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20/04/2018 10:09 CEST | Aktualisiert 20/04/2018 10:23 CEST

Halle: Christlicher Verein will Homosexuelle "heilen"

Der Verein stuft Homosexualität als Störung ein und sieht sie als gleichwertig mit Pädophilie.

Jose Luis Pelaez Inc via Getty Images
Was gibt es da zu heilen?
  • Ein christlicher Verein in Halle steht in der Kritik
  • Wie die “Mitteldeutsche Zeitung” berichtet, versucht der Verein für Lebensorientierung Homosexuelle “zu heilen”

Fast könnte man meinen, wir leben in den 1950ern: Ein christlicher Verein in Sachsen-Anhalt will offenbar Homosexuelle “heilen”. Das geht aus einer Seminar-Ankündigung des Vereins für Lebensorientierung (Leo) hervor, wie die “Mitteldeutsche Zeitung” (MZ) berichtet. 

Ziel des Vereins – so heißt es auf dessen Webseite – ist es, Anleitung zur Selbsthilfe zu bieten. Unter anderem sollen Hilfesuchende, die unter Angst, Depression oder Aggressionen leiden, “zur aktiven Teilnahme am öffentlichen Leben” befähigt werden. 

Leo setzt Homosexualität mit Pädophilie gleich

Des Weiteren hat sich der Verein der “Förderung von Ehe, Familie und Jugend” verschrieben. Homosexualität scheint nach ihrem Verständnis im Widerspruch dazu zu stehen.

► In einer anderen Beschreibung, zum Kurs “Selbstbehandlung innerseelischer Störungen“, wird Homosexualität als “Störung“ eingestuft und mit Pädophilie gleichgesetzt. 

► Bei “Homosexualität, Transvestitismus, Transsexualität, Pädophilie, Hypersexualität, Exhibitionismus” bleibe die Sexualität auf einer “infantilen Stufe“ stehen, heißt es laut “MZ” in einer Kursbeschreibung.

► Selbstmitleid und Minderwertigkeitskomplexe verhinderten zudem “die Entwicklung zur ganzen Reife eines Mannes”.

Vorwürfe gegen Verein für Lebensorientierung sind nicht neu

Dem Verein war bereits vor Jahren vorgeworfen worden, solche Seminare anzubieten. Aus diesem Grund hatte der Landkreis Mansfeld-Südharz Leo im Jahr 2014 die freie Trägerschaft aberkannt.

Die “Berliner Zeitung” berichtete damals, der Verein sei Anfang der 1990er von einem evangelischen Pastor und ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten gegründet worden. 

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Dagegen hatte der Verein geklagt und in zwei Verfahren Recht bekommen. Begründet wurde dies seinerzeit damit, dass man nicht mit Sicherheit sagen könne, was in den Kursen tatsächlich gelehrt wird.

Nun scheint es Gewissheit zu geben.

(ks)