich gewesen. Gabriel habe Schulz zum “Kanzlerkandidatenlehrling” degradiert, schreibt die “FAZ”.

► Am Mittwoch sagt Schulz, er werde Außenminister. “Sigmar Gabriel hat eine sehr gute Arbeit als Außenminister geleistet, aber ich habe mich entschieden, in die Bundesregierung einzutreten und zwar als Außenminister.”

Obwohl Schulz nach der Wahl gesagt hatte, er werde nie in ein Kabinett Merkel eintreten. Obwohl Gabriel noch öffentlich klargemacht hat, wie gern er Chef des Auswärtigen Amts bliebe.

Obwohl Schulz – angeblich – Gabriel versprochen hat, dass er weitermachen darf. Die “SZ” berichtet am Samstag, dass Schulz-Anhänger behaupteten, dass parteiinterne Kritik an Schulz’ Außenamtsplänen von Gabriel orchestriert worden sei.

Schulz – der Verlierer, der Mitleid erregt

Schulz hat eine überaus erfolgreiche politische Karriere, ein Lebenswerk, innerhalb nur eines Jahres in die Tonne getreten.

Der Misserfolg bei den Wahlen allein hat ihm nicht die Karriere gekostet. Fortgesetzter Wortbruch schon.

Auch wenn das ein oder andere Motiv vielleicht edel war, wie jenes, Deutschland vor Neuwahlen zu bewahren. Und die SPD nun vor Schaden zu bewahren, wie es SPD-Politiker Karl Lauterbach darstellt. 

Und trotzdem kann Schulz einem leid tun. Denn ganz offensichtlich gab es in der Partei genug Leute, die ihn erst gefeiert haben, aber ihm in der Kater-Zeit nach der Party nicht beistehen wollten. 

“Und über allem steht die Frage, wer schon Opfer und wer noch Schuldiger ist – nur dass das kaum noch zu entwirren ist”, schreibt die “FAZ”.

Gabriel, die tragische Figur

Auch Gabriels Zukunft ist jetzt ungewiss.

In seiner Wut hat er mit seiner öffentlichen Anklage am Donnerstagabend wieder jenen innerparteilichen Kritikern Munition geliefert, die ihn als Person nicht ausstehen können.

“Viele Genossen fanden es peinlich und abstoßend, dass Gabriel seine kleine Tochter vorschob, um Schulz anzugreifen”, schreibt der “Tagesspiegel”

Möglich wäre aber auch, dass sich “der Entfesselungskünstler der deutschen Politik wieder einmal aus einer aussichtslosen Lage befreit” hat.

Schmutziger Kampf

Sicher ist: Die beiden haben einen schmutzigen Kampf gekämpft. Und beide könnten ihn verloren haben. Schulz ganz sicher. Gabriel vielleicht. Gewinner – gibt es keinen.

(lm)