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27/06/2018 14:55 CEST

Sachsens Schüler haben künftig weniger Mathe- und Englischstunden

Der Lehrerverband prognostiziert einen Aufschrei unter den betroffenen Fachlehrern.

skynesher via Getty Images
Künftig soll es für sächsische Schüler weniger Mathe-, Sport- und Englischunterricht geben.
  • Nach einer Reform der Stundentafeln soll es ab August 2019 für Schüler in Sachsen weniger Unterricht geben.
  • Diese Änderung soll der Entlastung der Schüler dienen und dem Lehrermangel entgegenwirken.

Die Schüler scheinen Sachsens Reform teilweise zu begrüßen, doch die Eltern zeigen sich skeptisch: Das Land will Unterrichtsstunden kürzen.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) stellte am Dienstag in Dresden die Reform vor. Diese Änderungen sollen umgesetzt werden:

Weniger Englisch- und Mathestunden für Sachsens Schüler

Die “Freie Presse” berichtet, dass die Reform der Stundentafel zum Schuljahr 2019/20 in Kraft treten wird. Das Kabinett hat ihr bereits zugestimmt.

► An den Oberschulen werden die meisten Stunden ausfallen: In der fünften Klasse sollen nur noch vier statt fünf Stunden Mathematik in der Woche stattfinden.

► Bei den Sechstklässlern wird der Englisch-Unterricht von fünf auf vier Stunden gekürzt, Biologie in der siebten Klasse wird es nur noch eine statt bisher zwei Stunden in der Woche geben.

► Sport soll von der siebten bis zur zehnten Klasse zweimal statt dreimal stattfinden.

Insgesamt wird es an den Oberschulen von Klasse fünf bis zehn sieben Wochenstunden weniger Unterricht geben.

An Gymnasien wird der Unterricht insgesamt um sechs Wochenstunden gekürzt. 

Die betroffenen Fächer sind unter anderem Mathematik, das von fünf auf vier Stunden in der fünften Klasse gekürzt wird, die zweite Fremdsprache, die von vier auf drei Stunden in den Stufen sechs und acht gekürzt wird und Sport, das von drei auf zwei Stunden in Stufe sieben gekürzt wird.

Insgesamt sechs Stunden sollen bei den Klassen fünf bis zehn eingespart werden.

An Grundschulen sind für die dritten und vierten Klassen Veränderungen vorgesehen.

Bei Drittklässlern gibt es künftig nur eine statt zwei Stunden Musik und Viertklässler haben eine Stunde Deutsch und eine Sport weniger.

Kultusminister Piwarz: Die Veränderungen seien “moderat”

Der Minister sagte, die Änderungen sollen Entlastungen für die Schüler bringen und Freiräume für ein individuelles Lernen ermöglichen, berichtet die “Sächsische Zeitung”.

Kultusminister Piwarz nannte die Veränderungen “moderat”. Er sei sich aber bewusst, dass Diskussionen über einzelne Fächer bevorstünden.

Änderungen am Konzept wird es aber nicht mehr geben.

“Das ist so gesetzt. Wir werden als Kultusministerium das entsprechend so umsetzen”, sagte Piwarz.

Er verweist darauf, dass Schulen eigenhändig handeln und ein Stück weit von den Vorgaben abweichen können.

So können eigene Stundentafeln erstellt werden, allerdings müssen Richtlinien eingehalten werden.

“Nicht für die Abschlussklassen an den Oberschulen und nur unter begrenztem Rahmen kann eine Pflichtfach-Wochenstunde zugunsten eines anderen Faches verlagert werden”, schreibt der “MDR Sachsen”. 

Den Schulen soll nun auch mehr Geld für Ganztagsangebote zur Verfügung gestellt werden.

Die Landesregierung geht davon aus, dass die Kürzungen bei der Stundentafel auch positive Auswirkungen auf den Lehrermangel haben. Durch die Reduzierungen könne man 770 Vollzeitstellen einsparen, sagte Piwarz.

Der Lehrerverband warnt vor sinkender Qualität

Es gibt jedoch auch Kritik an der Reform: Der Landesschülerrat begrüßte zwar die Entlastungen und den Ausbau des Faches Gemeinschaftskunde an Oberschulen und Gymnasien. Doch er kritisierte die Einschränkungen beim Musik- und Sportunterricht.

Der Lehrerverband prognostiziert einen Aufschrei unter den betroffenen Fachlehrern.

Der Landesvorsitzende des sächsischen Lehrerverbandes, Jens Weichelt, warnt, dass die Reduzierung von Unterrichtsstunden zu einer reduzierten Qualität der Fächer führen könnte, so der MDR Sachsen. 

Auch der Landeselternrat ist skeptisch. Der Verband befürchtet, dass es mit den Stundenkürzungen auch Inhaltskürzungen geben werde.

Dann müsste der fehlende Stoff in Nachhilfestunden aufgearbeitet werden, die die Eltern der Schüler zahlen müssen.

“Die Eltern sind letztendlich die Kuh, die wieder gemolken wird”, erklärt Michael Becker, Vorsitzender des Landeselternrat Sachsen.

Kultusminister Piwarz verspricht aber, dass die Schüler weiterhin für die Prüfungen gut vorbereitet werden.

(lm)