POLITIK
13/02/2019 10:22 CET | Aktualisiert 14/02/2019 14:15 CET

Russland-Affäre: Warum Trumps Ex-Wahlkampfmanager erneut in den Fokus rückt

Auf den Punkt.

Getty
Wegen verschiedener Geldverbrechen ist Donald Trumps Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort bereits verurteilt – die Rolle des Beraters in der Russland-Affäre wird jedoch weiter untersucht. 

Verurteilt ist Paul Manafort längst: wegen Bank- und Steuerbetrug in acht Fällen. Die Rolle von Donald Trumps ehemaligem Wahlkampfmanager in der Russland-Affäre jedoch ist noch nicht vollständig aufgeklärt. 

Manafort war nach seiner Anklage wegen Finanzverbrechen einen Deal mit Sonderermittler Robert Mueller eingegangen. Der 69-Jährige versprach, mit den Ermittlern zu kooperieren und erhoffte sich davon ein geringeres Strafmaß. 

Vor wenigen Wochen gab Mueller jedoch bekannt, dass er den Deal mit Manafort als gescheitert ansieht. Der Trump-Vertraute habe die Ermittler über Verbindungen nach Russland belogen. 

Nun hat ein Gericht ein Transkript einer Anhörung Manaforts am vergangenen Montag veröffentlicht. Die 143 Seiten verraten viel über Muellers Vorgehen in den Russland-Ermittlungen – und offenbaren, dass eine Verbindung Manaforts zu einem mutmaßlichen russischen Agenten in deren Zentrum steht. 

Die neuen Erkenntnisse auf den Punkt gebracht. 

Manaforts Lügen: 

Das Transkript offenbart die Fälle, in denen Muellers Anwalt Andrew Weissmann Manafort der Lüge bezichtigen: 

► Manafort zahlte laut Muellers Ermittlern dem Trump Super-PAC “Rebuilding America Now PAC” (einer Art politischer pro-Trump Lobby-Organisation, Anm.) eine Summe von 125.000 US-Dollar. Manafort habe diese Summe als “Leihe” bezeichnet – Anwalt Weissmann glaubt, sie ist Teil eines möglicherweise illegalen Deals, um Manaforts Schulden bei einer Anwaltsfirma zu tilgen. 

► Manafort hatte dem Büro des Sonderermittlers laut Weissmann versichert, keine Kontakte mehr zu Mitgliedern der Trump-Regierung zu haben. Auch das sei eine Lüge gewesen. Tatsächlich hatte etwa die “New York Times” berichtet, dass Manforts Anwalt Trumps Anwaltteam über die Inhalte der Gespräche seines Mandanten mit Mueller informierte. 

► Manafort soll laut Weissmann zudem im Zusammenhang mit einer nicht näher spezifizierte Ermittlung des US-Justizministeriums gelogen haben, zu der er befragt wurde. Trumps Ex-Wahlkampfmanager habe hier eine “verwässerte”, “weniger belastende” Version der Ereignisse präsentiert.

Der mysteriöse Konstantin Kilimnik: 

Die brisantesten Passagen in dem neuen Transkript handeln von einem russischen Kontaktmann Manaforts: 

► Konstantin Kilimnik ist ein ehemaliger Mitarbeiter Manaforts aus dessen Tagen als pro-russischer Lobbyist in der Ukraine. Sonderermittler Robert Mueller wirft Kilimnik enge Kontakte zum russischen Geheimdienst vor; Kilimnik soll zudem Beziehungen zum Putin-nahen Oligarchen Oleg Deripaska haben. 

► Auch Manafort führte vor seiner Arbeit für Trump Geschäftsbeziehungen zu Deripaska, schuldete diesem eine hohe Millionensumme.

► Manafort soll Deripaska im Wahlkampf sogar interne Informationen aus Trumps Team angeboten haben – und tatsächlich zeigt ein unzureichend zensiertes Schreiben von Manaforts Anwälten, dass dieser Kontaktmann Kilimnik Umfragedaten der Trump-Kampagne übergab. 

► Das neue Gerichtstranskript offenbart nun, dass Muellers Ermittler über ein weiteres Treffen zwischen Manafort und Kilimnik Bescheid wissen. Gemeinsam mit Trump-Berater und Manfort-Mitarbeiter Richard Gates trafen sie sich am 2. August 2016 in einer privaten Zigarrenlounge namens Grand Havana Room in New York.

► Laut Muellers Anwalt Weissmann belog Manafort die Ermittler über seine Kontakte zu Kilimnik. Diese seien jedoch “ein Herzstück der Untersuchungen des Sonderermittlers”. Mueller glaubt demnach, dass Manafort und Kilimnik bei dem Treffen Informationen über den Wahlkampf austauschten.

Das “extrem sensible Thema”: 

Auf den Seiten 84 und 85 des Manfort-Transkripts findet sich eine weitere spannende Passage – die jedoch viele Schwärzungen enthält: 

► Klar ist, dass es an dieser Stelle um Informationen geht, die im Zusammenhang mit dem ehemaligen Trump-Berater Richard Gates stehen. Gates ist ein ehemaliger Geschäftspartner Manaforts. Auch er wurde wegen Finanzverbrechen angeklagt und ging einen Deal mit Mueller ein. 

► Laut Mueller-Anwalt Weissmann hat Manafort über einen Sachverhalt, der mit ihm und Gates in Zusammenhang steht, gelogen. Die Details dazu sind geschwärzt – doch Weissmann sprach bei der Anhörung laut Transkript von einem “extrem sensiblen Thema”

Screenshot

Die Erkenntnisse aus dem Manafort-Transkript auf den Punkt gebracht: 

Sonderermittler Robert Mueller beschuldigt Donald Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort, einen Deal gebrochen zu haben, den dieser mit den Ermittlern einging.

Manafort soll Mueller mehrfach belogen haben: Über Geldgeschäfte und über Treffen mit dem mutmaßlichen russischen Agenten Konstantin Kilimnik.

Ein Gerichtsdokument zeigt jetzt, dass ein Treffen Manaforts mit Kilimnik im Wahlkampf 2016 die besondere Aufmerksamkeit der Ermittler auf sich gezogen hat. Der Verdacht: Manafort informierte Kilimnik über Interna der Trump-Wahlkampfkampagne. 

Update, 14. Februar 2019: 

 

Das Gericht hat in drei Fällen im Sinne des Büros von Sonderermittler Robert Mueller entschieden. Es hält es als bewiesen an, dass Paul Manafort über die Zahlung an das Trump-Super-PAC “Rebuilding America Now PAC”, während seiner Befragung über die nicht näher beschriebene Ermittlung des US-Justizministeriums und über seine Kontakte mit dem mutmaßlichen russischen Agenten Konstantin Kilimnik log. 

 

Für nicht bewiesen hält das Gericht den Vorwurf, dass Manafort über fortdauernde Kontakte zu Mitarbeitern von Donald Trump log. 

 

► Die Entscheidung des Gerichts bedeutet, dass der Deal zwischen Mueller und Manafort hinfällig ist. Trumps ehemaliger Wahlkampfmanager muss deshalb mit einem hohen Strafmaß rechnen, wenn dieses Anfang März verkündet wird. 

(lp)