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22/09/2018 16:04 CEST | Aktualisiert 22/09/2018 16:04 CEST

Schlecht für Alle

Neulich besuchte ich mal wieder einen dieser Discounter, um mir Wodka für meinen Brombeerschnaps zu holen. Ich halte ja im Allgemeinen nicht sehr viel von Supermärkten, Überangebote wohin man sieht, Erdbeeren im Winter, Chiasamen und Avocados, verarbeitete Lebensmittel mit Bildern von glücklichen Menschen drauf. Kurz und Gut, Dinge die der Mensch nicht braucht. Während in den bekannten "großen Supermärkten" alles säuberlich aufgetürmt und ausgeleuchtet ist, wird hier die Ware in Pappkartons präsentiert, der Inhalt ist derselbe. Ich nehme einen in Folie eingeschweißten Brokkoli aus der Kiste und schaute auf den Preis: 39 Cent. Das gute Stück ist ungefähr doppelt so groß wie der aus meinem regionalen Garten, hat eine unnatürlich grüne Farbe und könnte das Cover eines Food Magazins zieren. Erst letzte Woche bekam ich dieses Video von meinem Kumpel aufs Handy geschickt, welches zeigt, wie unser Supermarktgemüse aufwächst:

Vorsichtig legte ich das gute Stück zu seinen Artgenossen zurück und mache mich auf die Suche nach meinem Schnaps. Nach fünf Minuten in den Gängen umherirren kam ich auf die Idee einen Mitarbeiter zu fragen, der jedoch an der Kasse saß um die wartenden Kunden abzukassieren. Er war anschneiden allein. Ein Mitarbeiter in diesem riesigen  Markt, der sich um die Kasse, das Einräumen der Artikel, das Wegräumen der Kartons und das Saubermachen der Gänge gleichzeitig kümmern musste. Da bleibt einiges liegen. Wenn es schlecht läuft, steht er um 24.00 Uhr noch im Markt, der hat ja schon bis 21.00 Uhr geöffnet. Dafür wird er sehr schlecht bezahlt. Als ich ihn seine Augen blickte, sah ich einen Ausdruck von Resignation vermischt mit etwas Hoffnungslosigkeit. Meine Frage nach dem Wodka würde ihn zum Kollabieren bringen. Also weitersuchen! Im Weinregal fand ich nun den Alkohol, drei Falschen landeten in meinen Korb.

"3,99 Euro für eine Flasche Wodka. Da muss Spiritus drin sein!“

ermahnte mich die Stimme in meinem Kopf. „Es ist nur für den Brombeerschnaps“, erwiderte ich meinen Oberstübchen und reihte mich in die endlos lange Warteschlange ein. Vor mir stand ein junger Herr der seiner Freundin stolz davon berichtete 4000 Kalorien am Tag zu verzehren, hauptsächlich mit Reisnudeln und Pute. „Wichtig ist, dass man abwechslungsreich ist, dann baut man auch „Gains“ auf!“ Warum er nun 3 Flaschen Cola und eine Packung Kekse aufs Band legte, weiß ich nicht. Hinter mir legte ein älterer Herr sein Feierabendbier, eine Packung Fleischklopse und zwei Schachteln Zigaretten aufs Band. Alle in dieser Reihe sahen extrem krank und müde aus, kein Wunder bei diesem Deckenlicht. Und während mich das Piepgeräusch der Kasse in eine Art Hypnose versetzte, sprach wieder meine bekannte innere Stimme zu mir: „Wem nützt das hier? Keinem! Diese Discounter, diese „Billig- Vermarktungs- Schiene“ ist:

SCHLECHT FÜR ALLE!

Fangen wir mal an bei den Erzeugern. Diese werden durch das Preisdumping dazu gezwungen minderwertige Ware herzustellen. Es geht gar nicht anders. Lebensmittel werden von Flüchtlingen zu niederen Bedingungen in riesigen Gewächshäusern zu Tode gespritzt. Sie werden davon krank. Das Billigfleisch wird in Mastanlagen erzeugt, die Tiere stehen dicht an dicht in Ställen und bekommen Antibiotika zu futtern. Das "Nonfood" wird in China produziert, die Billigkleidung in Bangladesch zusammengenäht, alles seelenlose Scheiße die keiner braucht. Diese Ware schadete dann dem Verbraucher, er wird krank davon. Entweder vom essen der Lebensmittel, von Einatmen der Chemie, oder vom übersetzten der chinesischen Bedienungsanleitung. Dem Kassierer nützt es auch nichts, er wird krank vom vielen arbeiten und dem billigen Lohn. Noch nicht einmal dem Chef dieser Ketten nützt es was,  ihn hat der Wohlstand krank gemacht.

"Ich verrate dir eine Alternative."

flüstert mir meine Stimme zu. Geh doch auf einen Wochenmarkt! Bei uns in Hildesheim öffnet er jeden Mittwoch- und Samstagvormittag um 7.00 Uhr seine Pforten. Diese Märkte gibt es übrigens überall in Deutschland. Dort verkaufen regionale Erzeuger ihre Produkte. Bauer Manu zum Beispiel, baut sein Gemüse drei Orte von uns weiter an. Er hat ein eigenes Kompostsystem entwickelt, zieht sein Gemüse selbst groß, liest die Kartoffelkäfer per Hand von der Pflanze und freut sich über die Vielfalt, die uns die Natur bietet. Jeden Monat gibt es etwas Neues bei ihm zu kaufen. Er liebt, was er tut und daraus entsteht etwas Wunderbares. Dies nutzt dem Verbraucher, er bekommt etwas zu essen das gesund ist und ihn gesund macht. Der Verbraucher ist an der frischen Luft, während er dieses Gemüse kauft, kommt mit dem Erzeuger ins Gespräch und erfährt, welches Gemüse gerade Saison hat. Zu Hause bekommt er dann die volle Ladung Nährstoffe auf den Teller.

Neben Manu steht Bauer Stolte, der sein BIO Fleisch aus eigener Herstellung verkauft. Seine Tiere stehen auf einer Weide, wachsen dort auf, bekommen gutes Futter und werden dort geschlachtet. Sie werden nicht durch halb Europa gekarrt. Also auch gut für das Tier. Oder du baust dein Gemüse selbst an. Es gibt Selbsterntegärten wie  www.vorstadtgemuese.de. Das ist:

"GUT FÜR ALLE!"

„Es gibt noch so viele weitere lokale Anbieter. Warum stehst du in dieser Schlange?" “Du hast recht, aber die haben da keinen Wodka" erwidere ich meiner inneren Stimme und lege die drei Flaschen Wodka aufs Band. „Es ist eine Ausnahme!“