WIRTSCHAFT
20/05/2018 09:04 CEST

Scholz spricht über sein Geld – ein Satz zeigt, was im Land schief läuft

HuffPost-These.

Axel Schmidt / Reuters

Nicht nur der Bundeshaushalt, den Finanzminister Olaf Scholz (SPD) zuletzt vorgestellt hat, mutet äußerst konservativ an.

Auch die ganz persönliche Anlagestrategie des ehemaligen Hamburger Bürgermeister ist konservativ, wie der nun in der “Bild am Sonntag” verriet.

Danach gefragt, wie er sein Geld anlege, sagte Scholz: “Damit beschäftige ich mich kaum, es liegt einfach auf dem Sparbuch – trotz der niedrigen Zinsen.”

Weniger wohlwollend könnte man sagen: Scholz, der als Finanzminister das Geld der Bundesrepublik verwaltet, weiß nicht, wie er mit seinem eigenen Vermögen sinnvoll wirtschaften soll.

An der Anekdote des SPD-Mannes lassen sich zwei entscheidenden Probleme des Landes durchdeklinieren.

1. Die Deutschen horten ihr Geld, wider besseren Wissens

Die Deutschen horten ihr Geld. Sie sind seit Jahren Sparweltmeister.

2.270 Milliarden Euro lagern die Deutschen – Stand September 2017 – auf Giro- und Festgeldkonten. Dabei wissen sie: Zinsen gibt es kaum, eher verliert ihr Vermögen langfristig an Wert.

Nur rund 15 Prozent der Deutschen legen ihr Geld in Aktien an – im internationalen Vergleich ist das ein jämmerlicher Wert. Vor allem junge Menschen zögern, dabei wären entsprechende Investitionen für sie am Wichtigsten.

Das Rentensystem, wie es heute konstruiert ist, wird für sie nicht mehr viel abwerfen, das ist seit Jahren bekannt. Private Vorsorge wird zur Pflichtaufgabe.

Doch die meisten jungen Menschen wissen einfach nicht, was sie tun können. Es fehlt die finanzielle Bildung.

Dass nicht einmal Finanzminister Scholz vorleben kann, wo die Möglichkeiten einer klugen Anlagestrategie liegen, ist gelinde gesagt ein Armutszeugnis. 

2. Dem Land fehlt der Mut, zu investieren 

Nicht nur im privaten Raum wird die Horteritis zum strukturellen Problem.

Die Bundesrepublik verspielt – besonders im Technik-Sektor – den Anschluss, weil die Regierung nicht von ihrem Sparkurs abrückt. 

Erst kürzlich ergab eine Bertelsmann-Studie, dass das Land deutlich zu wenig Geld in die Zukunft investiert. 

Im langjährigen Mittel lag der Anteil öffentlicher Investitionen an der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung bei nur 2,2 Prozent.

Und das war noch bevor Scholz den Haushalt präsentierte, der Investitionen sogar noch zurückschraubte, statt auszubauen. Im Zeitalter des billigen Geldes setzt die GroKo auf Vorsicht statt auf Weitsicht.

Die Staatseinnahmen sind auf Rekordkurs, die schwarze Null steht. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt gibt wenig Grund zur Beunruhigung.

Dass der Status Quo nicht garantiert ist, scheint in Berlin derweil niemand zu sehen.