POLITIK
30/08/2018 19:51 CEST | Aktualisiert 31/08/2018 16:15 CEST

Sarrazins neues Islam-Buch: Diese 8 groben Fehler sind schon jetzt entdeckt

"Völlig daneben."

JOHN MACDOUGALL via Getty Images
  • Bestsellerautor Thilo Sarrazin malt in seinem neuen Islam-Buch das Schreckgespenst einer Islamisierung der deutschen Gesellschaft an die Wand.
  • Zwei Experten entlarven 8 Fehler im neuen Sarrazin-Werk. 

Thilo Sarrazin, seines Zeichens Volkswirt und SPD-Politiker, spielt in seinem neuen Buch Religionswissenschaftler. Dazu hat Sarrazin Teile des Koran gelesen und daraus eine Islam-Kritik abgeleitet.

Das Buch mit dem provokanten Titel “Feindliche Übernahme, Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht” strotzt vor Verallgemeinerungen – auch einige Unstimmigkeiten haben sich eingeschlichen.

Hier sind die Top 8 der Fehler, die Islam-Spezialisten bereits gefunden haben.

Islamwissenschaftler Martin Rohe findet 3 große Fehler

Der Islamwissenschaftler Mathias Rohe wirft für die Deutsche Presse-Agentur einen kritischen Blick auf einige Thesen aus Sarrazins neuem Buch:

► 1. Sarrazin geht laut Rohe fälschlicherweise davon aus, dass muslimische Zuwanderer ihre Einstellungen nicht verändern würden, “dass sie sich gar nicht auf die deutsche Gesellschaft einlassen” würden.

Rohe kontert: Eine breit angelegte Untersuchung habe ergeben, dass “die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften unter Türken in der Türkei höher sei als unter türkischstämmigen Migranten in Deutschland”.

► 2. Auch ignoriere Sarrazin für seine Prognose über den künftigen Bevölkerungsanteil der Muslime bestimmte Daten, sagt Rohe.

Diese würden aber zeigen, dass “die Geburtenrate muslimischer Zuwanderer durch Zugang zum Bildungssystem in den Folgegenerationen sinke”.

► 3. Darüber hinaus spanne Sarrazin einen Bogen vom islamischen Propheten Mohammed bis hin zu dem Anführer des sogenannten Islamischen Staates, Abu Bakr al-Baghdadi, wenn er behauptet:

“Den vom IS ausgeübten Terror sehen er (al-Baghdadi) und seine Anhänger als den neuen Dschihad. Historisch und religionsphilosophisch schließt sich hier ein Kreis.”

Aus Sicht von Rohe übernehme Sarrazin damit genau die Koran-Auslegung der Terroristen. Der Islamwissenschaftler kommentiert: “Herr Sarrazin wäre eine wunderbare Besetzung für’s Kuratorium des Salafisten-Verbandes”.

Mathias Rohe hat unter anderem zum islamischen Recht, der “Scharia”, sowie zur Paralleljustiz muslimischer Migranten geforscht. Als Experte in diesen Themen berät er auch den Verfassungsschutz.

Falsche Jahreszahlen und mehr

Auch laut Islamexperten und Journalisten bei der “Frankfurter Allgemeine Zeitung”, Rainer Hermann, falle der “Faktencheck” für Sarrazin “nicht günstig” aus:

► 4. Mit Jahreszahlen nehme es Sarrazin nicht so genau. So nenne er beispielsweise bei der Eroberung von Bagdad durch die Mongolen (1258) eine falsche Jahreszahl.

► 5. Auch scheint er geographisch nachlässig recherchiert zu haben. Denn der Sudan ist nicht Teil des Maghreb, wie Hermann festhält.

► 6. Außerdem schreibe Sarrazin Namen und Vornamen falsch, verwechsle “Aleviten” und “Alawiten”, sowie “Laizismus” und “Säkularismus“.

► 7. Zu Afrika behaupte Sarrazin: “Viele Problemstaaten in Afrika und Asien“ würden dadurch geeint, “dass die dort lebenden Menschen überwiegend muslimischen Glaubens sind”.

Laut Rainer Hermann sind jedoch 63 Prozent der Einwohner von Subsahara-Afrika Christen.

► 8. Die Behauptung Sarrazins, der “Koran kenne keinehistorisch-kritische Exegese”, bezeichnet Hermann in seinem Artikel als “völlig daneben”. 

Sarrazin verschweige, dass es “zu Versen, die etwa zu Gewalt aufrufen, solche gibt, die das Gegenteil fordern” würden.