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14/08/2018 12:27 CEST

Scheidungskosten – wie man die Kosten absetzt

Die Durchführung einer Scheidung verursacht in manchen Fällen Kosten im hohen fünfstelligen Bereich. Mit rechtzeitigen Regelungen wird es billiger.

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  • Absetzbarkeit der Scheidungskosten als außergewöhnliche Belastungen
  • Die Höhe der Scheidungskosten hängt vom jeweiligen Streitwert ab. Sie sind für die Gerichtsgebühren und für den Scheidungsanwalt zu zahlen.

Die voraussichtliche Höhe der Scheidung-Kosten ermitteln

Heute existieren verschiedene Online-Rechner, die es ermöglichen, die gerichtlichen Scheidungskosten einzuschätzen. Sie berücksichtigen die Tatsache, dass eine Ehescheidung schnell zu einer kostspieligen Angelegenheit werden kann.

In der Regel setzen sich die Scheidungskosten aus zwei Komponenten zusammen, den Gerichtskosten und den Anwaltskosten. Die Höhe beider Kostenfaktoren richtet sich nach dem Streitwert, über den während des Scheidungsverfahrens verhandelt wird.

Dieser Streit- beziehungsweise Gegenstandswert ist abhängig vom Nettoeinkommen der beiden Partner, der Anzahl der Kinder, dem Vermögen der Eheleute und dem oftmals durchzuführenden Versorgungsausgleich.

Die Scheidungskosten, die das Gericht verlangt, lassen sich aus einer Gebührentabelle ablesen. Rechtsanwälte haben aber aufgrund ihrer Gebührenordnung, die eine bestimmte Bandbreite für den jeweiligen Streitwert angibt, die Möglichkeit, unterschiedlich hohe Anwaltsgebühren zu berechnen.

Grundsätzlich übersteigen die Anwaltskosten die Gerichtsgebühren. Als Faustregel gilt, dass bei einer Scheidung von Geringverdienern ohne Vermögen eine Summe von 2.000 Euro oder mehr als Kosten für die Scheidung anfällt.

Strategien, um die Scheidungskosten gering zu halten

Idealerweise beschäftigen sich Paare besser vor der Eheschließung mit der Frage, was eine Scheidung kostet. Wenn sie dies tun, wird ihnen klar, dass die Anwaltskosten bei einer strittigen Scheidung schnell existenzbedrohende Ausmaße annehmen können.

Um dies zu verhindern, empfiehlt es sich, einen Ehevertrag abzuschließen. Dies hat bei einem Notar zu erfolgen. Der Ehevertrag zielt darauf ab, vor allem den Zugewinn- und den Versorgungsausgleich zu regeln beziehungsweise auszuschließen.

Wünscht sich das Paar die Gründung einer Familie, ist es dringend anzuraten, ebenfalls Vereinbarungen in Bezug auf das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder und für den nachehelichen Unterhalt zu treffen. Mit einem derartigen Ehevertrag lässt sich die spätere Scheidung schnell, unkompliziert und kostengünstig erledigen.

Die anfallenden Notarkosten sind im Vergleich zu den ansonsten drohenden Scheidungskosten extrem niedrig. Es besteht ebenso die Möglichkeit, einen Ehevertrag oder eine Scheidungsfolgenvereinbarung während der Ehe und nach einer Trennung abzuschließen.

Scheidungskosten von der Steuer absetzen

Bis zum Jahre 2013 waren die Scheidungskosten als außergewöhnliche Belastungen von der Einkommenssteuer absetzbar. Die diesbezügliche Rechtslage hat sich aber verändert. Seit der Gesetzesänderung sind Aufwendungen, die durch die Führung eines Prozesses entstehen, grundsätzlich nicht mehr als außergewöhnliche Belastungen absetzbar.

Dies gilt mit der einzigen Ausnahme, wenn die Führung des Prozesses erforderlich ist, um zu verhindern, dass der Betroffene seine Existenzgrundlage verliert. Die Scheidungskosten sind demzufolge ausschließlich in klar umrissenen Ausnahmefällen absetzbar.

Es hat eine Notsituation vorzuliegen, in der dem Steuerpflichtigen droht, ohne Prozess nicht mehr in der Lage zu sein, seine lebensnotwendigen Bedürfnisse im üblichen Rahmen zu decken. Aber es gibt eine neue Interpretation dieser Rechtsform durch ein Urteil des Finanzgerichts Köln.

Dieses lässt erneut eine Absetzbarkeit der Scheidungskosten zu, weil es davon ausgeht, dass ein Scheidungsverfahren keinen herkömmlichen Gerichtsprozess darstellt. In jedem Fall ist es empfehlenswert, sich rechtzeitig beim Anwalt zu erkundigen, inwieweit die Scheidungskosten voraussichtlich absetzbar sind.