POLITIK
08/09/2018 13:26 CEST | Aktualisiert 08/09/2018 14:18 CEST

Schlacht um Idlib beginnt: Dutzende Luftangriffe in Syrien

Idlib im Nordosten Syriens ist die letzte Hochburg islamistischer Rebellen in dem Land, in dem seit sieben Jahren ein Bürgerkrieg tobt.

AMER ALHAMWE via Getty Images
Ein Brand in Idlib im Februar nach einem Luftschlag der syrischen Armee.

► Einen Tag nach dem Gipfeltreffen zwischen den Staatschefs der Türkei, Russlands und des Irans hat die syrische Regierung offenbar mit Luftangriffen auf die Aufständigen in der Provinz Idlib begonnen.

► Laut Augenzeugen unterstützen russische Flugzeuge die Offensive. Regime-Helikopter sollen derweil Fassbomben über mehreren Dörfern abgeworfen haben.

► Das russische Militär behauptet, verschiedene Terror-Gruppen hätten sich am vergangenen Sonntag in Idlib getroffen, um eine “False-Flag”-Aktion vorzubereiten. Sie würden Giftgas-Angriffe der syrischen Regierung “inszenieren” wollen.

Zum Hintergrund: Die syrische und die russische Regierung haben in der Vergangenheit mehrfach behauptet, Giftgasangriffe auf Rebellen seien von Schauspielern inszeniert gewesen. Auch im Internet kursieren diese Gerüchte seit Jahren. Die meisten Indizien für “False Flag”-Aktionen konnten jedoch als falsch entlarvt werden.

Darum geht es in Idlib:

Idlib im Nordosten Syriens ist die letzte Hochburg islamistischer Rebellen in dem Land, in dem seit sieben Jahren ein Bürgerkrieg tobt.

Russland, die Türkei und der Iran hatten sich bei einem Gipfel in Teheran am Freitag nicht auf ein gemeinsames Vorgehen zur erwarteten Offensive der syrischen Regierung einigen können.

Die Türkei, die die Gegner von Präsident Baschar al-Assad unterstützt, konnte Russland und den Iran als Verbündete Syriens nicht von einer Waffenruhe in der Provinz überzeugen.

In Idlib, wo verschiedene Gruppen von der mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundenen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) kontrolliert werden, leben nach UN-Angaben auch drei Millionen Zivilisten. Beobachter befürchten ein Blutbad.

Wie wird die Türkei reagieren?

Die Türkei will diesem Blutbad an Zivilisten nicht tatenlos zusehen.

“Wenn die Welt vor der Tötung Zehntausender unschuldiger Menschen beide Augen zudrückt, um den Interessen des Regimes zu dienen, werden wir weder von der Seitenlinie zuschauen noch ein solches Spiel mitspielen”, schrieb Präsident Recep Tayyip Erdogan am späten Freitagabend auf Twitter.

Die Türkei hält in der Region Idlib zwölf Beobachtungspunkte. Ankara hatte vor rund einem Jahr eine große Offensive in Idlib gestartet und seine Macht im Norden Syriens maßgeblich ausgebaut.

Syrien-Experte Kerim Has sagte dem Magazin “Al-Monitor”, dass die Uneinigkeit zwischen der Türkei und Russland in der Frage um Idlib bald auch die gesteigerte Präsenz der Türkei in Afrin, Dscharabulus und Azaz betreffen könnte. 

Beobachter spekulieren gar, ob die Assad-Regierung zusammen mit kurdischen YPG-Kämpfern beginnen könnte, die türkische Koalition aus Afrin zu vertreiben.