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28/08/2018 15:47 CEST | Aktualisiert 03/09/2018 09:04 CEST

Scheidung: 3 Faktoren helfen Kindern, die Trennung der Eltern zu verkraften

Ihr solltet euch immer wieder klar machen, dass ihr keine schlechten Eltern seid, weil ihr euch scheiden lasst.

KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
Eine Scheidung kann ein traumatisches Erlebnis sein. 

“Mama und Papa lassen sich scheiden”: Das sind die gefürchteten Worte, die kein Elternteil gerne in den Mund nehmen möchte. In Wahrheit werden jedoch knapp 40 Prozent aller Ehen in den Deutschland eines Tages geschieden.

Eine Scheidung kann ein traumatisches Erlebnis für euch sein. Hinzu kommt die Sorge, welche Auswirkungen die Scheidung auf eure Kinder haben könnte. Denn selbstverständlich wollt ihr sie vor Leid und Kummer bewahren. Dass eure Kinder bis zu einem gewissen Grad unter der Scheidung leiden werden, lässt sich jedoch nie komplett vermeiden.

Und deshalb ist die richtige Kommunikation in dieser Situation besonders wichtig. Denn eure Kinder werden sich ihr Leben lang daran erinnern, auf welche Art ihr mit ihnen über das Thema Scheidung gesprochen habt.

3 Faktoren, die Kindern helfen, die Trennung zu verkraften

Studien zufolge gibt es drei ausschlaggebende Faktoren, die Kindern dabei helfen, die Scheidung ihrer Eltern gut zu verarbeiten.

► Erstens sollten sie ein enges Verhältnis zu beiden Elternteilen beibehalten können.

Zweitens sollten ihre Eltern ein gutes Erziehungsverhalten zeigen – ein Aspekt, der nicht sonderlich überrascht.

Der dritte Punkt lautet, dass sie so wenig wie möglich mit dem Konflikt zwischen den Eltern konfrontiert werden sollten.

Hier finden alle Eltern hilfreiche Tipps, wie sie dieseturbulente und herausfordernde Zeit am besten überstehen:

Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend

Wenn ihr und euer Partner über eine Trennung oder Scheidung nachdenkt, solltet ihr das Thema erst dann ansprechen, wenn ihr euch ganz sicher seid.

Eure Kinder sollten über dieses Thema nur so viel erfahren, wie unbedingt nötig ist. Und deshalb solltet ihr sie erst dann über eure bevorstehende Scheidung informieren, wenn eure Entscheidung feststeht.

Unsichere Verhältnisse tun Kindern nicht gut. Denn um unbeschwert aufwachsen zu können, müssen sie genau wissen, was ihre Zukunft für sie bereithält. Deshalb solltet ihr anfangs erst noch ein wenig abwarten, bevor ihr mit euren Kindern sprecht. 

Einen wirklich “guten” Zeitpunkt für das Gespräch über eure bevorstehende Scheidung gibt es nicht. Ihr solltet jedoch trotzdem darauf achten, dass ihr im Anschluss noch genug Zeit habt, um bei euren Kindern bleiben zu können.

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Eure Kinder werden danach viele Umarmungen und Trost benötigen. Deshalb solltet ihr also im Anschluss an das Gespräch nicht direkt zum Sport oder auf eine Geburtstagsparty gehen.

Sagt es euren Kindern gemeinsam

Auch wenn ihr euch als Paar bei sämtlichen Themen uneinig seid, solltet ihr euch wenigstens darüber absprechen, was ihr euren Kindern sagt. Idealerweise sollten Eltern ihre Kinder gemeinsam darüber informieren, dass sie sich scheiden lassen werden.

Wenn ihr gemeinsam mit euren Kindern sprecht, vermeidet ihr Missverständnisse. Denn so bekommen eure Kinder nur eine einzige Version der Geschichte zu hören. Und das zeigt ihnen, dass ihr die Entscheidung gemeinsam getroffen habt.

Wenn ihr eure Kinder über eure Scheidung informiert, solltet ihr euch dabei nicht gegenseitig die Schuld dafür in die Schuhe schieben. Achtet stattdessen darauf, dass ihr gemeinsam die Verantwortung für das Ende eurer Ehe übernehmt.

Wenn ihr gemeinsam zu eurer Entscheidung steht, bekommen eure Kinder nicht den Eindruck, dass sie an der Scheidung schuld sein könnten oder dass sie sich jetzt für einen von euch beiden entscheiden müssen.

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Fasst euch kurz und erklärt euren Kindern die Situation so einfach, dass sie sie auch verstehen. Seid dabei so ehrlich und direkt wie möglich. Nehmt aber dennoch Rücksicht auf das Alter und auf die emotionale Reife eurer Kinder.

