ELTERN
14/03/2018 11:36 CET

Grundschüler schreiben Brief, weil ihre Eltern täglich diesen Fehler machen

Die Kinder fühlen sich nicht sicher.

  • Viele Eltern parken täglich im Halteverbot vor einer Grundschule in Dortmund
  • Ihre Kinder tadeln das Verhalten nun mit einem persönlichen Brief

Seit langer Zeit gilt an der Grundschule Brechten in Dortmund ein Gebot: Bequemlichkeit vor Richtigkeit. Zumindest, wenn es um das Parken geht. 

► Nach einem Bericht der “Ruhrnachrichten” laden viele Eltern ihre Kinder regelmäßig direkt vor der Schule ab – obwohl sie dadurch in einem absoluten Halteverbot stehen.

Schulbusse und Lehrerautos blockiert 

Diese Bequemlichkeit habe deutliche Auswirkungen auf den gesamten Tagesablauf, schrieb das Newsportal. 

“Da unsere Grundschule zwei Standorte hat, müssen die Lehrer in den Pausen von hier mit dem Auto zur Zweigstelle Am Birkenbaum fahren”, schildert die Rektorin, Klaudia Godglück, den “Ruhrnachrichten” das Problem.

Dabei sei es schon vorgekommen, dass die Lehrer “aufgrund der parkenden Fahrzeuge der Eltern schlichtweg nicht durchkamen.” 

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Doch das sei nicht alles: Auch der Schulbus könne nicht mehr direkt vor dem Gebäude parken, da die Eltern sowohl morgens als auch zum Schulende die Wendestelle blockierten.

► ”Es kommt vor, dass er nicht vor- und nicht zurückfahren kann“, erklärte Godglück dem Nachrichtendienst.

Die unruhestiftenden Mütter und Väter wären immer wieder auf ihr Fehlverhalten hingewiesen worden – auch in Briefform. Doch das Problem bestehe weiterhin, sagte die Rektorin.

Schülerparlament gegen Regelverstoß

Auch die Grundschüler hätten immer wieder versucht, ihre Eltern zu tadeln: Gekleidet in Warnwesten und bewaffnet mit Plakaten, protestierten einige Viertklässler gegen den Regelverstoß.

Gebracht habe es bis dato nichts – es würde einige Eltern offenbar nicht interessieren, äußerte sich die Rektorin gegenüber den “Ruhrnachrichten”.

► Nun wollen die Schüler endgültig das Verhalten ihrer eigenen Eltern stoppen: Sie verfassten einen ehrlichen Brief.

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Das Schülerparlament habe die prekäre Parksituation als obersten Tagespunkt festgelegt und entsprechende Argumente gesammelt, erklärte die Betreuerin des Parlaments, Jana Poszywala, dem Newsportal.

Als die Schüler sich einig waren, was sie ihren Eltern gerne sagen würden, hätten sie einen Brief verfasst. Den Inhalt habe ein Drittklässler zusätzlich in Feinhandschrift aufgeschrieben, damit jedes Kind ein schönes Exemplar an Vater oder Mutter überreichen könne, schrieb das Newsportal.

Kinder müssen unter dem Verhalten leiden 

Die Kinder würden das Verhalten ihrer Eltern als “gefährlich” einstufen, hieß es in dem Brief laut “Ruhrnachrichten”. Eine Übertreibung sei das nicht, denn in der Vergangenheit habe es bereits mehrere Zwischenfälle gegeben.

“Wenn da immer geparkt wird, ist das eine Gefahr für die Kinder”, erzählte eine Achtjährige dem Newsportal, “Da ist sogar schon mal ein Auto einem Kind über den Fuß gefahren.”

Auch der Drittklässler Eragon berichtete dem Nachrichtendienst von seinem Leid: “Mein Schulbus darf da parken. Aber es ist schon mal passiert, dass er gar nicht mehr rauskam.”

Warum die Eltern direkt vor der Schule parken müssen, sei selbst den Kindern ein Rätsel. In ihrem Brief stand laut “Ruhrnachrichten”:

“Kein Kind muss unbedingt direkt vor dem Schultor rausgelassen oder abgeholt werden. Wir können gerne auch ein paar Schritte laufen, bevor die Schule beginnt.“

Falls ihre Worte nicht deutlich genug rüberkommen würden, solle als letzter unmissverständlicher Hinweis die Grußformel weiterhelfen, welche nach Angaben des Nachrichtenportals lautete:

“Mit ärgerlichen Grüßen.“

(amr)