POLITIK
20/10/2018 08:00 CEST | Aktualisiert 20/10/2018 14:23 CEST

Wende in Khashoggi-Drama: Saudi-Arabien macht ein Geständnis

Auf den Punkt.

dpa
Mohammed bin Salman

Mehr als zwei Wochen nach dem mysteriösen Verschwinden des saudischen Journalisten Dschamal Khashoggi hat Saudi-Arabien den Tod des Regimekritikers eingeräumt.

Klarheit, was am 2. Oktober im Konsulat in Istanbul passierte, herrscht damit allerdings noch nicht. Und auch die diplomatische Auseinandersetzung reißt wohl nicht ab. Die neusten Entwicklungen auf den Punkt gebracht.

Was Saudi-Arabien behauptet:

Vorläufige Ergebnisse hätten gezeigt, dass es zwischen Khashoggi und mehreren Personen im Istanbuler Konsulat zu einem tödlichen Streit gekommen sei, berichtete die staatliche saudische Nachrichtenagentur Spa am späten Freitagabend.

► Zum Verschwinden des Journalisten:

►  18 saudische Staatsangehörige seien festgenommen worden, darunter auch der Vizechef des Geheimdienstes. Die Ermittlungen zu der “bedauerlichen und schmerzhaften” Entwicklung liefen.

Spa zufolge war ein “Verdächtiger” - dessen Identität nicht aufgeklärt wird - nach Istanbul gereist, um Khashoggi zu treffen.

Es habe Anzeichen gegeben, dass dieser möglicherweise zurück nach Saudi-Arabien zurückgehen werde. Das Treffen im Konsulat allerdings sei nicht «wie erwartet» verlaufen und endete in Khashoggis Tod.

Die Täter hätten danach versucht, die Tötung zu vertuschen.

Das ist die Absicht von Riad:

Mit der Stellungnahme versucht die saudische Regierung offenbar, Kronprinz Mohammed bin Salman aus der Schusslinie zu nehmen.

Eine Verbindung zu der Tat könnte dem 33-jährigen starken Mann des Wüstenstaates, der unter heftigem Druck steht, sehr schaden.

Saudische oder den Saudis nahe stehende Medien berichteten unter Verweis auf Sicherheitskreise dann auch, der Thronfolger habe von einer Operation im Konsulat nichts gewusst.

Das bleibt offen:

Die wichtigsten Fragen beantwortet die saudische Regierung bislang nicht. Wieso beharrte sie über zwei Wochen darauf, Khashoggi habe das Konsulat verlassen?

►  Was passierte mit dem Körper des Journalisten?

Wer waren die Männer, die am Tag des Verschwindens in zwei Privatjets aus Saudi-Arabien nach Istanbul flogen und dort auf Videoaufnahmen am Flughafen, im Hotel und vor dem Konsulat zu sehen sind?

Türkische Ermittler gehen von einem 15-köpfigen saudischen Spezialkommando aus, das für den Mord an dem dem Journalisten in die Türkei reise.

So reagiert US-Präsident Donald Trump:

US-Präsident Donald Trump begrüßte die Festnahmen in Saudi-Arabien, hält den Fall aber noch nicht für restlos aufgeklärt. “Es ist nur ein erster Schritt, aber es ist ein großer erster Schritt”, sagte Trump am Freitagabend (Ortszeit) in Arizona.

 

Trump wollte keine öffentlichen Zweifel an der offiziellen Darstellung Saudi-Arabiens zum Tod Khashoggis äußern, betonte aber auch: “Wir haben einige Fragen.” Er wolle deshalb mit Kronprinz Mohammed bin Salman sprechen.

►  Das vage Eingeständnis aus Riad dürfte auch auf wachsenden Druck von US-Präsident Donald Trump zurückgehen, einem der wichtigsten Verbündeten des Königshauses. Trump hatte zuletzt eine “schwere Bestrafung” für den Fall angekündigt, dass Saudi-Arabien für den Tod Khashoggis verantwortlich sein sollte.

US-Außenminister Mike Pompeo hatte in dieser Woche zudem sowohl Riad als auch Ankara besucht, um sich nach dem Stand der Ermittlungen zu erkundigen.

Zum Hintergrund: Saudi-Arabien hatte seine Gangart mit Kritikern in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Unter der rigiden Herrschaft von Kronprinz Mohammed bin Salman wurden zahlreiche Aktivisten, Kleriker, Geschäftsleute oder Frauenrechtler eingesperrt. Auch im Ausland verschwanden nach Medienberichten mindestens drei kritische Angehörige der Königsfamilie. Es gibt Hinweise darauf, dass sie ins Königreich verschleppt wurden.

UPDATE, 14:20 Uhr:Ein Regierungsbeamter aus Riad hat der HuffPost US mitgeteilt, ein Komplize in der Türkei habe die Leiche des Journalisten verschwinden lassen. Alles dazu lest ihr hier.