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06/07/2018 15:19 CEST | Aktualisiert 06/07/2018 16:56 CEST

Vergiss schlaflose Nächte – als Mutter wieder arbeiten zu gehen, ist härter

Niemand konnte mich darauf vorbereiten.

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"Ich hatte nicht darüber nachgedacht, wie schwer es werden würde." (Symbolbild)

Im Geburtsvorbereitungskurs bereiten sie dich auf die schlaflosen Nächte vor, das ständige Füttern, der gestörte Schlafrhythmus, die wunden Nippel, die vollen Windeln und, dass du wohl nie mehr alleine auf die Toillette gehen kannst. So würden die ersten Tage des Muttereins demnach aussehen. 

Dennoch bereiten sie dich nicht auf den härtesten Teil der Mutterschaft vor, den ich bisher erleben musste: Dein Kind das erste Mal zur Kinderbetreuung abzugeben.

Ich dachte immer, die Phase direkt nach der Geburt sei die härteste, aber ich lag völlig falsch. Denn in dieser Zeitspanne bist du immer noch high vom Oxytocin, das vom ständigen Stillen kommt.

Und das Adrenalin strömt immer noch durch deinen Körper, weil du das schönste und kleinste Wunder geschaffen hast und das Wunder nach neun Monaten endlich kennen lernen darfst. Nach neun Monaten voller Angst, in denen du ständig gebangt hast, dass alles gut gehen wird.

Ich hatte nicht darüber nachgedacht

Dann dachte ich, Zahnen würde die nächste schlimme Phase werden. 

Nein, wieder falsch gedacht. Ein untröstliches, achtmonatiges Baby zurück zu lassen, das keine Luft mehr zum Weinen findet, ist viel härter. Wenn du als Mutter einen Schrei hörst, schalten sich deine mütterlichen Instinkte ein und du machst alles, um dein Kind zu beruhigen.

► Und dann, ganz plötzlich, musst du gehen, dein Baby in den Armen eines Menschen lassen, den du kaum kennst und der dein Kind nicht kennt.

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Es ist einfach schrecklich und ich hatte nicht darüber nachgedacht, wie schwer es sein würde. Aber ich denke auch, nichts könnte dich auf die Emotionen vorbereiten, die du in dem Moment fühlst.

Tag Eins: Ich lief unter Tränen zur Kinderkrippe hin und wieder zurück zu meinem Auto. Ich hörte auch nicht auf zu weinen, als ich in meinem Haus saß – das sich auf einmal furchtbar leer anfühlte. 

Ich sah nur Tränen

Ich wählte eine Tageskrippe für Henry, meinen kleinen Jungen, weil er es sicher genießen würde, mit anderen Kindern zu kommunizieren.

Ich stellte mir vor, wie er mit anderen Kindern kichert und Spielzeuge von den Älteren bekommt. Ich stellte mir vor, wie er die Kinder, die schon laufen können, beobachtet und sich all das merkt, bis zu dem Tag, wenn er selbst anfängt zu laufen.

Aber in dieser Woche konnte ich nichts anderes als Tränen sehen – die schlimmsten Tränen, die sagen: “Mama, ich brauche dich und niemand anderen!”

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Normale Gefühle für Mutter und Baby

Dank vieler Bestärkungen von anderen Müttern wusste ich, dass meine Vorstellungen von einem glücklichen Henry in der Kinderkrippe eintreten würden.

► Ich hatte in dieser Woche zusätzlich bemerkt, wie wundervoll das Internet und Social-Media-Plattformen für frische Mütter sind.

Ich habe meine Ängste und meine Mama-Schuldgefühle geteilt und im Gegenzug so viel Zusicherung erhalten, dass das ein ganz normales Verhalten und normale Gefühle für beide, Mutter und Baby, seien.

Einige der besten Mama-Blogger sagten mir, dass es etwa sechs Wochen brauche, um sich an die neue Routine und den neuen Rhythmus zu gewöhnen.

Ich war neidisch

Tag zwei: Heute fühlte es sich so merkwürdig an, in mein Lieblingscafé ohne Henry zu gehen. 

Neidisch beobachtete ich eine Mutter und ihr Baby. Sie trank einen Kaffee, während ihr Kind fröhlich spielte.

Ich wusste, dass ich das in wenigen Stunden auch machen würde, nachdem ich Henry abgeholt habe. Aber ich hatte das Gefühl des Verlustes – unsere wöchentliche Routine, wie wir sie kannten, würde ab jetzt anders sein. 

Mir wurde gesagt, ich solle in dieser Woche etwas für mich selbst machen und das tat ich auch. Ich hatte eine Sport-Massage, da ich seit mehreren Wochen chronische Rückenschmerzen hatte. Eigentlich ausgelöst dadurch, dass ich den immer größer werdenden Henry ständig tragen muss.

Die Krippe würde Henry gut tun

Es fühlte sich gut an, etwas für mich zu machen. Und sobald Henry sich eingewöhnt haben wird, dachte ich, würde ich auch wieder eine Balance in meinem Alltag finden. Einerseits arbeiten und auf der anderen Seite weiterhin total vernarrt in meinen süßen Jungen sein. 

Denn sonst würde ich in dem Meer von Windeln, Abstillen und Füttern verloren gehen.

► Ich habe Glück, dass Henry zwei Mal in der Woche in die Krippe geht, sagte ich mir. So kann ich auch Nachmittags meinem Job nachgehen.

Den ganzen Tag zu arbeiten konnte ich mir nicht vorstellen – besonders als alleinerziehende Mutter. Alleinerziehend heißt nämlich, dass Henry und ich eigentlich 24 Stunden zusammen wären. Und ich würde nicht wollen, dass er so aufwächst und anhänglich wird, sich nicht selbstbewusst fühlen würde.

Ich fühlte mich inkompetent als Mutter

Mit diesen Gedanken war ich entschlossen, durch diese harte Phase zu kommen. Doch es verlief völlig anders.

Henry kam nach Hause und war übermüdet. Ich war emotional ausgelaugt und hatte wenig Geduld.

Wenn ich Henry das letztes mal am Abend füttere, ist das eigentlich ein schöner Moment. Doch diesmal lief alles schief. Er weinte und ich auch. Danach rief ich meine gute Freundin Liz an und sagte zu ihr: “Ich kann das nicht mehr!” 

Ich hatte Schuldgefühle, fühlte mich komplett inkompetent und dachte, dass ich dem Job als Mutter nicht gerecht werden kann. Um mich aufzumuntern, zitierte meine Freundin eine wunderschöne Zeile aus meinem Lieblingsfilm “Brief Encounter”: “Es wird nicht andauern, das Elend wird nicht andauern.”

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Henry wird dadurch wachsen

Und sie hatte Recht. Nach einiger Zeit in der Krippe schien es so, als hätten wir uns beide etwas beruhigt. Unsere Abend-Routine wurde Stück für Stück besser.

Die Zeichen, dass Henry die Krippe voranbringen wird, kann ich mittlerweile sehen. Er hat offensichtlich die anderen Babys dort beobachtet: Heute Abend ist er das erste mal richtig gekrabbelt!

► Eine wunderbare Entwicklung. Und ich hoffe, dass es weiter so aufwärts gehen wird. 

Und heute Abend ist es auch Zeit für meine persönliche Abendroutine – ein Glas Rotwein, ein Stück dunkle Schokolade und die neueste Episode von “The Affair”, während er fest schläft – zumindest vorerst.  

Der Text erschien ursprünglich in der HuffPost USA und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt und angepasst.

(nc)