POLITIK
25/04/2018 23:00 CEST | Aktualisiert 26/04/2018 08:20 CEST

Ende der Bromance? Macron rechnet im US-Kongress mit Trump ab

Auf den Punkt.

Chip Somodevilla via Getty Images
Emmanuel Macron nutzte seine Rede vor dem US-Kongress für eine Abrechnung mit Donald Trump.

Die seit Tagen viel beschworene Männerfreundschaft zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron – ist sie doch nicht so eng?

So kann man den Auftritt von Macron im US-Kongress interpretieren.

Denn mit einem flammenden Bekenntnis für internationale Zusammenarbeit und gegen Nationalismus hat sich Frankreichs Staatschef deutlich von Trumps Politik distanziert.

Das war so nicht erwartet worden. Was Macron gesagt hat und was es bedeutet – auf den Punkt gebracht.

Die Auslangslage:

So verschieden Stil und Programm der Präsidenten Frankreichs und der USA sind, so sehr betonten die beiden in den vergangenen Tagen auch ihre Nähe.

► Am Sonntag erklärte Macron: “Wir haben eine ‘special relationship’, eine besondere Beziehung. Wir sind beide Außenseiter unserer Systeme, wir sind nicht Teil des politischen Systems gewesen. Und wir haben auch persönlich ein sehr enges Verhältnis.”

► Am Dienstag sagte dann Trump zu Macron: “Es ist eine Ehre, dich meinen Freund nennen zu können.”

LUDOVIC MARIN via Getty Images
Die "New York Times" betitelte dieses Foto mit: "Le Bromance: Trump und Macron wieder zusammen".

Die Kernpunkte von Macrons Rede im US-Kongress: 

► Vor einer der beiden Kammern des US-Kongresses nahm Macron am Mittwoch auf die zuvor gezeigte Zuneigung keine Rücksucht. In seiner fast halbstündigen Rede kritisierte er Trump scharf: “Die Tür zur Welt zuzuschlagen, wird die Entwicklung der Welt nicht aufhalten.”

► Man befinde sich in einem kritischen Moment der Geschichte. Es sei dringend geboten, als globale Gemeinschaft internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die Nato zu schützen

► In Richtung des protektionistisch agierenden Trump sagte Macron: “Wir können uns für Isolationismus, Rückzug und Nationalismus entscheiden. Das mag als ein vorübergehendes Mittel gegen unsere Ängste verlockend sein.” Doch langfristig könne man so nichts erschaffen.

► Mit Nachdruck wiederholte Macron seinen Appell an Trump, nicht vorschnell aus dem Atomabkommen mit dem Iran auszusteigen.

► Vor dem Hintergrund drohender Handelskonflikte und Strafzölle seitens der USA sagte Macron: “Wir brauchen einen freien und fairen Handel, das ist gewiss.” 

► Frankreichs Präsident war sich immerhin sicher, dass die USA eines Tages in das von Trump aufgekündigte Pariser Klimaabkommen zurückkehren würden. Man brauche eine Vereinbarung, die künftigen Generationen einen Planeten sichere, der auch in 25 Jahren noch bewohnbar sei.

► Macron rief: “Es gibt keinen Planet B!” und “Make our planet great again” (“Machen wir unseren Planeten wieder groß!”). 

Wie die Zuhörer reagiert haben:

► An vielen Stellen erhoben sich die Abgeordneten von ihren Sitzen und applaudierten.

► Vor allem Politiker der Demokraten reagierten begeistert, insbesondere an den Stellen, die als gegen Trump gerichtet gelesen werden konnten. 

Fazit:

Mehr als zwei Tage lang war die US-Reise von Macron aus europäischer Sicht eher ernüchternd verlaufen. In der Rede kurz vor seiner Abreise versuchte Frankreichs Präsident deshalb, eine Marke zu setzen.

Dabei verzichtete Macron aber gerade zu Beginn nicht auf Charme und Pathos – wohlwissend, damit Trump für sich gewinnen zu können. So bleibt auch nach dem “Rendezvous mit der Freiheit”, welches die US-Amerikaner und die Franzosen aus Sicht Macrons hätten, die Chance für ein zweites Date.

Mit Material von dpa.

(jg)