WIRTSCHAFT
10/11/2018 08:29 CET | Aktualisiert 10/11/2018 16:26 CET

Ryanair-Pilot berichtet von Schikane der Airline: "Es ist unerträglich"

Für Kaffee, Hotel und Mietwagen soll er selbst zahlen – jetzt wird er auch noch versetzt. Für deutlich weniger Geld als zuvor.

Im Video oben: Das System Billigflieger – wie können Billigflieger wie Ryanair solch günstige Flugpreise anbieten?

“Sie machen uns kaputt.”

Es sind schwere Vorwürfe, erhoben von einem Piloten der Billigfluglinie Ryanair gegen seinen Arbeitgeber. In der “Zeit” packt der ehemals begeisterte Luftfahrer über die Zustände bei Ryanair aus.

Er, Familienvater Max Wimmer (Name geändert), sagt, es sei “unerträglich”, wie sich das Unternehmen dieser Tage gegenüber seiner Belegschaft verhalte.

Die Airline hat die Standorte Eindhoven und Bremen am Montag geschlossen und den Betrieb der Basis im westfälischen Weeze heruntergefahren. Der Grund: wirtschaftliche Turbulenzen.

Angeblich: saisonale Schwankungen.

Michele Tantussi via Getty Images

 

Eine Sprecherin beschwichtigt: “Eine Schließung der Bremen-Basis im Winter bedeutet lediglich, dass die Bereitstellung der Crews der Ryanair-Maschinen in diesem Zeitraum nicht mehr aus dem Standort Bremen, sondern von anderen im Umlauf des Flugzeuges befindlichen Standorten erfolgt.”

Für die Mitarbeiter, das wird spätestens im “Zeit”-Beitrag klar, ist das allerdings dramatischer, als es sich anhört. ”Ändert Ryanair seinen Standort, ändert sich ihr Leben”, erklärt die Zeitung. 

Piloten sollen Kaffee selbst bezahlen

Es ist ein Leben, das ohnehin wenig begehrenswert scheint.

Wimmer berichtet: Ein bis zweimal im Monat habe er fünf Tage in Folge Frühschicht. Das bedeutet: Aufstehen um 3:30 Uhr, Rückkehr gegen 17 Uhr.

Selbst den Kaffee im Cockpit müssen die Piloten laut “Zeit” selbst zahlen: drei Euro pro Becher. 

Vier Flüge pro Tag macht der Pilot dann – unter genauer Beobachtung. Denn fährt er drei Minuten zu früh die Räder aus, was den Kerosinverbrauch erhöht, wird das vom Vorgesetzten hinterfragt; tankt er mehr als der Durchschnitt seiner Kollegen wird das ebenfalls vermerkt, sagt der Insider.

Alles ist auf den Profit ausgerichtet.

Auch die Pünktlichkeit der Flüge wird stets verglichen: Piloten stehen im ständigen Vergleich zueinander. Wimmer spürt diesen Druck – und abschalten ist schwierig.

Er muss versetzt werden – und soll jetzt weniger verdienen

“Ryanair hat mir fast nie meinen Urlaubswunsch erfüllt, sondern nur dann zugestanden, wenn es in die Dienstpläne passte”, sagt der Vater der “Zeit”. Einige seiner E-Mails mit Vorgesetzten liegen der Zeitung vor. Immer wieder sollen seine Urlaubswünsche abgelehnt worden sein.

Nach der Schließung des Bremer Standorts sollten die Piloten andere Wunsch-Standorte angeben. Wimmer wählte Frankfurt und Berlin.

Die Antwort kam wieder per Mail: Leider könne die Airline seinen Wünschen nicht nachkommen. Er könne aber im Baltikum anfangen, in Südeuropa oder in London Stansted.

Wimmer war da gerade im Urlaub und antwortete nicht. Also kam die nächste E-Mail: Da er sich nicht gemeldet habe, werde er nun nach London versetzt. Inklusive Gehaltsreduzierung auf 25.000 britische Pfund. Bislang ist sein Grundgehalt fast doppelt so hoch. Auch Hotels und Mietwägen soll er in Zukunft selbst zahlen. 

Wimmer spricht von Schikane – und glaubt: Das Unternehmen will Vergeltung üben gegen die Piloten, die im Sommer den Streikaufrufen der Gewerkschaften folgten. 

Ryanair weist das zurück: Steigende Ölpreise und sinkende Flugpreise machten es nötig, auf die wirtschaftliche Entwicklung zu reagieren. 

Die HuffPost hat das Unternehmen um eine Stellungnahme zu den weiteren Vorwürfen gebeten.

(nmi)