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28/06/2018 16:12 CEST | Aktualisiert 28/06/2018 16:14 CEST

Powerpoint statt PHP: Mein Informatik-Unterricht in der Schule war ein Witz!

Aus mir hätte eine exzellente Entwicklerin werden können – wäre da nicht mein unfähiger Informatiklehrer gewesen.

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Mit Word, Excel & Co. ist es für mich lange noch nicht getan. (Symbolbild)
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Eigentlich war er Mathelehrer...

Ich bin Jahrgang 1989, mit 13 Jahren hatte ich meinen eigenen Computer. Ich schrieb mit Freunden bei ICQ, spielte RollerCoaster Tycoon und lud Musik und Filme herunter. Aber ich wollte mehr erfahren über Computer und dieses Internet.

Also wählte ich in der 9. Klasse das Fach Informatik. Zwei Schulstunden die Woche versammelten wir uns also im Computerraum, Gebäudetrakt für Naturwissenschaften.

Zwei Schüler teilten sich einen Rechner, der 10 Minuten zum Hochfahren brauchte. Die Übungsdateien bekamen wir per Diskette. Soweit so gut.

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Doch schnell musste ich feststellen: Der Lehrer hatte leider genauso viel Ahnung von Programmieren wie ich. Eigentlich war er Mathelehrer. Und weil er sich anscheinend gut mit Overheadprojektoren auskannte, durfte er die zweitägige Weiterbildung zum Informatiklehrer besuchen. So zumindest meine Vermutung.

Powerpoint rauf und runter – Soundeffekte inklusive

Anstatt den Unterschied zwischen HTML, CSS und C++ zu lehren, stürzte er sich auf das, was er konnte: Powerpoint. Also erstellten wir fleißig 30-seitige Präsentationen über ein Thema unserer Wahl und bauten jede Animation ein, die das Programm zu bieten hat – Soundeffekte inklusive.

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Ich meine, klar: EDV-Programme richtig zu bedienen sollten Schüler unbedingt auch lernen. Immerhin müssen sie damit später ihre ersten Bewerbungen schreiben. Aber mit Word, Excel & Co. ist es für mich lange noch nicht getan.

Neidisch schaute ich mir an, wie mein damaliger Freund sich selbst das Programmieren beibrachte und erste kleine Programme schrieb. Und das ist doch der Punkt: Alle in meinem Alter, die heute erfolgreich als Entwickler arbeiten, haben sich das Programmieren selbst in ihrem Kinderzimmer beigebracht. Wovor ich auch absolut meinen Hut ziehe.

Aber spätestens in der heutigen Zeit, in der Apps unser Leben bestimmen, Roboter durch die Wohnung fahren und Autos selber einparken, sollte unsere Gesellschaft nicht darauf vertrauen, dass es genug Nerds gibt, die sich daheim über Anleitungen aus dem Darknet aneignen, Online-Konten zu hacken.

Jede Schule sollte sich vornehmen, die besten Nerds des Landes auszubilden. Denn Nerd-Wissen ist Macht, heute und in der Zukunft noch viel mehr.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Chip.de.

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(tb)