NACHRICHTEN
02/04/2018 14:50 CEST | Aktualisiert 03/04/2018 06:48 CEST

Russische Post zelebriert Paketlieferung per Drohne – der Pilotflug endet im Desaster

An der Häuserwand war Schluss.

  • Die Russische Post hat erstmals eine autonom fliegende Drohne getestet
  • Eigentlich sollte das Fluggerät ein Paket ausliefern – doch es scheiterte bereits am nächsten Haus

In der russischen Provinz verwandeln sich jedes Frühjahr viele Straßen in Schlammpisten. Entsprechend schwer kommen etliche Fahrzeuge voran, gerade an entlegenen Orte in Sibirien. 

Was liegt da näher, als die dortigen Bewohner per Luft zu versorgen. Die Russische Post hat deshalb an diesem Montag einen Testflug mit einer selbstständig fliegenden Drohne gestartet – doch die PR-Veranstaltung geriet schon nach wenigen Minuten zum Desaster. 

17.000 Euro Schrott

Am Montagmorgen versammelten sich dutzende Journalisten und Schaulustige  vor einer Postfiliale in einem südlichen Stadtteil von Ulan-Ude, der Hauptstadt der Republik Burjatien in der Nähe des bekannten Baikalsees. 

“Es ist eine Ehre für uns. Bald wird die Republik ihre eigene Produktion von unbemannten Drohnen starten”, erklärte der burjatische Regierungschef Alexej Zydenow laut dem Internetportal “Baikal Daily” vor dem Abheben noch selbstbewusst. In die russische 400.000-Einwohner-Stadt war auch der Generaldirektor der Russischen Post gereist, um dem Testflug beizuwohnen.

Doch kurz nachdem die laut Medienberichten 1,2 Million Rubel (knapp 17.000 Euro) teure Drohne mit ihrer zwei Kilogramm schweren Fracht abgehoben ist, wurde sie bereits unsanft gestoppt – von einer Hauswand, kaum 100 Meter weiter.

Bis zu 300 Kilogramm Fracht

Eigentlich sollte das Fluggerät das Paket ins etwa 40 Kilometer entfernte Dörfchen Tarbagataj bringen (nach anderen Angaben war das Ziel der etwa 20 Kilometer entfernte Ort Nischnij Sajantuj), aber sie kam nur bis zum Nachbarhaus. 

Für die Russische Post ist es ein PR-Desaster. Bereits Ende 2017 hatte das Staatsunternehmen seinen Jungfernflug geplant. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Ria Nowosti berichtet, sollen die Drohnen in Zukunft sogar mit bis zu 300 Kilogramm schwerer Fracht abgelegene Postämter anfliegen. 

Bis das tatsächlich passiert, dürfte es angesichts des Absturzes noch etwas dauern. Denn selbst das russische Staatsfernsehen berichtete über den Fehlschlag. Dort wird vermutet, dass eine starke Windböe oder Interferenzen von WLAN-Netzen die Ursache für den Unfall sein könnte. 

Zudem schließen die Entwickler der Drohnen nicht aus, dass sogar die Konkurrenz den Absturz verursacht habe, wie der lokale Nachrichtensender Aris Us berichtet.

“Die letzte Aufnahme der Drohne”

Egal was die Ursache war: Bereits kurz nachdem der – glimpflich abgelaufene – Crash bekannt wurde, reagierten die Nutzer im russischsprachigen Internet mit Hohn und Spott:

► “Die Drohne der Russischen Post”:

► “Die letzte Aufnahme der Drohne”:

In Anlehnung an die offiziellen Verlautbarungen des Kremls, gerade angesichts des russischen Eingreifens in der Ukraine, schrieb ein Nutzer sarkastisch:

► “Pressemitteilung der Russischen Post: Die in Ulan-Ude abgestürzte Drohne gehört nicht zur Russischen Post (und wurde vor bereits vor einer Woche gefeuert).”

(jds)