POLITIK
24/09/2018 07:38 CEST | Aktualisiert 24/09/2018 12:52 CEST

Scholz will im ZDF Maaßen-Chaos schönreden – doch Slomka nagelt ihn fest

“Was meinen Sie damit? Dass Herr Seehofer die Unwahrheit sagt?”

  • Im Interview mit dem “heute journal” sollte SPD-Vize Olaf Scholz den chaotischen Groko-Streit im Fall Maaßen erklären. 
  • Scholz versuchte, den Zwist in der Regierung zu relativieren – auch, als Moderatorin Slomka ihn mit einem brisanten Seehofer-Satz konfrontierte. 
  • Im Video oben seht ihr das Interview.

“Etwas bemüht” sei die Einigung im Streit um den in Verruf geratenen Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen schon gewesen, so viel gab Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) im ZDF-Interview zu. 

Doch ansonsten sei eben nun eine Lösung gefunden, “und es war gut, dass nachgearbeitet wurde, nachdem eine Beförderung in großen Teilen der Bevölkerung auf wenig Verständnis gestoßen ist.” 

Sollte heißen: Ja, der Fall Maaßen war schwierig, aber jetzt ist alles prima. 

Doch ZDF-Moderatorin Marietta Slomka wollte es Scholz nicht so einfach machen.

Slomka konfrontiert Scholz mit brisanter Seehofer-Aussage

“Interessant ist ja, ob so eine Nachbearbeitung überhaupt nötig gewesen wäre”, sagte sie – und spielte auf einen brisanten Satz von Bundesinnenminister Horst Seehofer an.

Der hatte nämlich am Sonntag gesagt, seinen Vorschlag, Maaßen als Berater ins Innenministerium zu holen, habe er schon im ersten Treffen mit Angela Merkel und Andrea Nahles vor 10 Tagen unterbreitet. 

“Da scheint ja Frau Nahles damals nicht zugegriffen zu haben, oder wie war das?”, hakte Slomka nach. 

Scholz wich aus: “Ich würde sagen, das buchen wir mal ab unter: ein typischer Seehofer.” 

Slomka fragte nach: “Was meinen Sie damit? Dass Herr Seehofer die Unwahrheit sagt?” 

Scholz antwortete kryptisch: “Ich glaube, dass wichtig ist, dass jetzt diese Lösung gefunden wurde. Und das sie nicht vorher möglich war.” 

Slomka bleibt hartnäckig: Bezichtigt Scholz Seehofer der Lüge? 

Die Moderatorin hakte weiter nach: 

“Das wäre aber schon ein Ding, wenn die Lösung auf dem Tisch gelegen hätte und Frau Nahles hätte nicht erkannt, dass das viel besser ist, Herr Maaßen zum Staatssekretär zu befördern – das wäre dann sehr schwer vermittelbar, wenn das so gelaufen wäre, oder?” 

Scholz widersprach: “Wäre, wäre, wäre – aber ist ja ganz anders.” 

Slomka ließ nicht locker: “Das wird Herr Seehofer nicht gerne hören, dass sie ihm unterstellen, er habe da irgendwas behauptet.” 

Scholz antwortete trocken: “Ich glaube, es wird Herr Seehofer freuen, dass wir jetzt eine Lösung haben.” 

“Aber Sie merken schon, dass wir jetzt schon wieder mittendrin in einem neuen Koalitionsstreit sind, oder?”, fragte Slomka. 

Jetzt wurde Scholz dann doch vehement: “Nein. Auch wenn Sie sich jetzt sehr bemühen, und das ist ja auch interessant, aber ich glaube, Sie sollten das jetzt mal auf sich beruhen lassen.” 

Es sei mit großen Anstrengungen eine Lösung gefunden worden. Das sei jetzt möglich gewesen und vorher nicht, betonte Scholz noch einmal. “Und das ist ganz besonders der SPD-Parteivorsitzenden Andrea Nahles zuzurechnen.” 

 Die hatte übrigens noch am Sonntagabend Seehofers Aussage über die vermeintlich schon lange vorliegende jetzige Lösung vehement zurückgewiesen