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07/07/2018 19:08 CEST | Aktualisiert 15/07/2018 17:58 CEST

Kroatiens WM-Star: Warum viele kroatische Fans Luka Modric hassen

Der Star-Spieler hat eine krude Vergangenheit.

  • Luka Modric ist einer der besten Mittelfeldspieler der Fußball-Welt – und der große Hoffnungsträger Kroatiens beim Finale gegen Frankreich. 
  • Doch bei vielen Fans in Kroatien ist Modric verhasst. Warum?
  • Im Video oben mehr rund um die WM: War Streit zwischen Hummels und Khedira Grund für das WM-Aus?

Vier Titelsiege in der Champions League, fünf Mal zum Spieler der Saison in seinem Heimatland Kroatien gewählt: Luka Modric ist der Superstar des kroatischen Fußballs

Auf dem 32-jährigen Mittelfeldspieler von Real Madrid ruhen die WM-Hoffnungen eines ganzen Landes – könnte man meinen

Denn Modric mag zwar einer der besten Spieler Kroatiens aller Zeiten sein – doch der Ausnahmekönner wird in seinem Heimatland von vielen Fans regelrecht gehasst. 

Der Grund: Ein ehemaliger Manager Modrics, der oft als “meistgehasster Mann Kroatiens” bezeichnet wird – und ein Auftritt vor Gericht. 

Modrics krumme Deals in Kroatien 

Der Mann, um den es beim Hass auf Modric geht, heißt Zdravko Mamic. 

Mamic ist – beziehungsweise: war – einer der mächtigsten Männer im kroatischen Sport. Er war lange der Präsident des bekanntesten Fußball-Clubs Kroatiens, Dynamo Zagreb – während er gleichzeitig Agent mehrerer Spieler des Vereins war. 

Im Juni wurde Mamic wegen dieser kuriosen Berufskonstellation zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, auf illegale Weise privat an Transfers von Spielern seines Vereins profitiert zu haben. 

► Vor Gericht ging es dabei vor allem um zwei Klienten von Mamic: Den Innenverteidiger Dejan Lovren – und eben Luka Modric. 

Mamic hatte mit den Spielern krumme Deals abgeschlossen. Er holte sie zu Dynamo und zwang sie, Verträge zu unterschreiben, nach denen sie 50 Prozent ihrer Einkommen an Mamic zahlen mussten. 

Modric hatte in einer Anhörung der Staatsanwaltschaft berichtet, dass während seines Wechsels zu Tottenham nächträglich ein Vertrag zwischen ihm und Mamic abgeschlossen worden sei, um dem Dynamo-Präsidenten mehr Profite zu ermöglichen. 

Es folgte ein denkwürdiger Auftritt Modrics vor Gericht im vergangenen Jahr. 

Modric redet sich heraus – und erntet landesweite Wut

Denn der Fußballstar konnte sich auf einmal nicht mehr an seine Aussagen gegenüber der Staatsanwaltschaft erinnern. Modric sagte: 

“Ich habe nie gesagt, dass ... dass der Vertrag im Nachhinein abgeschlossen wurde. Ich habe euch gesagt, dass ich mich nicht erinnern kann, wann es passiert ist.”  

Die Gerichtsverhandlung wurde live im kroatischen Fernsehen übertragen. Und über Modric brach ein Sturm der Wut herein. Schnell wurde von Modric als “zweitmeist gehasstem Mann Kroatiens” geschrieben. 

An einem Hotel, in dem er und seine Familie gewohnt hatten, als der Fußballer noch ein Kind war, hängten Unbekannte eine Flagge auf. Darauf stand: “Luka, du wirst dich eines Tages noch an das hier erinnern.” 

Modric schwieg zu dem Thema. Er ist in Kroatien nun wegen einer Falschaussage angeklagt, könnte sogar eine Haftstrafe bekommen. 

Sein ehemaliger Präsident und Agent Mamic floh nach Bosnien-Herzegowina, um der Verhaftung in Kroatien zu entgehen. 

Möglich, dass er an diesem Abend von dort zuschaut, wie sein ehemaliger Spieler für ein Land aufläuft, in dem ihn viele Menschen hassen.