Wenn ihr fertig seid, stellt euch darauf ein, dass sehr viele Fragen kommen werden. Es kann jedoch auch sein, dass ihr erst einmal gar keine Reaktion erhaltet.

Diese Fragen werden eure Kinder stellen

Mögliche Fragen eurer Kinder könnten lauten: “Wo werde ich nach der Scheidung wohnen und zur Schule gehen?”, “Wer von euch beiden wird ausziehen?” oder “Wer wird sich um mich kümmern und wie oft werde ich euch beide sehen?”.

Eure Kinder wollen einfach nur wissen, welche Auswirkungen die Scheidung auf ihr Leben haben wird. Deshalb solltet ihr unterstützend und einfühlsam auf die Fragen reagieren und konkrete Antworten darauf bereithalten.

Vermeidet gegenseitige Schuldzuweisungen

Ganz egal, wie wütend ihr auch aufeinander seid, solltet ihr eurem Partner nicht die Schuld für die Trennung zuschieben. Achtet auch darauf, euch nicht vor euren Kindern zu streiten. Und behaltet die Einzelheiten über mögliche Seitensprünge oder finanzielle Probleme für euch. 

Es kann schon sein, dass ihr unglaublich wütend seid und dass ihr euren Kindern vom schäbigen Verhalten eures Partners erzählen möchtet. Doch eure Kinder empfinden solche Aussagen als Verrat oder im schlimmsten Fall sogar als Kritik an ihnen selbst.

Euer Ex-Partner ist neben euch der engste Vertraute eures Kindes. Und deshalb solltet ihr aufpassen, was ihr sagt. Denn eure Kinder befinden sich in höchster Alarmbereitschaft.

Erspart euren Kindern die Einzelheiten

Der gemeinsame Esstisch sollte nicht zum Mittelpunkt eurer Scheidung werden. Vor allem, wenn eure Kinder bereits lesen können, solltet ihr unbedingt die Scheidungspapiere unter Verschluss halten.

Und sprecht niemals über rechtliche Fragen, wenn eure Kinder euch dabei belauschen könnten. Dies gilt auch für Telefonate.

Achtet auf ungewöhnliche Verhaltensweisen

Seid nicht überrascht, wenn eure Kinder plötzlich eigenartige Verhaltensweisen an den Tag legen. Es kann beispielsweise vorkommen, dass sie unsicher sind, schlechter schlafen oder plötzlich nicht mehr alleine aufs Töpfchen gehen.

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Es kann auch sein, dass sie wütender, frecher oder anhänglicher als sonst sind oder dass sie öfter nach Aufmerksamkeit suchen. Vergesst dabei nicht, dass eine Scheidung für Kinder sehr beängstigend sein kann.

Manche Kinder zeigen ihre Trauer oder Wut darüber ganz offen. Andere wiederum tun so, als würde die Scheidung ihnen überhaupt nichts ausmachen. Alle diese Gefühle können jederzeit aus ihnen herausbrechen und sie können auch von einer Minute zur nächsten ins komplette Gegenteil umschlagen.

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Es wird immer wieder bessere und schlechtere Tage geben. Nehmt also einfach jeden Tag so an, wie er ist. Im Übrigen werdet ihr dasselbe Gefühlschaos wie eure Kinder auch selbst durchmachen. Und deshalb ist es besonders wichtig, dass ihr euch ein starkes Netz aus Familienmitgliedern und Freunden um euch herum aufbaut.

 

 

Passt gut auf euch selbst auf

Und auch wenn ihr glaubt, dass ihr mit dieser lebensverändernden Situation alleine zurechtkommt, möchte ich euch dringend ans Herz legen, noch einmal darüber nachzudenken und euch vielleicht doch Hilfe zu holen.

Denn wenn ihr es euch selbst zugesteht, über das Ende eurer Ehe sprechen und trauern zu dürfen, könnt ihr auch besser für eure Kinder da sein. Macht euch die Erziehung eurer Kinder in dieser herausfordernden Zeit so einfach wie möglich und verausgabt euch nicht zu sehr. Passt gut auf euch selbst auf. 

Eure Aufgaben als Eltern beschränken sich momentan vielleicht lediglich darauf, so viel Zeit wie möglich mit euren Kindern zu verbringen, wie es euch irgendwie möglich ist, sie rechtzeitig ins Bett zu bringen und für ihre regelmäßigen Mahlzeiten zu sorgen. Doch damit habt ihr ja bereits die grundlegenden Voraussetzungen für die Erziehung von gesunden Kindern erfüllt.

Unabhängig davon, wie das Gespräch mit euren Kindern und die Scheidung verlaufen, solltet ihr euch immer wieder klar machen, dass ihr keine schlechten Eltern seid, weil ihr euch scheiden lasst. Denn euer Leben wird auch nach der Scheidung weitergehen! 

 Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt und redaktionell angepasst.

 

(glm)