POLITIK
25/11/2018 07:27 CET

Saudi-Arabien: So massiv unterstützen deutsche Lobbyisten den Kronprinz

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Bin Salman in London. 

Deutsche Lobbyisten unterstützen massiv den umstrittenen Kronprinzen von Saudi-Arabien, Mohammed bin Salman. Das geht aus einem 50-seitigen internen Strategiepapier der Berliner PR-Agentur WMP hervor, das der “Bild am Sonntag” (“BamS”) vorliegt. 

► Demnach wirbt WMP im Dokument mit einem breiten Netzwerk, “das einen schnellen Zugang zu neuen Politikern und altgedienten Beratern in jeder neuen Bundesregierung garantiert”. Als mögliche Kontakte führt WMP Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an. 

► Eine Sprecherin des Bundespräsidenten betonte aber, Gespräche mit Steinmeier hätten nie stattgefunden. Eine Bewertung des Staatsoberhaupts als “jederzeit zugänglich” sei überdies “unangemessen”.

Warum das Strategiepapier der Lobbyisten über Saudi-Arabien wichtig ist: 

Saudi-Arabien steht nach dem gewaltsamen Tod des Journalisten Jamal Khashoggi massiv unter Druck. Das Königshaus weist jede Verwicklung in den Fall zurück, türkische Ermittler und laut Medienberichten auch US-Geheimdienste sehen den Kronprinzen als Auftraggeber der Tötung Khashoggis.  

Die Bundesregierung genehmigt als Konsequenz auf den Tod des Journalisten derzeit keine Rüstungsexporte – für eine Dauer von zwei Monaten. 

Für Kritik am saudischen Königshaus sorgt auch der brutale Krieg im Jemen, den Kronprinz Mohammed bin Salman als saudischer Verteidigungsminister zu verantworten hat. Der Krieg führt zu einer massiven Hungersnot, nach Angaben der Organisation Save the Children sind im Jemen seit 2015 85.000 Kleinkinder verhungert. 

Was ihr noch über die Lobbyisten für Saudi-Arabien wissen müsst: 

► Die PR-Agentur WMP brüstet sich laut der “BamS” in ihrem Papier auch mit Kontakten zu deutschen Journalisten. Einige Redakteure hätten ihre Berichterstattung nach Kontakten geändert.

► Sämtliche genannten Medien – darunter die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”, die “Welt”, die “Süddeutsche Zeitung” und die “Bild” selbst – weisen gegenüber der “BamS” eine Beeinflussung ihrer Berichterstattung zurück. 

WMP-Chef Michael Inacker sagt der “BamS”: “Wir werben grundsätzlich nicht mit Persönlichkeiten. Wir geben Empfehlungen für eine mögliche Kontaktaufnahme mit Personen und Unternehmensvertretern, die ein Interesse an der Region haben könnten.”

► Er bestätigte der Zeitung auch, nach dem Tod von Khashoggi noch für das saudische Königshaus zu arbeiten. “Die Ermordung des saudischen Journalisten Khashoggi ist ein Verbrechen, das aufgeklärt werden muss”, betonte er.